Kritik: „Avatar – Aufbruch nach Pandora“

Handlung:

Jack Sullys Leben
ist nicht gerade sein wahrgewordener Traum. Er lebt auf einer Erde, die
ausgebeutet ist, die Starken machen sich dort über die Schwacher her und
er sitzt im Rollstuhl. Eines Tages erhält er die Nachricht, dass sein
Bruder bei einem Raubüberfall getötet wurde. Weil Jacks DNA mit seiner
identisch ist, bekommt er nun die Chance auf dem Planeten Pandora in
einen Avatar zu schlüpfen, der eigentlich für Jacks Bruder gedacht war.
So willigt Jack ein. Dort angekommen findet er unter den Menschen zwei
Lager vor. Die einen, nämlich das Militär, sind gerade dabei, den
Planeten der Navi-Urbevölkerung auszubeuten, während die wenigen
Wissenschaftler dort versuchen, eine friedliche Lösung des sich
abzeichnenden Konflikts zu finden. Quaritch, der Chef des Militärs, will, dass Jack das Vertrauen der Navi
sich erschleicht, nur um diese besser ausschalten zu können im Fall der
Fälle. Jack willigt ein. Doch mit der Zeit wird er immer mehr zu einem
der Navi und hat für Quaritschs Ideen bald nichts mehr übrig.

Storybewertung:

Die Geschichte von Avatar ist gleichzeitig ein großes Plus, aber auch ein
klein wenig ein Minus des Filmes. Zuerst einmal zum Minus. Sicherlich
ist die Geschichte nichts allzu komlexes oder besonders herausragend im
Vergleich mit anderen Filmen der letzten Jahre. Wenn sich ganz einfach
ausgedrückt, blaue Affen durch ihre Haare auf „USB- artige“ Weise mit
ihrer Umwelt (Bäume, Tiere) verbinden können, dann mutet das schon ein
wenig befremdlich an im ersten Augenblick. Aber insgesamt bietet der
Film sehr viel Spannung. Man kann auch, wenn man sich darauf einlässt,
mit den Navi, die nur ihren Planeten vor der Ausbeutung beschützen
wollen, mitfühlen. Wenn bspw. der riesige Baum, in welchem die blauen
Ureinwohner leben, von den Menschen plattgemacht und auf ziemlich
unschöne Art gefällt wird, und man dann die wunderbare und zugleich
schreckliche Musik „vor Ohren“ hat und die schlimmen Bilder der
verzweifelten Navis sieht, dann muss man schon ein Herz aus Stein haben,
um hier nicht wenigstens ein bisschen Mitleid zu haben. Der Film hat
nur wenige Längen und bietet auch hier und da den einen oder anderen
gelungenen Witz. Dramatik ist natürlich auch ein Bestansteil des Filmes.
Genauso wie die „Pocahontas- artige“ Liebesgeschichte zwischen dem
Menschen Jack und der Eingebohrenen „Neytiri“. Jack lebt praktisch
zwischen zwei Welten, wobei die fremde Welt ihn immer mehr interessiert.
Dies führt auf menschlicher, aber auch Navi- Seite, für Konflikte.

Effektebewertung:

Das Aushängeschild des Filmes ist unbestritten der Effektreichtum. Da die
Welt Pandora komplett computeranimiert ist, gibt es auch einiges zu
sehen und zu bestaunen. Der farbenfrohe und zugleich gefährliche Wald
lädt einen zum Träumen ein und viele wären sicherlich auch gerne mal an
solch einem schönen Ort. Alles sieht sehr echt aus. Da haben die Leute
der Effektschmiede wirklich klasse Arbeit geleistet und sich keine
Schnitzer erlaubt. Auch die computeranimierten Navi sehen sehr echt aus.
Besonders die Mimik wirkt sehr gut und es ist erstaunlich, wie weit die
Technik heutzutage ist. Insgesamt ist Avatar- wenn man die Story und
den Rest blöd findet, immerhin- ein optischer Leckerbissen, dem
praktisch kaum ein Film etwas entgegenzusetzen hat.

Darstellerbewertung:

Recht ordentlich spielen die Darsteller ihre Rolle runter. Sam Worthington,
der zugegebenermaßen nicht gerade für ein starkes Mimikspiel bekannt
oder beliebt ist, ruft hier dennoch eine überzeugende Leistung ab. Im
Nachhinein kann man sich einen Matt Damon, dem die Rolle des Jack Sully
zuerst angeboten wurde, er aber absagte, nicht unbedingt als
Hauptdarsteller von Avatar vorstellen. Der innere Konflikt des
Hauptprotagonisten wird sehr gut dargestellt durch Sam Worthington.

Allen Ripley, im echten Leben auch besser als Signourey Weaver bekannt,
darf mit „Alien 2“ Regisseur Cameron in Avatar wie damals in neue Welten
aufbrechen. Sie spielt die von Sully anfangs genervte Wissenschaftlerin
Dr. Grace Augustin, die mit den Navi auf friedliche Weise kommunizieren
will und der Rasse früher sogar einmal Lehrerin war. Im Film wird
einiges über ihre Vergangenheit in Erfahrung gebracht, wodurch ihr
Handeln glaubwürdig und verständlich wird. Die ordentliche Leistung von
Weaver rundet die ganze Sache ab.

Als Gegenspieler darf Stephen
Lang sich an den blauen Ureinwohnern austoben. Dabei bleibt der
Charakter leider ein klein wenig zu oberflächlich, weshalb er nicht ganz
so interessant wirkt. Aber unsympathisch ist der Kerl auf jeden Fall.
Langs Darstellung des „Bösen“ ist gut. Zoey Saldana spielt die
Ureinwohnerin „Neytiri“. Da sie praktisch den ganzen Film über animiert
ist, sieht man von ihrem ganz persönlichen Mimikschauspiel eher weniger,
dafür kommt sie sehr emotional und glaubhaft rüber. Die restlichen
Nebendarsteller, zu denen auch Michelle Rodriguez zählt, fallen zwar
nicht durch oscarreife Leistungeng auf, aber die Chemie im ganzen Team
stimmt. Und darauf kommt es schließlich an.

Sonstiges:

Der Soundtrack ist makellos. Während des Filmes kann er einen, sofern man
es zulässt, wirklich in diese Welt hineinsaugen und nicht mehr
loslassen. Alles ist perfekt auf jede Szene abgestimmt und untersteicht
einmalig gut das ganze Geschehen. Schön ist auch, dass Cameron in seinem
Film eine Nachricht untergebracht hat. Er kritisiert die heutige
Ausbeutung des Planeten und fordert gleichzeitig mehr Respekt vor der
Natur, die schließlich unser aller Mutter ist, da sie uns ernährt und
für alle Wohnort zugleich ist. Dass der Mensch darauf keine Rücksicht
nimmt, und nur auf den größtmöglichen Profit aus ist, dass ist eine
schlimme Sache.

Fazit:

Der Film stellt wirklich eine Ausnahme in der Kinogeschichte dar. Nicht nur, weil er bis heute
der erflogreichste Kinofilm ist, sondern da er es schafft, einen
in seine komplett andere, aber dennoch schöne Welt hineinzuziehen, einen
harten Konflikt darstellt, den es auch auf dieser Welt (in Ansätzen)
bereits gibt, die Ausbeutung der Natur kritisiert und einfach sehr
sehenswert ist. Wenn man bei diesem Film nicht allzu viel Wert auf die
eher mittelmäßige Story legt und keine Charakterstudie des Bösewichts
erwartet, dann kann man dem Film locker 9,5/10 Punkte geben.

Wer die nicht über die etwas schwache Story hinwegsehen und beim Film eh nur die Effekte als Positiv bewerten kann, der kann gut und gerne für sich noch 2-3 Punkte abziehen.

9,5 von 10 Punkten
 
Autor: Thomas Sauter
Über Marcel 574 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

3 Kommentare

  1. Das ist aber gnädig dass man da 2-3 Punkte abziehen darf 😀 ich würd sogar soweit gehen und 3-4 Punkte abziehen. Mehr als Effekte hat der Film nicht und da ein Film eben nicht aus diesen bestehen, sondern diese ihn nur unterstützen sollten, ist da definitiv nicht mehr als 5-6/10 drin. Langweilige, vorhersehbare Story, langweilige uninteressante Charaktere und eine "Kritik" an der Ausbeutung der Natur die einem nicht weniger hätte ins Gesicht geboxt werden können.

  2. @anonym:

    "langweilig" ist subjektiv xD Ich empfinde den Film wie der Kritiker ebenfalls keineswegs als "langweilig". Selten war ich im Kino so in einer Welt gefangen und wollte wissen wie es weitergeht.
    Außerdem… was ist daran falsch die ausbeutung der Natur zu kritisieren. Und zwar nicht nur indirekt, sondern, wie du es schreibst, "durch ins Gesicht Boxen" ;D

    Zur Kritik: Gefällt mir und im Großen und Ganzen kann ich auch zustimmen. Nur Der Bösewicht war mir ein bissl zu oberflächlich und langweilig.

  3. @Anonym:

    Der Film ist von Anfang bis Ende total vorhersehbar, eben weil man die Story schon so oft gesehen hat. Von daher wollte ich nicht wissen wie es weiter geht, ich wusste es schon.
    Kritik verpackt man besten in einem Subtext und boxt es einem nicht total ins Gesicht. Man will ja auch was nachdenken. Der Film zeigt einem hier den Zeigefinger und sagt "beutet nicht die Natur aus". Das ganze hätte etwas indirekter deutlich besser funktioniert und hätte nicht so einen moralisierenden Charakter.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*