Kritik: Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn

Handlung: 
Auf einem Marktplatz entdeckt Reporter Tim (Jamie Bell) ein seltenes
Schiffsmodell der Einhorn, um die sich alte Legenden um einen verlorenen
Schatz ranken. Kurz darauf melden sich auch andere Interessenten zu
Wort, und schnell wird Tim klar, dass das Modell ein Geheimnis in sich trägt. Vor allem der verschlagene Iwan Sakharin (Daniel Graig) will dieses unbedingt lüften, denn in dem Modell ist der Hinweis auf einen Schatz wie Tim nach einem Einbruch in sein Haus. Doch ist es nicht nur der
Schatz, der Sakharin interessiert – er entführt auch den letzten Nachkommen des
einstigen Kapitäns der Einhorn, Haddock (Performance-Capture-Koryphäe
Andy Serkis), um eine alte Rechnung zu begleichen. Doch mit Tims und
Struppis Hilfe kann Haddock die Suche nach dem Schatz aufnehmen und den
Plänen Sakharins entgegenwirken. Denn nur ein echter Haddock kann das Rätsel um das Geheimnis der Einhorn lüften und den Schatz finden. 

Kritik: 

Vor genau 54 Jahren veröffentlichte der belgische
Comiczeichner Hergé  in der
katholischen  Tageszeitung XXième
Siècle
die ersten Abenteuer von
Tim und Struppi als Comic. 17 Jahre danach erschienen Tims Abenteuer in seinem eigenen Magazin mit
Namen Tintin. Im Jahre 1983 wollte sich nun der Topregisseur Steven Spielberg
bei einem Telefonat mit Hergé die Filmrechte sichern. Leider verstarb Hergé
kurz danach, doch auf Wunsch Hergés erhielt Spielberg noch im selben Jahr
nach dem Tod des Comiczeichners von dessen Witwe die Filmrechte an Tim und
Struppi. Erst Jahrzehnte später, beauftragte Spielberg Peter Jacksons
Produktionsfirma Weta, um zu testen, ob das Zusammenspiel eines realen Darstellers
mit einem digitalen Hund funktionieren könnte. Das Ergebnis beeindruckte ihn
so sehr, dass er sich entschied, statt eines Spielfilms einen  Animationsfilm mit der Performance-Capture-Technologie
zu machen. Er bot Jackson die Zusammenarbeit bei dem Projekt an und wollte,
dass dieser als sein Co-Produzent und Co-Autor fungierte Zwar willigte Jackson
ein, hatte aber die Bedingung, dass durch den Wurf entschieden würde, wer beim
Film Regie führt und wer die Produktion übernimmt. Beim nächsten Film der Reihe
wollten sie die Rollen dann tauschen. Sie planten eine Tim und Struppi Trilogie. 
Das war der Anfang eines tollen Projektes. Doch als sie dann
im Jahr 2009 offiziell verkündeten, dass ein neuer Tim und Struppi Film in die
Kinos kommen sollte, waren viele Filmfans skeptisch, ob sie in der Lage sind,
diese schwierige Aufgabe zu bewältigen. Diese Skepsis verflog bei den meisten,
als im Juli 2011 der erste Trailer erschien. Kein Wunder, denn mit Jamie Bell
als Tim,  Andy Serkis als Kaptain Haddock
und Daniel Craig als Sakharin hatte das Projekt eine Traumbesetzung. Nicht
zuletzt, weil Serkis schon mehrmals sich als Performance-Capture-Technologie
Künstler erwiesen hat, sei es seine
Rolle als Caesar in Planet der Affen Prevolution oder eine
denkwürdige Darstellung des Gollum in der Herr der Ringe Trilogie. So waren
alle Voraussetzungen für einen erfolgreichen Film gegeben. Nun stellt sich nur
noch die Frage, ob Jackson und Spielberg fähig sind, die tollen Voraussetzungen
zu nutzen, und in diesen Punkten haben die beiden vieles richtig gemacht. Vor
allem die Idee des Animationsfilms mit der
Performance-Capture-Technologie kommt sehr gut zur Geltung, sodass fast alle
Charaktere die gleiche Kleidung, Haarfarbe und  Persönlichkeit wie in den Comics haben. So ist
Tim immer noch unverwechselbar durch seine markante Frisur, Haddock, der
alkoholliebende Seemann mit Kapitänsmütze und  blauem Pullover, sowie Schulze und Schultze
ganz  im englischen Gentlemen Stil mit
Melone und Schirm . Auch besitzt die Verfilmung das besondere Abenteuerfeeling
des Originals, was ihr einen gewissen nostalgischen Charme verleiht. Die Schnitzeljagd
sowie die Einführung der Charaktere sind ganz klassisch aufgebaut, sodass auch
Nichtkenner der Handlung folgen können. Hinzu kommt noch der Humor, welcher
sehr zeitgemäß ist und die nötige Auflockerung in den richtigen Momenten bringt
und auch sehr dosiert und passend in die Handlung eingestreut wird. Mit den
Flashbacks, welche die Story vorantreiben und Antworten auf Fragen enthalten, schaffen Spielberg und Jackson sogar etwas Fluch der Karibik Stimmung, die durch den
hervorragenden 3D Effekt sehr gut zum Ausdruck kommt und der Piraten Abenteuer
Reihe in nichts nach steht. Alles wird perfekt abgerundet mit einem schönen
musikalischen Soundtrack von Star Wars Komponist John Williams.
Glücklicherweise gibt es auch fast nix am Drehbuch auszusetzen, was
wahrscheinlich daran liegt, dass Steven Moffat (Sherlock), Edgar Wright (Shawn oft
he Dead) und Joe Cornish (Attack the Block) es geschrieben haben.
Jedoch hat diese Verfilmung auch Mängel, die das Gesamtbild
ein wenig trüben dürften. Da wäre beispielsweise die Persönlichkeit von Kapitän
Haddock, die in den Comics als sehr taff und selbstbewusst dargestellt wird. In
der Verfilmung jedoch fehlen ihm alle diese Merkmale. Hier ist Haddock ein bemitleidenswerter Säufer der
jegliches Selbstvertrauen verloren hat und noch nicht einmal richtig mit einer
Panzerfaust zielen kann. Dazu wird Tim, der im Original als sehr freundlicher souveräner,
hier als teilweise aggressiver und extrem durch Haddocks Art genervter Junge
dargestellt, der auch manchmal die Beherrschung verliert, wenn etwas nicht
sofort klappt, vor allem, wenn es dabei um die Lösung des Rätsels der Einhorn
geht. Struppi gerät beim Film auch leider fast völlig in den Hintergrund, was sehr
schade ist, da er einer der Hauptcharaktere im Original neben Tim ist. Auch
wurde anscheinend Professor Bienlein vergessen oder absichtlich weggelassen,
welcher in den ganzen Abenteuern von Tim und Struppi eigentlich einer der
wichtigsten Charaktere ist. Zumal die beiden wegen ihm meistens in den ganzen
Schlamassel geraten. Hierbei kann man jedoch noch Hoffnung schöpfen, da das
Ende offen gelassen wurde für eine Fortsetzung. Leider ist es deswegen auch
ziemlich kurz ausgefallen. 
Fazit: 
Mit der Verfilmung der Tim und Struppi Comics standen die beiden Top Regisseure Peter Jackson und Steven Spielberg vor einer sehr großen Herausforderung. Diese jedoch konnten sie richtig gut meistern, wenn auch mit Ecken und Kanten. Diese machen sich vor allem in der Charakterisierungen der Hauptcharakteren Haddock und Tim bemerkbar. Wer es sich dazu durchringt über diese Mängel hinweg zu sehen, den wird eine tolle Homage an die Comics von Hergé erwarten, welche auch den Fans gefallen dürfte. Nur sollten sie beim nächsten Teil darauf achten, sich mehr an die Comics zu halten und auch sehr wichtige Charaktere wie Professor Bienlein nicht einfach wegzulassen.

8/10
 

 

Über Marcel 526 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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