Kritik: „Begabt – Die Gleichung eines Lebens“ / „Gifted“ [USA 2017]

Wenn die Leute über Regisseur Marc Webb reden, dann meistens im Zusammenhang mit dem gescheiterten „Amazing-Spider-Man“-Versuch. Viele vergessen dabei, dass er mit „500 Days of Summer“ einen sehr unterschätzen Film geschaffen hat, der heute noch als Geheimtipp und für viele als eines der besten Feel-Good-Movies im Independent-Bereich gilt. Ein Film, der sich vor allem durch das Herzblut und die Leidenschaft auszeichnet, mit der er gedreht wurde. Nun besinnt sich Webb endlich wieder auf seine Stärken und versucht, diesen Geniestreich mit „Begabt“ zu wiederholen, und dies mit Erfolg.
Seine gefühlvolle Inszenierung des Dramas rund um die hochbegabte Mary, die nach dem Suizid ihrer Mutter bei ihrem Onkel Frank aufwächst, ist mit Recht einer der schönsten Filme des Sommers. Er offenbart sich in seiner Naivität und Spielfreudigkeit gegenüber einem hochinteressanten, sehr aktuellen Thema und verpackt das Ganze in einem emotionalen, überragenden Drama, das trotz des Hauptaugenmerks auf die „Vater-Tochter“-Beziehung seine Bodenständigkeit in keiner Szene verliert. Ganz im Gegenteil, es verleiht ihm einen besonderen Charme, dass man sich persönlich mit ihm verbunden fühlt und die Handlungsweisen auf einer völlig anderen Art und Weise nachvollziehen kann, trotz der Meinungsverschiedenheit. Der Film besticht von der ersten bis zur letzten Sekunde durch seine fantastisch abgestimmte Besetzung, allen voran der kleinen McKenna Grace, die trotz ihres noch sehr jungen Alters zeigt, dass sie es durchaus mit Größen wie Octavia Spencer und Chris Evans aufnehmen kann. Fast so wie ein kleines Boot, das langsam im Wasser treibt, ohne irgendwie ein genaues Ziel vor Augen zu haben. Es gleitet ziellos von Szene und Szene und gewinnt so das Herz des Zuschauers. Allerdings zeigen sich am Himmel kurz Wolken, die vor Klischees nicht haltmachen: Hochbegabung wird in 90 Prozent der Fälle anhand des Fachs Mathematik dargestellt. Auch wenn der Kitsch etwas überhandnimmt, wird er jedoch durch die strahlende Kraft der Sonne am Himmel durchbrochen und ein wunderschöner Regenbogen entsteht.
Ein kleiner, feiner Beitrag in Zeiten von Bombast und Zwang.
9 | 10
Über Marcel 537 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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