Kritik: Fack ju Göhte 3

©Constantin Film

Der Ex-Knacki Zeki Müller und seine Chaotentruppe rund um Chantal, Danger, Burak, Laura und Frau Gerster melden sich zurück im Kino. Nun droht denen das Abi und von Allgemeinbildung, oder wie man überhaupt lernt, hat die inzwischen 12b keinen blassen Schimmer. Man kann also schon mal vorab sagen, dass sich keiner der Figuren verändert, geschweige denn weiterentwickelt oder gar was dazu gelernt hat. Zeki zweifelt immer noch daran, ob er als Lehrer geeignet ist, Chantal und Danger stellen unter Beweis, dass sie noch nicht einmal lesen können, was gleichzeitig widersprüchlich mit Teil 1 und 2 ist, wo sie „Die Räuber“ und sogar Goethes „Faust“ angeblich gelesen haben, aber sei es drum – das sind ja nur Spitzfindigkeiten. Trotz der ganzen Projekte, die sie in den vorherigen Teilen gemacht haben, wie beispielsweise Jugend forscht oder auch die Theater AG, gibt es einem dennoch zu denken, wie diese Chaoten es überhaupt bis zur zwölften Klasse geschafft haben, weil sie in diesem Film wirken, als wären Teil 1 und 2 nie passiert.

Aber das nur am Rande und überhaupt strotzt der Film von Logiklöchern und bleibt im Grunde genommen seinem Konzept treu trotz geringfügiger Veränderungen. Nicht dass er komplett die anderen Teile kopiert, das nicht, aber man muss nicht zwangsläufig die vorherigen Teile geschaut haben, um sich in die abstruse, sehr überzogene chaotische Pointe auf das deutsche Bildungssystem, das hier in allen Formen der Kunst sein Fett weggebekommt, einzufinden.

Sei es den Sinn des vom Arbeitsamt so hoch gelobten Berufsinformationszentrums oder einfach die Tatsache, dass, wenn man dem Idealbild des Kultusministeriums bzw. den teilweise total sinnfreien Anforderungen entspricht, sich seinen Platz auf der Ersatzbank sichert, dann noch familiäre Probleme, wofür Chantals Mutter das Paradebespiel ist, und schon kann man sich aussuchen, an welchem Platz man in der Schlange stehen möchte, um schnellstmöglich sein Hartz 4 abgreifen zu können. Das einzig Traurige daran ist, dass es solche Fälle zuhauf tatsächlich gibt und die werden von Jahr zu Jahr mehr. So kommt es einen in manchen Szenen vor, als würde man einen Spiegel vors Gesicht gehalten bekommen beziehungsweise sich die Erinnerungen an die eigene Schulzeit in Dauerschleife abspielen. Wahrscheinlich auch ein Grund dafür, warum sich viele Schüler so gut mit den Charakteren identifizieren können.

©Constantin Film

Hinzu kommt, dass der Film ein sehr ungeliebtes Thema anspricht, dass von den meisten Schulen eher verdrängt wird, wenn überhaupt eine Erwähnung findet, und das, obwohl das Thema Mobbing gerade an den heutigen Schulen Hochkonjunktur hat.

So kann man abschließend sagen, dass der Film größtenteils sehr über die Stränge schlägt, manche Gags bis unter die Gürtellinie gehen, aber er spricht auch Themen an, die gerade in der heutigen Schulzeit oftmals in den Hintergrund geraten und gerade das zeichnet die Reihe aus, was den „Final Fack“ zu einem gelungenen Abschluss eines amüsanten, gleichzeitig auch mit einem ernsten Unterton versehenen deutschen Erfolgsrezeptes macht, das zurecht sich seinen Platz auf den großen Leinwänden verdient hat. Nicht zu vergessen sind ja die Ideen mit der Paintball-Waffe, den Elektroschockern oder, wie hier, dem Chippen der Schüler: kreative Ideen, die vielleicht ja in der Zukunft auch Anwendung finden könnten. Allerdings ist das bei unserem Rechtssystem eher unwahrscheinlich.

Marcel Flock

8| 10

 

Über Marcel 536 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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