Kritik: The Commuter

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„Mach’s nicht noch mal, Liam…“

Das wäre ein besserer Titel für Neesons neuen Film „The Commuter“ gewesen, in dem er mal wieder zum Actionhelden mutiert. Graue Haare, kurze Dialoge, wenig Handlung, ziemlich vorhersehbar und Neeson sollte endlich in Rente gehen.

Hat er doch in einem Interview gesagt, nach zweien sei Schluss, zu denen leider auch noch „The Commuter“ gehört. Wie immer bei Zusammenarbeiten mit Jaume Collet-Serra, ausgenommen „Unknown Identity“ und „Run All Night“, spielt alles auf engstem Raum, diesmal in einem Zug.

Neeson ist anfangs ein normaler Pendler, hat ein recht eintöniges Leben, eine Familie und einen Sohn und ist gerade seinen Job losgeworden. Doch Überraschung: Sein Charakter Michael war früher ein Cop und er wird Opfer einer riesen Verschwörung, die ihn als Sündenbock darstellen soll.

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Spätestens da sollte man stutzig werden, kurz innehalten und man erinnert sich wieder, dass genau sowas schon einmal da war, vom selben Regisseur und mit Liam Neeson – und das ist noch gar nicht so lange her. Damals war er US Marshall in einem Flugzeug, wurde erpresst und in eine Riesenverschwörung verwickelt. Und wie immer musste er das Flugzeug und sich selbst retten und dabei seine Unschuld beweisen. Gespickt mit billigen CGI-Effekten und jeder Menge Action. Also hat Neeson im Grunde genommen nur das Fahrzeug gewechselt und einen prominenteren Cast an Land gezogen, wie Vera Farmiga aus „Bates Motel“ als Antagonistin mit einer Screentime von zehn Minuten, Jonathan Banks aus „Breaking Bad“, der sogleich vom Bus überfahren wird – nach kurzem Smalltalk – sowie Patrick Wilson, der den ehemaligen Partner Neesons spielt und augenscheinlich völlig unschuldig in dieses Szenario gerät. Nicht zu vergessen Sam Neil als Boss der Polizei. Und wie immer bei so einem riesigen Cast ist die Screentime aller Beteiligten verschwindet gering, was bei einer Laufzeit vom 100 Minuten, in denen man sich zu 90% Neesons austauschbarem Charakter zuwendet, kein Wunder ist. Und dabei wäre jeder einzelne viel interessanter gewesen als er.

Aber sei es drum, für seine Fans und jene von kurzweiligen Actionfilmen ohne sinnvolle, nachvollziehbare Handlung, sozusagen einfach ein Film zum Kopf ausschalten, ist dieser genau der richtige. Stumpfsinnig und auch schnell wieder vergessen. Schade, da wäre deutlich mehr drin gewesen.

Über Marcel 531 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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