Kritik: Die dunkelste Stunde

copyright by Universal Pictures

Alle Jahre wieder gibt es zur Award Season den einen Film, der ein Biopic über eine Figur aus längst vergangener Zeit ist, die die Geschichte geprägt hat, entweder international, die amerikanische oder die europäische Geschichte. Die beliebtesten Themen sind dabei die Sklaverei, der Zweite Weltkrieg und natürlich auch das Kennedy-Attentat, siehe „Jackie“ vorheriges Jahr mit Natalie Portman in der Hauptrolle, ein Biopic über Kennedys Ehefrau Jackie. Dramaturgisch sollen sie dem Zuschauer tiefgründige wahre Begebenheiten präsentieren, ihm die Geschichte näherbringen und ganz nebenbei noch den Oscar abräumen. In Fällen wie „The King’s Speech“ beispielsweise oder „12 Years a Slave“ geht die Rechnung auf. Die Academy liebt solche Dramen einfach, gerade die aus Europa. Ob sie den Inhalt verstehen, mag man zu bezweifeln. Doch Kritikern wie Filmfans aller Art geht es zunehmend auf die Nerven.

Die Masche ist nicht mehr neu, die Filme gehen meist mehr als zwei Stunden, sind sehr sperrig, und wenn man nicht hundertprozentig sich mit der Thematik befasst oder gar irgendwie in Kenntnis vor der Sichtung gesetzt wurde, kann diese Zeit einem wie eine Ewigkeit vorkommen. Noch schlimmer ist es allerdings, wenn dieses Thema schon zig Mal im Schulunterricht über mehrere Einheiten hinweg besprochen wurde und man irgendwann, sei es noch so interessant, total übersättigt davon ist. Und da ist der Zweite Weltkrieg, speziell die Zeit um Winston Churchill, das Potsdamer Abkommen und Dünkirchen, nun einmal das Paradebeispiel schlechthin. Jeder, der nur ansatzweise öfters im Unterricht da war, kennt alle Einzelheiten zu diesen Fällen und ist somit ziemlich ernüchtert, wenn er hört, dass ein Film sich wieder mit dieser Thematik beschäftigt. War „Dunkirk“ von Christopher Nolan noch auf seine ganz eigene Art und Weise, was die Figuren und die Handlung an sich betrifft, besonders und abwechslungsreich, fühlt man sich bei „Die dunkelste Stunde“, als wäre man mehrmals sitzen geblieben – weil man das Verständnis für dieses Thema nicht aufbringen konnte.

copyright by Universal Pictures

Man muss für „Die dunkelste Stunde“ schon eine gewisse Affinität aufbringen, sonst kommen einem die 125 Minuten wie eine Ewigkeit vor. Das einzige, was diesen Film sehenswert macht, ist die grandiose schauspielerische Leistung aller Beteiligten, insbesondere der von Ben Mendelsohn und natürlich Gary Oldman. Sobald die Gespräche zwischen den beiden sich spannend entwickeln – leider zu wenig – macht es den Film einigermaßen unterhaltsam und bringt Stimmung in den sonst lähmenden Politzirkus rein. Denn auch wenn Churchill die Hauptfigur ist, dreht sich der ganze Film mehr um die damalige politische Situation, als um ihn. Heißt so viel, dass auch die Dunkirk-Situation aus Nolans Film mit lose abgehandelt wird.

Das heißt nicht, dass der Film schlecht ist, doch für Leute, die sich schon zig Mal mit der Thematik auseinandergesetzt haben, sei es in Buch- oder Filmform, fügt dieser nichts Neues hinzu und wärmt sozusagen das Altbekannte noch einmal auf, nur eben im neuen Glanz.

 

Über Marcel 506 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältikeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

2 Trackbacks / Pingbacks

  1. Oscar Nominierungen 2018 – Flock's Kino
  2. Geek-Pool Special: Oscars 2018 Teil 1: Prognosen Geek-Redaktion – Geek-Pool

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*