Kritik: Thank You for Your Service

copyright by Universal Pictures

Es gibt Filme, die verdienen eine deutsche Veröffentlichung und bekommen sie nicht. Dabei muss es nicht mal einen Grund geben, aber wenn es einen gibt, dann meistens, weil die Verleiher glauben er rentiert sich nicht. Dann wiederum gibt es Film, die trotz der Tatsache, dass sie qualitativ deutlich schlechter sind, eine Veröffentlichung bekommen. Diese ungerechte Veröffentlichungspolitik verfolgt Deutschland schon seit Jahren. Dabei gibt es gerade jetzt durch die Streaming Anbieter so viele Möglichkeiten gerade das zu ändern. Leider trifft ersteres auch „Thank you for your Service“ zu. Ein Drama über junge Soldaten, die aus dem Krieg zurückkehren, völlig traumatisiert durch dessen Ereignisse und keinen Ausweg aus ihrem Albtraum finden. Ihr Umfeld will ihnen zwar helfen, wissen aber nicht wie und so kommen sie alle irgendwann an den Punkt sich zu entscheiden, wie ihr Leben weitergehen soll, trotz der qualvollen Erinnerungen an die Zeit des Krieges.

Mit „Thank you for your Service“ markiert Regisseur Jason Hall sein Regiedebüt, bei dem er auch das Drehbuch, basierend auf einem Sachbuch von Pulitzer Preis Gewinner und Reporter David Finkel, verfasste. Daraus entstand ein Film, der von der ersten Minute den Zuschauer das Leid, den Schmerz, die Angst fühlen lässt, die die jungen Veteranen aus dem Irakkrieg am eigenen Leib erfuhren. Er ist teilweise so erdrückend und realitätsnah, dass man manchmal das Gefühl hat, den Stecker zu ziehen zu wollen, weil man die Kraft verliert, bei all diesen traumatischen Ereignissen nur zusehen zu können. Dennoch schafft es der Film, die Spannung und emotionale Bindung mit den Charakteren bis zum Schluss aufrecht zu erhalten, trotz des flauen Gefühls in der Magengrube, was ihn zu etwas nahbaren macht, welches die Realität wiederspiegelt in der man fühlt als wäre man gefangen.

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Miles Teller liefert hierbei die bisher beste schauspielerische Leistung seiner Karriere ab. Seinem Charakter Adam Schuman, dabei zuzuschauen, wie er immer tiefer in den Abgrund rutscht, ist eine forcierende, unaufhaltsame Abwärtsspirale der Extraklasse. Er entpuppt sich dabei sowohl als gebrochener Mann und liebender Vater als auch als jemand der jeglichen Bezug zum Leben außerhalb des Krieges verloren hat, teilweise sogar seine Kinder nicht wiedererkennt. Statt sich seelischen Schmerz von der Seele zu reden, versucht er diesen alleine zu bewältigen und vor seiner Familie so zu tun als wäre er völlig in Ordnung. Man fühlt mit ihm mit, was er durchmacht, kann die Gründe für sein Handeln und das seiner Kameraden, denen es ähnlich ergeht, nachvollziehen, wodurch sich das Szenario von Minute zu Minute packender und mitreißender gestaltet.

Die Krankheit Posttraumatische Belastungsstörung kurz PTSD, die dabei im Vordergrund steht, wird hier dem Zuschauer in einer sehr bedrückenden, schockierenden Art und Weise präsentiert, welche die amerikanische Armee und deren Bürokratie zwischen den Zeilen auf schärfste kritisiert.

Über Marcel 581 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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