Kritik: Alles Geld der Welt

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„Alles Geld der Welt“ sollte einen neuen Titel bekommen, nämlich „Viel Lärm um Nichts“. Nachdem der Film mit der Spacey-Debatte für großen Wirbel gesorgt hat, waren die Erwartungen an den Oscar-Kandidaten höher den je. Auch die Verwunderung, dass Plummer, der Spaceys Platz als J. Paul Getty eingenommen hat und sogar für einen Golden Globe nominiert wurde, heizte die Stimmung nur noch mehr an.

Doch letzten Endes war das alles umsonst, denn der Film rechtfertig diesen Zirkus um ihn keineswegs.  Zwar ruft Christopher Plummer hier wirklich eine ausgezeichnete Leistung ab, man fragt sich tatsächlich manchmal, warum sie ihn nicht gleich genommen haben. Im Gegensatz zu Spacey hat er die richtige Ausstrahlung und das perfekte Alter für die Figur, während Spacey eine Maske brauchte, die noch dazu ziemlich gewöhnungsbedürftig aussah. Allerdings ist eine Oscar/Golden-Globe-Nominierung in so einer hitzigen Affäre nicht unbedingt der beste Schachzug gewesen, ganz gleich, ob er sie verdient hat oder nicht. Denn man muss Plummer zugute halten, dass er das Herzstück des Films ist und er ohne ihn wahrscheinlich nicht so gut funktioniert hätte. Immer wenn die Kamera auf ihn gerichtet ist, stiehlt er ausnahmslos jedem die Show. Da kann sich eine Michelle Williams oder ein Mark Wahlberg noch so sehr anstrengen und in allen Regeln der Kunst wirklich versuchen, das Maximum aus den sonst recht oberflächlichen, uninteressanten Schicksalsträgern zu holen, an Plummer kommt keiner vorbei.

Dazu gesagt wirkt die theatralische, völlig überzogene Darstellung der beiden keineswegs glaubwürdig oder repräsentativ. Sie versuchen sich, gegenseitig die Show zu stehlen, scheitern aber  an der Charakterzeichnung des Drehbuchs. Außerdem wirkt diese aufgesetzte Fassade im Laufe der Zeit echt anstrengend. Da helfen auch die rührseligen Dialoge oder die Kühle von Wahlbergs Figur nicht, die schneller zu schmelzen droht als ein Eis in der Sonne. Eigentlich soll er in dem ganzen Szenario als Problemlöser fungieren, der es schafft, viele Situationen ohne Einsatz von Gewalt zu klären.  Beim Analysieren seines Charakters merkt man jedoch, dass ihm dazu aber jegliches Talent fehlt, was seine Glaubwürdigkeit stark schwächt.

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Zugegeben liegt aber das Hauptproblem von „Alles Geld der Welt“ nicht nur an seinen Darstellern, sondern unter anderem auch daran, dass die Thematik nicht sonderlich fesselt , es in vielen Fällen  zu konstruiert wirkt und man eigentlich  den Verlauf der Geschichte schon von Anfang an durchschaut. Dass man den Ausgang kennt, ist nicht sonderlich schlimm, siehe Biopics wie „The Darkest Hour“, aber man sollte es trotzdem schaffen, die stundenlange Laufzeit zu rechtfertigen und das Ganze nicht zwischen dramatischen Dialogen und mittelmäßigem Schauspiel verkommen zu lassen. Wie immer bei Scott liegt der Fokus nämlich nicht auf der Geschichte selbst, sondern auf der Optik, die wiederum ein wahrer Augenschmaus ist. Da das jedoch nicht „Prometheus“ ist, stellt sich die Frage, ob das Einsetzen des Stilmittels, speziell die expressive Ausleuchtung jeder einzelnen Szene, was nun einmal die Handschrift von Scotts Filmen ist, hier wirklich notwendig war.

So kann man als Resümee ziehen, dass der Film keineswegs schlecht ist und sich bemüht, krampfhaft das Beste aus dem für die heutige Zeit recht irrelevanten Stoff rauszuholen. Wenn man allerdings nicht wenigstens teilweise mit der Geschichte vertraut ist, keine Ahnung hat, wer J. Paul Getty überhaupt ist und das Ereignis auch nicht wirklich zeitlich einordnen kann, wirkt der Film auf die Dauer sehr langatmig und schwer verdaulich . Denn im Gegensatz zu „Argo“ bietet diese Geschichte wirklich nichts, was sehenswert wäre.

So verliert der Film den Zuschauer spätestens im Mittelteil und kann erst für wenige Minuten, wo der Film dem Finale entgegen schreitet, wieder zurückholen. Was in Erinnerung bleibt, ist ein charismatischer Christopher Plummer. Aber selbst er kann nicht alleine so einen Film wie „Alles Geld der Welt“ stemmen. Von ungenutztem Potenzial ist hier nicht die Rede, schlichtweg, weil einfach keins da ist, was man hätte verschwenden können.

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