Kritik: Gossip Girl Staffel 1

© Warner Bros. Television

„You know you love me XO XO Gossip Girl“

Wer kennt sie nicht: die Klatsch-und-Tratsch-Seiten im Internet. Diese Serie dreht sich da um eine ganz spezielle, die sich mit dem Leben der High Society der Upper East Side von Manhattan beschäftigt mit Namen „Gossip Girl“. Niemand weiß, wer diese mysteriöse Bloggerin ist, ob sie überhaupt weiblich ist und wer ihre Quellen sind. Fest steht, dass den Girls und Boys das gefällt und sie von Gossip Girl gar nicht genug bekommen können. Speziell hat die/der Blogger/in ihr Hauptaugenmerk auf die It-Girl-Clique rund um Blair, Serena, Chuck, Nate und deren neue Mitstreiter Dan und Jenny geworfen. Und da sind natürlich Skandale garantiert, vor allem weil Dan und Jenny nicht aus der Oberschicht kommen.

Mal wieder eine Serie, die sich auf das Leben der Reichen und Schönen konzentriert und deren Schöpfer niemand geringer ist als Josh Schwarz, der schon mit „The OC“ enormen Erfolg hatte. Doch dieses Mal ist es nicht allein Schwarz‘ Verdienst, viel mehr der von Cecily von Ziegspar, denn die Serie basiert auf einer gleichnamigen Buchserie von ihr. Aber wenn wir ehrlich sind, fügt diese Serie dem Coming-of-Age-Genre nichts wirklich Neues hinzu. Alles hat man irgendwo schon mal gesehen. Bis auf die Tatsache, dass dieses Mal die Geschichte aus einer auktorialen Sicht der des Bloggers/in, die mit dem ganzen  Geschehen nur wenig zu tun hat und als Unbeteiligte einen Gesamtüberblick aufs Geschehen hat. Oder vielleicht gehört sie auch zur Clique? Schwarz setzt erneut auf seine Erfahrungen in dem Bereich und versucht das Ganze durch den zusätzlichen Faktor des Gossip Girls dem Ganzen noch Spannung zu verleihen und die Zuschauer an den Fernseher zu bannen. Und diese Strategie geht auf. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass sie strukturell mit „OC“ übereinstimmt, bis auf ein paar Veränderungen: neuer Schauplatz, andere Charaktere, neue Musik. Man könnte meinen, dass sich entweder Frau von Ziegspar was von „OC“ abgeguckt hat oder damals „OC“ von ihren Büchern. Jedenfalls fast, denn bei „Gossip Girl“ spielt vor allem noch ein Faktor eine große Rolle, was bei „OC“ nicht der Fall war, und zwar das Internet und die Handys, eben das moderne Zeitalter der Teenager. Man könnte sogar so weit gehen, dass diese Moderne ein Hauptbestandteil der Serie ist.

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Jedoch kann das nicht über die eigentliche Tatsache hinweg täuschen, dass „Gossip Girl“ nur eine Kopie, eine Erneuerung von „OC“ ist. Man versucht dem alten Konzept einen neuen Anstrich zu verpassen und hofft, dass die Zuschauer es nicht merken. Doch leider geht das nicht so gut auf, denn die Verhaltensmuster wie Serenas On-Off-Beziehung mit Dan Humpfrey, Blairs Spiel mit Chuck oder der arme Nate, der entweder von seiner Familie ausgenutzt wird oder von anderen, stechen einfach zu sehr heraus.

Außerdem ist da noch Serenas Vergangenheit, die vor allem gegen Ende gehörig ins Gewicht fällt, da sie sehr vorhersehbar ist und darüber hinaus einen viel zu großen Teil der Geschichte einnimmt. Zusätzlich ist ein weiterer Stolperstein ihre Beziehung mit Dan, denn sie will, dass er es auf keinen Fall erfährt, was zu Komplikationen führt, denn, wie jeder weiß, ist der wichtigste Bestandteil einer Beziehung gegenseitiges Vertrauen.  So sieht man, dass, wie immer bei den Reichen, nichts so ist, wie es scheint und deren Maske immer weiter zu bröckeln droht, genau wie der Finanzskandal von Nates Vater, der sehr an den von Marrisas Vater erinnert, nur dass er hier exponentiell größer und dramatischer ist und hier Drogen auch eine Rolle spielen. Also getreu dem Motto: „Größer, weiter, besser“.

Dennoch macht sie trotz ihrer abnormen Ähnlichkeit mit „OC“ trotzdem Spaß und fesselt den Zuschauer, und ist es nicht das, was alle Zuschauer und Fans wollen? Denn wenn wir ehrlich sind, war das Ende von „OC“ ziemlich enttäuschend und insgeheim hat man sich immer einen legitimen Nachfolger gewünscht. Zwar hat „One Tree Hill“ es versucht, jedoch war die Geschichte viel zu verschieden, um sie als Nachfolger einzuordnen. Und bestimmt wollten das die Macher auch nicht bezwecken. Also kann man diesen Platz ruhigen Gewissens „Gossip Girl“ überlassen.

Jedoch fehlt ihr was, um ganz perfekt und zufriedenstellend als Nachfolger zu sein, und zwar der Schwachpunkt sympathische Charaktere, mit denen man sich identifizieren kann. Sie versuchen sich zwar zu bemühen, realistisch und menschlich zu wirken, leider gelingt dies in den wenigsten Fällen und die Serie greift auf uralte Klischees zurück, wie dass die Reichen immer intrigant sind, Partys feiern und ihre Eltern in den Wahnsinn treiben und dass die andere Hälfte verständnisvoller und gutherzig sind. Jedoch wenn wir ehrlich sind, ist dies nur die halbe Wahrheit. Denn im echten Leben gibt es sowohl in der Ober- als auch in der Unterschicht Partyhengste, Machos und Arschlöcher, aber das trifft nicht auf jeden zu. Es wirkt alles total unrealistisch und teils überspitzt.

Man muss jedoch eins bedenken: Dies ist nur Staffel 1. Und wer sagt, dass sich das alles nicht noch ändern kann und die Schöpfer etwas Neues wagen. Und wem das, was die Serie verkörpert, gefällt, der sollte keine Bedenken haben, sie weiter zu verfolgen und sich auf die Welt von Serena und ihren Freunden einzulassen.

Über Marcel 561 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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