Kritik: Pacific Rim: Uprising

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Die Zutaten für einen ordentlichen Verriss kann man relativ schnell zusammenfügen. Es gehört eine gewisse Abneigung gegenüber der Botschaft des Films, Wut, Frustration und Enttäuschung, weil er nicht dem eigenen Erwartungsbild entsprach und das alles dann gut begründet in einem Text, ohne dabei zu emotional zu wirken. Sozusagen schreibst du deinen Unmut nieder, etwas was heutzutage tagtäglich im Netz passiert vor allem in der Form von Beleidigungen, Hetze und sogar Drohungen, die das eigene Leben betreffen. Man wird ziemlich schnell zu dem Entschluss kommen, dass die freie Meinungsäußerung in der heutigen Zeit nur noch ein schlechter Witz ist, denn sobald du nicht die Meinung der Masse teilst, empfiehlt es sich einen unterirdischen Bunker zu suchen, da das Echo nicht lange auf sich wartet.

Aber all das trifft bei „Pacific Rim: Uprising“ überhaupt nicht zu. Dieser Film ist schlicht belanglos und jede Minute, die man sich über ihn aufregt, ist vergeudete Zeit. Hatte Del Toro noch Ideen, das Monsterfranchise zu erweitern, eine intelligente Form von „Transformers“ ins Leben zu rufen und dennoch zu unterhalten, will „Uprising“ vor allem eins: Jede Menge Kohle scheffeln. Dieser Film ist nicht dazu da um eine Geschichte zu erzählen, sondern um so viel Leute wie möglich für eine kurzweilige Zeit mit mittelmäßigen Roboterschlachten zu unterhalten. Da war selbst „Real Steel“ noch besser und schon der hatte einige erzählerische Schwächen. Die Geschichte wirkt von vorne bis hinten konstruiert, und auch wenn man hierbei versucht, die Ereignisse vom ersten fortzuführen, scheitert er massiv an seiner eigenen Mittelmäßigkeit. Denn wo der Erste wenigstens eine düstere Atmosphäre und einige schöne Nachtaufnahmen versprachen, spielt „Uprising“ bei Tag und ist kunterbunt. Der Soundtrack setzt sich zusammen aus Teilen des Ersten und einigen neueren Stücken, geht dennoch im Actiongewirr unter.

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Apropos die Roboterschlachten hat man auch schon im Ersten deutlich besser gesehen, der zwar teilweise auch schon überladen wirkte, aber dennoch auch schöne ruhige Momente hatte,  wie Beispielweise auch die Kampfszene zwischen Hunnam und Kinkuchi, Letztere ist übrigens ganz kurz in einem Cameo im Film zu sehen, jedoch ohne wirkliche Relevanz für die eigentliche Handlung. Bei Teil 2 hingegen merkt man von Anfang an, dass er anscheinend der neue „Transformers“ sein will. So sind seltendämliche Gags an der Tagesordnung, das Militär wird hofiert, und solange man dort Mitglied ist, hat man einen hohen Stand. Sehr hölzern versucht er mit der Brechstange seine Ideologie dem Zuschauer ins Gehirn zu hämmern, dass der Mensch trotz der Technologie nicht durch Maschinen ersetzt werden kann, da diese kein selbstdenkender Organismus sind, somit fremdgesteurt werden und Mängel haben. Eben standardmäßige Küchenpsychologie, leider bei einem Actionblockbuster, dessen Schwerpunkt auf sinnfreier, abendfüllenden, kurzweiligen Unterhaltung liegt, absolut deplatziert und aufgesetzt wirkt.

Und selbst wenn man diese unterschwellige Kritik an der Digitalisierung propagiert, verliert das Ganze schnell an Glaubwürdigkeit, wenn die angeblich hochintelligente Chefin eines Großkonzerns nicht kapiert, dass ihr kleiner Angestellter, Schindluder mit ihrer Technologie treibt, obwohl sie ja merklich die komplette Kontrolle über alles hat, ständig betont, dass das ihr Lebenswerk sei und selbst nachdem er entlarvt wie auch sein Standort lokalisiert wurde, niemand, vor allem nicht sie auf den Einfall kommt, ihn zu stoppen, was in Anbetracht der Tatsache, dass er nur ein Mensch ist und die Gegenseite in riesigen Robotern unterwegs ist, absolut lächerlich erscheint.

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Dieser Film gibt sich nicht mal die Mühe mehr ins Detail zu gehen, ganz im Gegenteil.  So erfährt nur ab und zu am Rande was über die Kaijus, warum sie da sind, ist jedoch immer noch nicht wirklich klar, nur wie sie hergekommen sind. Aber das wusste man auch schon aus Teil 1, sozusagen fügt der Film der Geschichte einfach überhaupt nichts Neues hinzu, sondern besticht eher durch seine Optik und den Detailreichtum der Jaeger. Apropos Kaijus, die wahren, gefährlichen Antagonisten sind erst gegen Ende des Films in voller Pracht zu bestaunen, ansonsten existieren sie lediglich durch Mund zu Mund Propaganda. Achja, wer bizarre Beziehungen schon kennt, wird hier eines Besseren belehrt, denn auch wenn diese nur kurz angeschnitten wird, zieht der Charlie Day fallen in Love with a Kaiju“ Subplot einen unangenhemen Beigeschmack nach sich. Neben diesem Aspekt sind die einzigen Dinge, die im Gedächtnis geblieben sind, noch die farbenfrohen Anzüge, die technischen Spielereien der Jäger und  die Coolness von John Boyega. Und dem Ende nach zu urteilen ist mit „Pacific Rim“ noch lange nicht Schluss. Unter Strich also brauch man „Transformers“ gar nicht mehr, denn „Pacific Rim“ hat alle Attribute der Reihe übernommen und wirkt augenscheinlich interessanter als der Kampf gegen die Decepticons, wenn auch die typischen Michael Bay Explosionen fehlen, aber der kann ja beim nächsten als Produzent fungieren und dann hat Universal das nächste „Bombenfranchise“ nach „Fast and the Furious“ am Haken.

Hinzugefügt sei, sollten die Macher den etwas lockeren, freundlichen, quietsch-bunten Stil des Teils beibehalten wollen, empfiehlt sich auch die Roboter Tanzszenen aus „Real Steel“ mit einzubauen, mehr Partyszenen und am besten auch noch eine Collegestudentin, die zwar gut aussieht, aber sonst nix kann mit ins Boot zu holen. Wenn man sich schon am TF Franchise bedient, dann doch bitte richtig, dann macht das Ganze auch wenigstens Sinn.

 

Über Marcel 537 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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