Kritik: Avengers Infinity War

„I hope, They will remember You“
2008 war für die Comicfans der Beginn einer Entwicklung, die man sich vorher nichtmal hätte träumen lassen können. Der erste „Iron Man“ lief an und dessen Hauptakteur Robert Downey Jr. Schaffte nicht nur einen Sprung von der Entzugsklinik zurück auf die große Leinwand, sondern setzte gleichzeitig auch neue Maßstäbe und wurde zum Aushängeschild eines Universums, was trotz seiner Fehler eine bemerkenswerte Entwicklung machte. Das Ganze wurde dann in Joss Whedons Ensemble Film „The Avengers“ auf die Spitze getrieben und der Comic Hype war geboren. Das MCU gab Comicfans aus aller Welt eine Stimme. Sie wurden jetzt nicht mehr ignoriert oder belächelt, sondern wurden zu Experten, Leute wollten wissen wie es weitergeht und das wussten halt nur sie. Nicht nur, dass Robert Downey Jr. ein fantastisches Comeback gelang, gleichzeitig wurden auch die Nerds zu einer Gemeinschaft mit der die Schulhofrabauken jederzeit rechnen mussten. Es wurden Gruppierungen gebildet, plötzlich lief das ganze Spiel andersherum und die coolen Kids wurden zur Randgruppe. Und der Hype ließ nicht nach. Downey Jr. schaffte mit mithilfe von Kevin Feige ein ganzes zusammenhängendes Universum aus dem Boden zu stampfen. Jeder Film ob nun gut oder nicht baute aufeinander auf und wer einmal im Rausch des MCU gefangen war, kam davon nicht mehr los. 10 Jahre dauerte es bevor das MCU sich zu einer respektablen Größe formte und jeder Darsteller bis in die kleinsten Nebenrollen trug seinen Teil dazu bei. Comicverfilmungen waren jetzt keine Randerscheinungen mehr, man musste sich als Fan nicht länger fragen, ob der Stoff jemals verfilmt werden würde, sondern nur wann.

©Marvel Studios 2018

Sie schafften es sogar Fehler auszubügeln wie der missratene „Daredevil“, formten „The Defenders“ und verhalfen Netflix zu größerem Ruhm. Wenn einem das MCU nicht gefiel bzw zu kindgerecht war, schaute er einfach sich „Jessica Jones“ und „Daredevil“ an, die um einiges härter mit ihren Charakteren ins Gericht gingen. Fakt ist, es gab für jeden was und den Grundstein legte „Iron Man“ und inbesondere Joss Whedons „Avengers“.

Heutzutage sind Comicverfilmungen nicht mehr wegzudenken, denn auch die Leute, die dem MCU nicht so zugetan sind, gucken die Filme trotzdem um mitreden zu können. Wenn wir ehrlich sind, auch interessehalber, egal ob sie diese letzten Endes verreißen oder nicht. Nun standen die Russo Brüder, die sich überraschenderweise mit Filmen wie „Captain America: Winter Soldier“ und dem Ensemble Film „Civil War“, vor der schier unmöglichen Aufgabe alle Helden aus 10 Jahren MCU in einem Event zusammenzuführen. Doch ist ihnen das gelungen und konnten sie die Stärke die Whedon bei seinem Film vor allem in das Zwischenmenschliche gelenkt hat, nutzen und weiter ausbauen? Leider nicht, denn zwar sieht sich Infinity War wie ein Best Off Album aus 10 Jahren MCU an, allerdings als ganzer Film funktioniert er nur mäßig.

Den Balanceakt den Whedon zwischen Handlung und Action geschafft hat, kriegen die Russos nicht hin, was auch bei der Fülle an Charakteren schier unmöglich ist. Du kannst auch nicht jedem Charakter die volle Entwicklung und Screentime geben, die er zur Entwicklung braucht, wenn du dafür nur 165 Minuten hast. Dennoch ist „Avengers Infinity War“ an einigen Stellen sehr unterhaltsam und gerade wenn man mit diesen Filmen aufgewachsen ist, macht es umso mehr Spaß. Frei von Fehlern ist er keineswegs, so erhält Thanos beispielweise mehr Screentime als alle Avengers zusammen, seine Storyline aber erreicht vielleicht die Stärke eines Solofilms. Jedoch wenn man sowas inszeniert, muss man sich auf einen Punkt fokusieren, in dem Falle Thanos. Von ihm hat man bisher am wenigsten gesehen und das Ganze in diesem Film zu versuchen aufzuarbeiten, ist vielleicht nicht die klügste Idee und birgt hohes Risiko. Aber damit trauen sie sich auch was, was es vorher noch nicht so gab. Denn durch diesen Schritt geraten unsere Lieblingshelden in den Hintergrund, was in dieser Form bisher in keinem einzigen MCU Film der Fall war.

©Marvel Studios 2018

Sozusagen ist in „Infinity War“ für jeden etwas dabei. Es gleicht mehr einem Epsiodenfilm als einer zusammenhängenden Geschichte. Der Kleister, der alles zusammenhält ist halt Thanos. Dadurch jedoch bekommen wir einen völlig anderen Blick als bisher auf die Dinge. Absurde Figurenkonstallationen gepaart mit verschiedenen Schauplätzen und irrwitzigen Dialogen bishin zu Anspielungen auf Filmklassiker geben dem Ganzen etwas Frisches. Sowohl im Weltraum als auch auf der Erde hinterlässt der Krieg seine Spuren. Inbesondere die Szenen im Weltraum wissen zu gefallen, allen voran  steht da die Paarung zwischen Thor, Rocket und Groot an erster Stelle, die von Irrsinn nicht so leicht zu übertreffen ist, funktioniert letzten Endes aber doch besser als gedacht. Wie gesagt jede Episode einzeln für sich alleine stehend, hat sowohl was die Dichte der Charaktere betrifft als auch deren Handlungen viele Vorzüge und Stärken. Allerdings nimmt man diese zusammen, fallen einem Fehler auf, an Stellen wo keine sein dürften und diese machen sich gegen gerade Ende wo alles zusammengeführt wird hin bemerkbar. Glücklicherweise nur, bevor die Russos mit ihrem nächsten Zaubertrick die Menge verblüffen und alles bisher dagewesene gründlich auf den Kopf stellen.

©Marvel Studios 2018

Allgemein lauern hinter jeder Ecke Überraschungen, die es schaffen den Kritikpunkt der Vorhersehbarkeit ad absurdum zu führen. Du weißt nicht, was als nächstes geschieht, selbst wenn du dir zu hundert Prozent sicher bist. In diesem Film gibt es nur eine feste Konstante: Die der Veränderung. Und egal ob man den Film liebt oder nicht, er schürt definitiv die Vorfreude auf die kommenden MCU Projekte, wo das Puzzeln bisher zum nächsten Avengers von vorne beginnt.
Das heißt egal wie wir schimpfen und zetern, letzten Endes werden wir doch die Kinokarte für den nächsten Film lösen. Und damit hat Feige sein Ziel erreicht und das Fortbestehen des MCU ist gesichert.

Über Marcel 538 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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