Geek Pool Cannes Tagebuch Eintrag 2 „BlacKkKlansman“

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Dass Spike Lee hauptsächlich sozialkritische Themen in seinen Filmen aufgreift, ist nicht neu. Schon mehrfach musste der Filmemacher dafür heftige Kritik einstecken, gerade weil die Filme meistens kein Blatt vor dem Mund nehmen im wahrsten Sinne des Wortes und mit dem Kopf durch die Wand gehen. Lee setzt auf Provokation, verurteilt sehr offensichtlich das herrschende System und sorgt immerzu für Schlagzeilen.

Auch sein neuster Film „BlacKkKlansman“ ist davor nicht gefeit. Die Geschichte, so absurd wie sie klingt, basiert auf wahren Ereignissen. So dreht sich die Handlung um Ron Stallworth, er ist Polizist, ehrgeizig und farbig. Zu der Zeit ein absolutes No-Go. So muss sich Stallworth nicht nur mit weißem Rassenhass auseinandersetzen, sondern wird auch von seinen „Brüdern“ aufgrund seines Berufs gesellschaftlich geächtet. Bis er auf die glorreiche Idee kommt, beim Klu-Klux-Klan anzurufen und sich als weißer auszugeben, was tatsächlich funktioniert. In weniger Zeit steigt Stallworth zu einem der führenden Mitglieder auf.

Man fragt sich, wie es ein Farbiger in einen Club schafft, der vor Rassenhass, vor allem gegen Farbige, nur so strotzt? Man schleußt einen weißen Polizisten ein, der sich als man selbst ausgibt und bleibt eigens als Stimme hinter dem Telefon. Noch provokanter kann man ein Thema nicht für einen Film wählen. Und genau das will Spike Lee auch bezwecken. In mehr als zwei Stunden setzt er sich mit Rassenhass, Vorurteilen gegenüber Hautfarben auseinander und zeigt als krönenden Abschluss die Mitglieder des Klu-Klux-Klans mit ihrem weißen Roben, wie sie sich das Original „Birth of Nation“ auf der großen Leinwand in ihrer Kirche ansehen, während zur gleichen Zeit die Black-Power-Bewegung ein Symposium abhält. Hierbei konstruiert und dekonstruiert er sämtliche Klischees, wie dass der Undercover-Cop im Klan beispielsweise ein Jude ist, es natürlich auch einen radikalen „Klaner“ gibt, der seine Ideologie über die aller stellt. Lee macht sich lustig über den blinden amerikanischen Nationalstolz und holt zu guter Letzt sogar noch mit einem famosen Schlag in Richtung Trump aus, indem er ihm förmlich den Mittelfinger zeigt.

Das Ambiente und der Look der 70er Jahre, (Afrofrisuren etc.) und die Anspielungen auf Filmklassiker wie „Shaft“ verleihen dem Film einen unvergleichlichen Retrocharme, gespickt mit einem Feuerwerk an Onelinern. Es ist ein Film, der einem nicht alleine wegen der Thematik in Erinnerung bleibt, sondern vor allem wegen der Inszenierung Spike Lees. Alleine schon der Anfang des Films mit der Hassrede Alec Bladwins gegen die „Bedrohung“ durch andersfarbige Menschen, in der er sich mehr als einmal verhaspelt, zeigt die Tonart des Films: provokant, überzogen und garantiert politisch unkorrekt. 

Sollte der Film in Amerika verboten werden, wäre es kein Wunder angesichts der schockierenden Aufnahmen vom Ereignis in Charlottsville, welches letztes Jahr die ganze Welt in Stillschweigen versetzte und die Unfähigkeit Trumps als Präsident zeigte. Dem Ganzen setzt Lee dann noch einen drauf, in dem er dem Film einer weißen Frau, einem Opfer, widmet. Sozusagen ist es Lee egal, wer einem Hassverbrechen zum Opfer fällt, egal ob Farbige, Weiße oder Juden, er verurteilt und kritisiert sie alle. Ganz nach dem Motto: „All Power to All the People“.

Über Marcel 513 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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