Geek-Pool Cannes Tagebuch Eintrag 6 – Filmrezension: „Solo: A Star Wars Story“

"Let me give you some advice. Assume everyone will betray you and you will never be disappointed."

Um kaum einen Film wurde in der letzten Zeit so ein Wirbel gemacht, wie um „Solo: A Star Wars Story“. Erst hat man die beiden Regisseure Phil Lord und Christopher Miller durch Routinär Ron Howard ersetzt, dann wurde das Gerücht verbreitet, dass Hauptdarsteller Alden Ehrenreich einen Schauspielcoach brauchte und letzten Endes sogar der Großteil des Films neu gedreht werden musste. Dabei standen die Anfangszeichen gar nicht so schlecht. Das Drehbuch wurde von Star Wars Veteran Lawrence Kasdan geschrieben, der sich damit einen langen Traum erfüllte, in Zusammenarbeit mit seinem Sohn John Kasdan. Eigentlich perfekte Grundvoraussetzung von einen guten Star Wars Ableger. Doch immer wieder stellte sich wie auch vor „Rogue One“ die Frage: „Braucht man eigentlich ein Spin-Off zu „Han Solo“ ohne Harrison Ford?“ Die Antwort ist schnell gefunden, nein. Der charmante Schmuggler wurde mehr als ausreichend in den SW Filmen thematisiert, aber die gleiche Frage könnte man sich bei „Rogue One“ stellen und der hat letzten Endes auf ganzer Linie überzeugt, auch wenn selbst der von Nachdrehs und vielen Gerüchten geplagt war.

Also ist Solo nun eine Katastrophe? Nun ja, nach der Weltpremiere gingen die ersten euphorischen Stimmen durchs Netz, wie großartig der Film doch sei. Allerdings gibt es die bei jedem SW-Film und wie wir nur allzu gut wissen, werden zu solchen Veranstaltungen meistens nur Promis eingeladen und welche, die in die Filmwelt die Big Player sind, somit schwindet, was das betrifft, die Glaubwürdigkeit dramatisch. Doch auch die Tatsache, dass der Film in Cannes läuft, einem der weltweit größten und bedeutensten Filmfestivals, mit dem wohl kritischsten Publikum hub die Stimmung etwas. Letzten Endes kann man sagen, dass der Film trotz dunkler Vorzeichen ganz solide geworden ist, aber auch nicht sehr aus der grauen Masse herausstricht.

Das Leid-Thema Alden Ehrenreich erwies sich als „Viel Lärm um nichts“. Er macht einen ganz soliden Job auf seine eigene Art und Weise. Denn immer wenn er im Film versucht, Ford zu kopieren geht das Ganze nach hinten los. Denn dafür fehlt ihm das Charisma, des Erstdarstellers und ohnehin sind das viel zu große Fußstapfen, als wie er diese bewältigen könnte. Dennoch macht der Film vor allem eins, Spaß und das ist wohl der wichtigste Faktor.

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Auch wenn die Chemie zwischen Ehrenreich und Emilia Clarke überhaupt nicht funktioniert, was hauptsächlich an ihr liegt und das dem Zuschauer zu keinem Moment suggesriert wird, warum die beiden so eine enge Bindung haben sollten.  Ebenso wirkt auch die recht erzwungene Szene, in der Han seinen Namen bekommt. Allgemein ist die erste Hälfte von Solo ein einziges Trauerspiel. Es wird von einem Action Set Piece zum nächsten gehetzt, eine Einleitung ist nur durch den berühmten S.W. Epilog vorhanden und allgemein führen die Dialoge und die daraus resultierenden Handlungen eher zu einem Kopfschütteln.

Wieso muss es eigentlich in jedem neuen Star Wars Film einen Sprüche klopfenden Droiden geben, zumal hier die sogenannten Running Gags und One-Liner eher peinlich waren, als wären sie Kopien einer schlechten amerikanischen Komödie der Neuzeit. Auch die im Trailer versprochene Screentime, die die Freundschaft zwischen Han und Lando erklären soll, ist hier nur partiell vorhanden. Nichtsdestotrotz hat der von Donald Glover verkörperte Star Wars Charakter zwar einen spektakulären Auftritt, allerdings sein doch sehr großes Potenzial bleibt größtenteils ungenutzt. 20 Minuten Screentime sollten anscheinend reichen. Gerade diesen recht interessanten Part des Films hätte man deutlich weiter ausbauen können. Doch anstatt dessen bekommt man eine aufgewärmte Heist Story serviert, die man in unzähligen Varianten schon deutlich besser gesehen hat, bestes Beispiel ist da die „Oceans“-Trilogie von Soderbergh. Was übrig bleibt, sind die zuhauf eingeführten Nebencharaktere, die augenscheinlich den Weg für weitere Teile ebnen sollen, sowie ein sehr blasser Antagonist, dargestellt durch Paul Bettany, der sein bestes in der Rolle tut, jedoch aufgrund seiner sehr kurzen Screentime keine Zeit zur Entfaltung bekommt.

Gerade bei so einem ambitionierten Projekt wäre weniger manchmal mehr gewesen, und wenn man den Fokus nur auf die sehr toll inszenierte Bindung zwischen Chewbacca und Han gelegt hätte, wäre ein deutlich besseres Ergebnis herausgekommen, als es jetzt der Fall ist. Denn gerade an diesen Stellen konnte der Film punkten. Nichtsdestotrotz ist es nicht der schlechteste „Star Wars“ Film und macht durch seine vielen überraschenden Andeutungen doch Lust auf mehr. Ob das jedoch der Fall sein wird, steht angesichts des riesigen Budgets, das von den Nachrichten sogar höher geschätzt wird als das von „Das Erwachen der Macht“, wohl noch in den Sternen.

Über Marcel 579 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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