Kritik: Hereditary – Das Vermächtnis

Copyright by splendid film

Story:

Der Film alleine beginnt schon mit einer Tragödie. Als Annies Mutter Ellen stirbt, muss die ganze Familie wieder in ihren Alltag zurückkehren. Dies ist aber für die vierköpfige Familie ein Kampf, den jeder auf seine eigene Art und Weise überarbeiten muss.

Annie (gespielt von Toni Collette) zieht sich immer mehr und mehr in ihr Hobby, welches der Bau von Miniaturpuppen ist, das ihr Leben darstellt, zurück und verliert dabei den Bezug zur Realität. Sie besucht anschließend eine Hilfegruppe und findet dort eine neue Freundin. Ihr Ehemann Steve ist ein Workaholic und die meiste Zeit abwesend. Deren zwei Kinder im Teenageralter, Sohn Peter (Alex Wolff) und Tochter Charlie (Milly Shapiro), sind auf sich alleine gestellt und müssen mit dem Verlust und der Trauer die Stirn bieten.

Ohne zu viel zu verraten nimmt der Film eine drastische, nicht vorhersehbare Wendung. Das Leben der Graham Familie verändert sich für immer und jetzt gibt es kein zurück mehr. Ein dunkles Familiengeheimnis sorgt für Unruhe und Konflikte. Was ein Film über das Familienleben und Verarbeitung nach dem Tod eines Angehörigen war, verwandelt sich in Lichtgeschwindigkeit in eine Horrorgeschichte, die kein gesunder Menschenverstand erfinden konnte.

 

Kritik:

Von vorn­he­r­ein: „Hereditary“ ist nur für Horrorfans bestimmt. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass Personen die „Mama“ oder „Conjuring“ gruselig finden, diesen Film auf jeden Fall nicht genießen werden.

Spannend beginnend, bekommt man als Zuschauer sofort den Einblick in die komplexen Persönlichkeiten der Charaktere. Man fühlt mit den Charakteren mit, wie jeder von den verschiedene Arten von Trauerbekämpfung vorweisen. So vergisst Annie sich um Ihre Kinder zu kümmern und überdenkt ihre schwierige Beziehung zu ihrer vor kurzem verstorbenen Mutter. Sohn Peter möchtet seine jungen Jahre genießen. Somit ist dadurch die erste Hälfte des Films sehr träge und sogar schon langweilig, auch wenn ich meine, dass diese Charakterentwicklung nötig ist. Man hätte den Film ein wenig kürzen können, da man sich während der Vorstellung fragt: „Passiert hier auch etwas? Wie lange geht dieser Film noch?“.

Jedoch als die Wendung stattfindet und Annie eine neue Freundschaft in der Hilfegruppe findet, nimmt der Film langsam an der Spannung an. Gruseliger, dunkler und überraschender wird die Handlung, bis sie zu einem Durcheinander an unnatürlichen Geschehnissen wird. Man hat das Gefühl, dass der Regisseur jede Sekunde des Films an Horror übertreffen wollen würde, bei man dann am Ende nur die Hälfte der Ereignisse wahrnimmt oder versteht. Es passieren einfach viel zu viele Zwischenfälle, die man durch den Film verteilen hätte können, anstatt sie innerhalb einer Stunde zusammenzupacken.

Für mich, als Horror Fan persönlich, ist der Film einfach nicht gruslig als tatsächlich verstörend. Ein paar wenige Jumpscares und außernatürliches ist natürlich vorhanden, jedoch die Vorkommnisse in Hereditary beinhalten keine „typischen“ Horrorelemente, sodass man vor Verstörung nicht hingucken möchte.

Die Musik des Komponisten Colin Stetson verleiht „Hereditary“ eine sehr düstere Atmosphäre und macht den ganzen Charme des Films aus. Ein echtes Meisterwerk der Score!

Ein weiteres Element, dass den Film außergewöhnlich macht, ist das beeindruckende Schauspiel von Toni Collette. Collette bringt eine Palette an Gefühlen zur Geltung. Gabriel Byrne, auf der anderen Seite, wird leider im Film vergessen, auch wenn das natürlich für seinen Charakter relevant ist. Die junge Tony-Preisgewinnerin Milly Shapiro ist der Schlüssel des Films. Sie ist der eigentliche Hauptcharakter, auch wenn sie nicht viele Dialoge führt.

Eins ist jedoch sicher: durch eine hervorragende schauspielerische Leistung öffnet dieser Film viele Türen für den 20-jährigen Alex Wolff. Seine Darstellung des Peter Graham ist erste Klasse! Intensiv und mitfühlend. Leichtsinnig und naiv.

 

Fazit:

„Hereditary“ ist ein echter Hingucker und absolut nichts für schwache Nerven! Wenn man kein Fan des Horrorgenre ist, sollte man auf jeden Fall die Finger von dem Film lassen, sowie auch am besten in Begleitung ins Kino gehen. Auch wenn nur sehr wenige Horrorelemente vorhanden sind, ist der Film verstörend und düster und weist eine hervorragende Charakterentwicklung vor.

„Hereditary – Das Vermächtnis“– ab jetzt in den deutschen Kinos.

 

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*