Kritik „Marvel’s Cloak and Dagger“ Folge 1-3

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Das Marvel eher selten Risiken eingeht, ist bekannt. Zu Bekannt und erfolgreich ist da die Sicherheitsstufe, als das man sich auf neue Wege einlassen möchte. Im Grunde genommen gleich ein MCU Film dem nächsten, immer dasselbe Schema, meistens sogar ähnliche Handlungsabläufe und eine hauchdünne Charakterzeichnung. Viel Tiefe ist da nicht zu holen.

Überraschenderweise sieht das im Serienbereich jedoch völlig anders aus. Haben „Jessica Jones“, „Marvel’s Daredevil“ und allgemein Netflix den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht, nehmen sich nun auf Serien von beispielsweise Freeform und Hulu dem an. Natürlich nicht auf dieselbe Weise, sondern auf ihre ganz eigene Art. Nach der Überraschung durch Hulu von „Marvel’s Runaways“ legt nun auch Freeform nach und übertrifft sich überraschenderweise alle.

So setzt Cloak and Dagger mehr auf das zwischenmenschliche, als riesige Actionsequenzen. Sie ist ruhiger, tastet sich vorsichtig ran und erhöht dadurch den Spannungsgrad. So gibt es insgesamt drei Ebenen. Die erste ist die für jeden am ersichtlichsten, die Ebene der Gegenwart. Die zweite, mehr spannende,  ist die Traum Ebene. In denen wird der Zuschauer sehr gefordert, da diese fast ohne Dialog auskommt. Man muss ganz genau hinsehen, um zu verstehen, was da vor sich geht. Allgemein setzt die Serie ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit voraus, da wenig erklärt wird. Im Grunde genommen, ist „Cloak and Danger“ das komplette Gegenteil von der bisherigen, eintönigen, sich wiederholenden Formel des Erfolgs. Die Serie beschreitet neue Wege, orientiert an keinem vorhersehbaren Weg, sondern kreiert ständig neue. Gerade die emotionalen Verbindungen zwischen den verschiedenen Charakteren, gibt das Serie das gewisse Etwas. Man möchte mehr erfahren, über diese Welten, die angedeutet werden.
Ebene 3 ist die, der Vergangenheit. Sie ist verflochten mit den Traumwelten und beeinflusst die Gegenwart, wie ein Geist sucht sie jeden der Charaktere heim. Sie offenbart Zusammenhänge und gibt Ausblick, wie die Charaktere in ihrer jetzigen Situation gelandet sind. Sie umgibt jeden einzelnen, getreu dem Motto: “ Die Geister die ich rief, werd ich nun nicht los“. Allgemein sind die philosophischen Ansätze sehr gut herausgearbeitet, die Charaktere sind gebrochen, verletzt und haben den Heilungsprozess noch nicht vollständig durchlaufen.

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Damit schafft die Serie eine sehr intensive Bindung zwischen Charakter und Zuschauer. Man kann nachvollziehen wie diese denken, fühlen und Handeln. Das Ganze im Verbindung mit der Suspense-artigen Atmosphäre ergibt eine sehr interessante Geschichte, die reich an Potenzial ist. Allerdings verzichtet die Serie auf schnelle Schnitte, rasante Action und drosselt das Erzähltempo. Es wirkt alles sehr entschleunigt, ruhig, nicht so hektisch wie andere Marvel Produktionen. Die Kameraeinstellungen sind lang und fokussiert, was dem Ganzen einen gewissen Charme verleiht. Nur muss man dazu sagen, dass trotz der wunderbaren, tiefergehenden Aspekte, das Ganze immer noch im Gewand einer typischen Coming of Age Lovestory steht, mit zeitgenössischer Musik.

Nichts desto trotz, ist sie für das was sie ist, sehr gut gemacht und die Verschiedenen Geschichten und vor allem die beiden Protagonisten haben durchaus das Zeug dazu, die Serie zu tragen. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Ganze in den nächsten Folgen entwickelt. Der Einstand ist schon mal geglückt.

Über Marcel 577 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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