Kritik: The First Purge

© Universal Pictures

Nun schon zum vierten Mal findet die sogenannte „Säuberung“ ihren Weg in die Lichtspielhäuser dieser Welt. Die ersten drei Filme waren mit ihrem guten Einspielergebnis und ihrem geringen Budget klare Erfolge. Wie schon die „Saw“-Reihe oder auch die „Paranormal-Activity“-Filme ist „The Purge“ längst ein Garant für Erfolg geworden. Doch wann ist ein Franchise so sehr ausgeschlachtet, dass nur noch wenig „Leben“ vorhanden ist, und wann ist der Punkt erreicht, wo man das Ganze zu einem befriedigenden Ende bringen sollte? Das klären wir heute mit dem Weg, den man einschlagen muss, wenn einem langsam die Ideen ausgehen. Und zwar zurück zu den Anfängen.

Story:

Die amerikanische Wirtschaft ist am Boden und es herrschen Aufstände auf den Straßen. Deswegen beschließt die Regierung einen Testlauf, um eine Idee zu verwirklichen, die alles wieder ins Gleichgewicht bringen soll. Auf Staten Island soll zum ersten Mal die sogenannte „Säuberung“ durchgeführt werden. Ein Verfahren, wo für 12 Stunden jedes Verbrechen, einschließlich Mord, legal ist. Sämtliche Notfallstellen werden abgeschaltet, so dass nur noch ein Ausweg bleibt: kämpfen oder sterben. Zuerst ist die Beteiligung eher verhalten. Doch die Regierung hat einen perfiden Plan, dem jeder Einzelne zum Opfer fällt. Und so beginnt eine Nacht der Anarchie, die mehr als ein Opfer fordert.

Kritik:

Fangen wir mit der Story an, die zwar nicht so neu, aber dennoch recht interessant ist. In der ersten Hälfte geht es sehr viel um den Inhalt der Säuberung und auch, was das für die Menschen bedeutet. Man bekommt mehr Einblicke und mehr Hintergrundwissen, wie es zu so einer perfiden Art von Wirtschaftspopularität kommen konnte und was sich die Regierung davon verspricht. Ebenfalls wird beleuchtet, warum es wichtig ist, dass dieser Testlauf ein Erfolg werden muss, sowie welche Konsequenzen er für die Protestanten, Gegner der Säuberung, aber auch für ihre Sympathisanten hat. Das alles hört sich erst mal ganz gut an, umgesetzt jedoch wirkt es eher mittelmäßig. Die ruhige erste Hälfte des Films ist zwar sehr  informativ, lädt aber auch zu jeder Menge Langatmigkeit ein. Alles wirkt wie ein Thriller, der aber nur schwer in Fahrt kommt. Die zweite Hälfte ist sehr actionreich ausgefallen, was zwar Dynamik in den Film bringt, aber auch das Gefühl erzeugt, dass man sich in einem schlechteren Ableger von „The Raid“ fühlt. Jeder Bereich des Films hat dadurch seine Vor- und Nachteile, von dem aber keiner so richtig überwiegen möchte.

Die Atmosphäre ist düsterer als in den Vorgängern, was dem Film wirklich zugutekommt. Hier wird zwar nicht viel Spannung erzeugt, dafür aber eine gewisse Anspannung. Denn durch den  langsamen Aufbau kommt dieses Gefühl ganz passabel zur Geltung, weil man sich mehr Zeit lässt, als noch bei den Vorgängern. In der ersten Hälfte des Films hält sich diese dunkle bedrohliche Stimmung ganz gut, aber in der zweiten wird sie etwas heruntergeschraubt aufgrund der Action-Einlagen. Trotzdem hält sich diese Waage ganz gut, weil die dunkle Stimmung nur langsam schleichend weniger wird. Dadurch hat man nicht den Effekt, dass hier von der ein auf die andere Minute die Atmosphäre komplett umgegraben wird, sondern eher, als würde man einen wunderbaren Übergang bekommen. Doch selbst, wenn die Atmosphäre gut gelungen ist, bleibt sie manchmal wegen der Streckung ebenfalls etwas auf der Strecke. Und hier haben wir wieder keine Seite, die überwiegt, sondern immer eine ausgeglichene Waage.

Die Charaktere sind wie auch schon in den anderen Filmen aus der B-Abteilung und nicht wirklich der Rede wert. Sie spielen das, was sie spielen sollen, mal mehr, mal weniger überzeugend. Mitfühlen ist da leider nicht wirklich gegeben, weil das Schicksal jedes einzelnen Charakters einfach nur egal ist. Das war aber schon das Problem der anderen drei Filme, das man hier einfach nur fortsetzt. Aber da muss man auch nicht so viel erwarten, weil es einfach auch nicht der ausschlaggebende Punkt des Films ist.

Kommen wir zu den Effekten. Diese sind auf einem guten B-Niveau und machen schon einiges her. Sie steigern sich mit dem Verlauf des Films. Je mehr es in die zweite Hälfte geht, umso zeigefreudiger und brutaler werden sie. Wo in der ersten Hälfte noch viel weggeblendet oder schnell geschnitten wird, lässt man in der zweiten Hälfte richtig das Blut spritzen. Überwiegend sind es Kehlenschnitte und Kopfschüsse, die dafür sorgen, dass die Atmosphäre noch gut unterstrichen daherkommt. Dabei bleibt man aber immer noch unter dem Radar. Bei einem Film, wo es um so eine kompromisslose Anarchie geht, würde man wirklich mehr Gewalt und Bluttaten sehen wollen. Zumindest ging es mir so, weil so eine Thematik doch wirklich dazu einlädt, mal die Hunde von der Leine zu lassen. Aber so, wie es ist, muss es wohl sein, weil man dann zumindest noch das 16er-Publikum ins Kino bekommen kann.

Das Ende ist nicht wirklich überraschend oder gar genial. Es ist ein normales, vorhersehbares und eher unbefriedigendes Ende. Denn jeder weiß, dass es sich bei diesem vierten Film um ein Prequel handelt, was eine Überraschung, ob man die Säuberung stoppen kann, schon von Anfang an verpuffen lässt. Das Problem haben Prequels aber im Allgemeinen, weshalb man dem Film dafür keinen Vorwurf machen kann.

Fazit:

Der neue Film über die „Purge“ ist etwas besser gelungen als seine schwachen Vorgänger. Er entwickelt sich von einem düsteren Thriller zu einem Action-Feuerwerk, und das in einem annehmbaren Verlauf. Es gibt aber dennoch viel Leerlauf sowie viele spannungsarme Momente, die den Film wie ein hinkendes Bein öfter leider richtig schleifen lassen. Man bekommt überwiegend nicht erwähnenswerte B-Schauspieler und sich steigernde, meist aber auch trashige Effekte. Das Ende hingegen ist wirklich nicht gerade das, was man sich erwünscht hätte, was aber leider auch abzusehen war. Aber dennoch haben wir neben dem zweiten Film den wohl besten Teil der „Purge“-Reihe. Das war doch schon eine kleine Überraschung und ein guter Grund, mal einen Blick zu riskieren. Davon mal abgesehen, wird jeder Fan der Reihe sowieso auf seine Kosten kommen, aber dennoch wird man etwas neues erleben, was man bis dahin in noch keinem „Purge“-Film zu sehen bekommen hatte. Und zwar einen „langsamen“, sich Zeit nehmenden Aufbau. Wäre dieser Film als erster Teil der Reihe gekommen, wäre ich sicher anders eingestellt auf die Teile 1-3, als ich es heute bin. Warum nicht gleich so? Zwar nicht perfekt, aber auch nicht der Untergang des Abendlandes.

Fortsetzungen:

Für dieses Jahr wurde eine 10-teilige TV-Serie zu der „Purge“ angekündigt, die sich mit der Zeit zwischen einer Säuberung beschäftigt. Es wird das Leben der Menschen im Jahr gezeigt, bevor die jährliche Säuberung losgeht. Dabei wird auch gezeigt, wie sich Feindschaften bilden, und was man für Gründe haben kann, um zu säubern. Außerdem wurde eine Fortsetzung zu dem dritten Teil der Reihe angekündigt, die die ganze Geschichte weitererzählen soll. Aber wie weit soll diese Reise der „Purge“ noch gehen? Wenn ich mir das hier so ansehe und den jetzigen Film, ist meine Meinung: Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, die Reihe zur Ruhe zu legen und wie „Saw“ in paar Jahren wiederzubeleben. Oder auch nicht.

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