Erster Trailer: The Favourite

Der Gänsemarsch der Geschichte

© FOX Searchlight

Glück für das absurde Kino: Giorgos Lanthimos hat wieder gedreht. Der Regisseur von Filmen wie „Dogtooth“ (2009), „The Lobster“ (2015) und „The Killing of a Sacred Deer“ (2017) transferiert seine eigenwillige Bildsprache in das 18. Jahrhundert, in dem Olivia Colman, Rachel Weisz und Emma Stone Regieren als Regieren mit Enten verstehen.

Interessanterweise hat der Grieche erstmals nicht das Drehbuch geschrieben. Für das Script zeichnen sich Deborah Davis und Tony McNamara verantwortlich.  

„The Favourite“ ist Lanthimos‘ erste Groteske vor historischem Hintergrund:

Der amerikanische Kinostart ist am 23.11.2018. Ein deutscher Start steht bislang noch aus.

Meinung (Timo): Ich habe einen Schreck bekommen, als ich gelesen habe, dass „The Favourite“ kein „reiner“ Autorenfilm Lanthimos‘ ist, sondern eine aus fremden Händen stammende Geschichte, die der Filmemacher lediglich stilistisch (unnachahmlich) aufbereitet. Der Trailer hat mich daher überzeugt, trotz Emma Stone. Der Geschichtsabschnitt, dem sich Lanthimos nähert, gehört nicht zu meinen geschichtlichen Präferenzen, aber ich glaube zu wissen, warum sich der Grieche dafür hat erwärmen können. Starre soziale Konventionen samt aufgeplusterten Gewändern sind für Lanthimos abermals kein Hindernis, hinter Verkrustungen, Verstrickungen, Verheimlichungen zu blicken und sie nicht nur zu entlarven, sondern direkt zu karikieren. So begegnen uns in „The Favourite“ straffe Tableaus, die von schreiendem Wahnsinn und unterdrückter Begierde heimgesucht werden, voll an betörenden Körpern und ihren besoffenen Bewegungen. Ein Extralob gebührt der prominent ins Bild platzierten Augenbinde.    

Über Timo Kießling 53 Artikel
Der künstliche Graben zwischen vermeintlicher Hochkultur und vermeintlicher Trivialkultur existiert für mich nicht. Beides weiß, uns etwas über die Zeit zu sagen, in der wir leben. Deshalb interessiere ich mich für jegliche Sparten visuellen Geschichtenerzählens, besonders für die, in denen Bilder "Eruptionen, Zerwürfnisse und Chancen zwischenmenschlicher, lebensweltlicher Prozesse" metaphysisch einrahmen. Das Kino Michelangelo Antonionis, David Lynchs und Christian Petzolds inspiriert mich immer wieder. Ich schreibe über Filme, um mich an diese zu erinnern und um ein paar spannende Perspektiven auszugraben, die ich gern weiterverschenken möchte. Filmkritik ist Archäologie.

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