Kritik: Death Wish

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„Death Wish“ oder warum Selbstjustiz gefährlich ist

Dass Eli Roth selten gute Filme macht, ist bekannt. Dass er jedoch versucht, einen ideologisch bedenklichen Film auf die Menschheit loszulassen, der noch dazu in einer sehr stupiden Art und Weise seine Botschaft vermittelt, ist definitiv besorgniserregend. Doch wieso geht von „Death Wish“ so eine große Gefahr aus? Auf den ersten Blick ist es nur ein Remake eines Klassikers mit Charles Bronson, wenn man sich allerdings genau mit dem Inhalt auseinandersetzt, dann stellt man fest, dass ein Remake dieses Stoffes zu unserer sehr angespannten Zeit mit Charlottesville, der AFD und #MeToo nicht unbedingt die beste Idee war. Doch worum geht es? Paul Kersey ist Chirurg, verdient gut, hat ein Haus, eine Tochter und ist glücklich verheiratet. Das ändert sich, als bei einer Schicht bei ihm Zuhause eingebrochen wird, seine Frau im Leichensack landet und seine Tochter im Koma. Kersey will Rache. Und da die Polizei es nicht auf die Reihe kriegt, zieht er selber los.

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Hier ist schon einmal der erste Punkt: Die Polizei wird als machtlos bzw. selten dämlich dargestellt. Dean Norris verkörpert einen klischeehaften Polizisten, nach dessen Wandzetteln zu urteilen er mehr ungelöste als gelöste Fälle hat. Auch der Spruch bei den ungelösten am Rand – „wir brauchen eine größere Wand“ – zeugt davon, dass die Polizei in Chicago augenscheinlich mit der Gesamtsituation überfordert ist. Also braucht es, ganz logisch, einen Vigilanten, und wer wäre das besser, als jemand, der alles verloren hat und nur noch rot sieht? Eben dieser hat jedoch keine Ahnung, wie man eine Waffe benutzt, Spuren verwischt und schafft es trotzdem jedesmal, der Polizei zu entkommen. Und lange braucht er auch nicht, um all diese Fähigkeiten zu erlernen. Im Laufe der Handlung wird Kersey sogar ein besserer Schütze als der Detective. Geht sowas? Natürlich nicht. Wenn man richtig hinschaut, würde er im echten Leben längst hinter Gittern sitzen, egal, ob seine Motive nobel wären oder nicht.

Die viel wichtigere Frage ist: Wer glaubt dem, was er auf der Leinwand sieht und kann davon allen Ernstes sagen, dass dies gute Unterhaltung ist? Denn auch wenn der Film versucht, durch Einspielungen von Radio und Fernsehstammtischen der Frage nachzugehen, ob es gut ist, wenn man das Gesetz in die eigene Hand nimmt, wird dieser sehr intelligente Aspekt überschattet von Kerseys Taten und der parteiischen Position des Regisseurs. Anstelle zu versuchen, aus einem hochaktuellen Thema einen 08/15-Rachethriller zu machen, der genauso gut als Imagefilm für die Waffenlobby durchgehen könnte, wäre es besser gewesen, sich mit diesen Fragen ernsthaft auseinanderzusetzen. Den Fragen wie: Was tun wir, um die schrecklichen Gewalttaten/Verbrechen, die in Chicago nun einmal eine Vormachtstellung haben, einzudämmen? Ist die Polizei die einzige Lösung oder könnten auch mal die Politiker was gegen die stetig wachsende Armut tun, die eine der Ursachen dieses Problems ist? Wieso ist es gut, einem Mann zuzujubeln, der einfach auf offener Straße Leute umbringt, ganz gleich, was sie getan haben? Sollte sowas nicht die Rechtsprechung klären, und falls auf diese, wie im Film behauptet, wirklich kein Verlass mehr ist, sollten wir dann nicht mal anfangen, dass System zu überdenken? Oder einfach die zig anderen Möglichkeiten aufzeigen, das Problem zu lösen statt immer zur Waffe zu greifen?

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Es ist ein Film, der die ohnehin schon erhitzten Gemüter zum Überkochen bringt. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, ihn zu verarbeiten. Entweder man tut es als abendliche Vergnügung ab, weil: Was gibt es Besseres, als einem Arzt dabei zuzusehen, wie er das Leben, was er gibt, gleich wieder nimmt und von Mal zu Mal immer mehr auf den Geschmack kommt? Und, wenn Bruce Willis dann diesen „Retter im Hoddie“ verkörpert, natürlich ihn anzufeuern und sich überhaupt nicht daran zu stören, dass dieser nicht mal eine Träne auf der Beerdigung seiner Frau verdrücken kann und nur deppert dreinschaut, als hätten die Red Sox die Meisterschaft verloren?

Oder man schreibt sich seinen Frust von der Seele und versucht dafür zu sorgen, dass die Leute aus dem Wunderland zurück in die Realität kehren. So oder so ist „Death Wish“ weder moralisch noch qualitativ in seinem Genre ein guter Film. Denn wenn noch nicht mal die Action stimmt und man ein 40-minütiges Herzschmerzdrama spendiert bekommt, bevor überhaupt mal was passiert, dann läuft was ganz gewaltig schief. Am besten erst überlegen, was es für ein Film werden soll und ihn dann auf die Menschheit loslassen.

Über Marcel 505 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältikeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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