Erster Teaser: Roma

Verträumtes Mexiko

© Netflix

Netflix-Abonnenten entdecken im Angebot des amerikanischen Streaming-Anbieters bald („in theaters and on Netflix later this year“) den neuen Film von Alfonso Cuarón: „Roma“

Hinweise darauf, dass es sich um ein persönliches Projekt handelt, unterstreichen die ersten Schwarz-Weiß-Bilder. Angesiedelt im Mexiko der 1970er Jahre, drehte Cuarón in 70mm und kollaborierte diesmal nicht mit Kameramann Emmanuel Lubezki. Für die Kamera zeichnet sich der Regisseur höchstselbst verantwortlich.

Über die Geschichte sind Bruchstücke bekannt. Cuarón erzählt über eine Hausangestellte (Yalitza Aparicio), die in Mexiko-Stadt ihrer Tätigkeit nachgeht:

   

Meinung (Timo): Ich hatte zwar auf einen Lubezki-Einsatz spekuliert, aber die Einstellungsrhythmen folgen den Figuren von Grund auf klarer, als Lubezki ihnen eher assoziativ nachspürt. Um die Bilder ist es dennoch schade, dass nur ausgewählte Kinos sie in ihrer vollen Breitenwirkung zeigen (von denen einige im Teaser zu bestaunen sind). Das ist allerdings kalter Kaffee. Ich beginne mich zu wiederholen. „Roma“ scheint mir zumindest an Cuaróns frühere Filme (wie „Y tu mamá también“) anzuschließen, Filme leisen Flüsterns und neorealistischer Sittenzeichnung, die entdeckt werden wollen. Das getrocknete Schwarz-Weiß stellt eine sehnsuchtsvolle Nostalgie her. Grundsätzlich alle Szenen, in denen Wellen das Frühere umspülen, sehen zauberhaft aus. Hilfreich: Man müsste sich vielleicht vorher ein wenig mit den Umständen auseinandersetzen, unter denen der Filmemacher aufgewachsen ist. Nach „Gravity“ bin ich froh, dass Cuarón zum Menschen zurückkehrt – zum Menschen Cuarón. 

Über Timo Kießling 44 Artikel
Der künstliche Graben zwischen vermeintlicher Hochkultur und vermeintlicher Trivialkultur existiert für mich nicht. Beides weiß, uns etwas über die Zeit zu sagen, in der wir leben. Deshalb interessiere ich mich für jegliche Sparten visuellen Geschichtenerzählens, besonders für die, in denen Bilder "Eruptionen, Zerwürfnisse und Chancen zwischenmenschlicher, lebensweltlicher Prozesse" metaphysisch einrahmen. Das Kino Michelangelo Antonionis, David Lynchs und Christian Petzolds inspiriert mich immer wieder. Ich schreibe über Filme, um mich an diese zu erinnern und um ein paar spannende Perspektiven auszugraben, die ich gern weiterverschenken möchte. Filmkritik ist Archäologie.

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