Kritik: Heilstätten

Irre werden, aber nicht gesunden

© 20th Century Fox

Leute gehen aus dem Kino, weil sie den Film nicht sehen können. Ihnen wird schlecht und ihre Psyche spielt Tricks mit ihnen. So eilt auch diesem Machwerk sein Ruf voraus. Zumal dieses auch in einer Irrenanstalt spielt, die es tatsächlich gibt. Es handelt sich dabei um die „Heilstätten“ in Berlin, die im zweiten Weltkrieg dazu benutzt wurden, um Experimente an Tuberkulosekranken zu machen. Aber kann der Film es wirklich mit seinen Vorbildern aufnehmen und ist es in der Tat gerechtfertigt, aus dem Kinosessel aufzustehen? 

© 20th Century Fox

Story:

YouTuber denken sich immer neuere Herausforderungen aus, um bei dem Publikum anzukommen. Für Klicks ist kein Risiko zu groß und keine Grenze unüberwindbar. Warum sollte man also nicht einfach eine Nacht in einer stillgelegten Irrenanstalt verbringen? Das denken sich auch einige klickgeile Prankliebhaber und suchen so die in Berlin gelegene Anstalt mit dem Namen „Heilstätten“ auf. Doch was als harmlose Nacht beginnt, entpuppt sich schnell als tödliche Wahrheit. Etwas ist hinter den Jugendlichen her, und das ist kein Mensch.

© 20th Century Fox

Kritik:

Natürlich erinnert die Story ganz stark an den Film „Grave Encounters“ – mit dem einzigen Unterschied, dass hier ein Ort aufgesucht wird, den es im realen Leben auch gibt. Und ja, an diesem Ort sollen sich ebenfalls paranormale Ereignisse abspielen. Was allerdings wirklich die Wahrheit ist, kann bis heute niemand sagen. Deswegen ist die Grundlage für eine Geisterstory perfekt, ebenso wie die Verknüpfung mit YouTube in der heutigen Zeit. Doch die Umsetzung ist leider nur mäßig gelungen. Zwar hält der Film eine gewisse Spannung, die aber im Verlauf des Films immer mehr abnimmt. Zu schnelle Schnitte gibt es dazu noch obendrauf, was auch der einzige Grund ist, warum einem hier schlecht werden könnte. Leider nur bedingt zufriedenstellend umgesetzt.

Atmosphärisch ist hier „Grave Encounters“ natürlich nicht weit. Bis auf die Tatsache, dass es in „Heilstätten“ ein wenig blutiger zur Sache geht. Doch leider wirkt die gruselige Stimmung dadurch nicht wirklich besser. Sicherlich gibt es hier und da Schreckmomente, die auch zünden, aber dennoch zu viel Leerlauf zwischendurch bieten. Durchweg ist das Set gespickt mit düsteren Untermalungen und vielen unheimlichen, vergessenen Gegenständen. Dadurch kommt teilweise eine doch sehr authentische Grundstimmung zustande, auch wenn man nicht in den Originalschauplätzen der „Heilstätten“ gedreht hat. Alles in allem eine recht düstere Atmosphäre mit kleinen Längen zwischen den Hauptmomenten.

Schauspielerisch überschreiten die Charaktere öfter hart die Grenze des guten Geschmacks. Sie wirken teilweise zu überdreht und zu sprunghaft. Ja, einige YouTuber mögen so sein, aber dennoch hätten ein paar mehr ernsthaft gespielte Momente nicht wirklich geschadet. Und dennoch bewegen wir uns trotz minder intelligenter Entscheidungen in einem gerade noch guten Cast.

Die Effekte können einiges an Schauwerten bieten. Zwar sind sie sehr schnell geschnitten und nur kurz zu sehen, aber dennoch effektvoll. Sicherlich sind sie kein Highlight, aber sie passen zur Abrundung des Films – auch wenn sie teilweise recht drastisch sind (wie eine abgeschnittene Nase unter Beweis stellt). Dennoch wäre hier manchmal kein Blut effektiver gewesen, weil man durch den roten Lebenssaft eine Komponente hat, die gegen Ende zu stark an „Hostel“ erinnert. Und ob das der Film gebraucht hätte, ist fraglich, insbesondere dann, wenn man bedenkt, dass „Grave Encounters“ bösere Effekte mit weniger Blut zustande gebracht hat. Sicherlich muss man den Vergleich nicht ziehen, aber dennoch ist er für den geübten Zuschauer, der sich mit der Found-Footage-Thematik beschäftigt, nun einmal da.

Das Ende hingegen ist das reinste Kauderwelsch. Der Film weiß einfach nicht, wie er sich selber beenden soll. Daher wird hier ein Schlusspunkt gefunden, der so unausgereift wirkt, dass es die ganze Grundthematik des Films um ein Vielfaches nach unten reißt. Hier wäre Schema F wirklich besser gewesen, als dieses Experiment, was auf den ersten Blick zwar anders ist, aber nicht wirklich zünden möchte.

© 20th Century Fox

Fazit:

„Heilstätten“ ist, einfach ausgedrückt, die deutsche, leider schlechter umgesetzte Adaption von „Grave Encounters“. Nur leider besitzt der Film nicht die Klasse seines großen Vorbildes und bietet daher auch keinen Grund, aus dem Kinosessel aufzustehen. Zwar haben wir eine gute Ausgangslage, die aber leider hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt. Eine düstere Atmosphäre trifft dabei auf eine etwas zu lang geratene Gesamtlaufzeit. Nervige Schauspieler und gute, aber etwas unpassende Effekte gibt es obendrauf. Und zu guter letzt haben wir ein Ende, das dem Gesamteindruck des Films einen dicken Strich durch die Rechnung macht.

Alles zusammengenommen, ist „Heilstätten“ ein mittelmäßiger Found-Footage-Film, der sich etwas zu viel vorgenommen hat. Hier wäre weniger einfach mehr gewesen. Und hätte man das ganze Konstrukt bis zu Ende gedacht, wäre auch sicher eine bessere Abrundung gefunden worden. So bleibt ein Film für einen netten Horrorabend, den man aber nicht zwingend oder unbedingt in den DVD-Player legen muss. Dennoch können Horrorfans einen Blick riskieren und werden auch nicht zwangsläufig enttäuscht, weil es dennoch ein durchschnittlicher wie akzeptabler Beitrag für das Genre darstellt. Falls es einen zweiten Film geben sollte, würde ich mir etwas mehr erwarten. Denn das Potential ist in jedem Falle da und wartet nur darauf, umgesetzt zu werden. 

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*