Kritik: Slender Man

Vom Internetphänomen zur Witzfigur in 85 Minuten

© Sony Pictures Home Entertainment

Es gibt für jedes Filmgenre einen Sargnagel, der endgültig zeigt, dass ein Genre am Tiefpunkt der filmischen Schaffensphase angekommen ist. Und auch der Geisterhorror hat dieses Jahr so einen Beitrag erhalten, der einfach zeigt, wie man eine gute Ausgangslage mit Vollgas gegen die Wand setzen kann. Doch warum kann dieser Beitrag von Film sich nicht so entfalten, wie er es gern gewollt hätte? Und warum ist damit ein Film entstanden, der selbst eingefleischte Horrorfans die Tränen in die Augen treibt? 

Story:

Vier Freundinnen denken sich eines Abends, ein Video anzuschauen, das den Slender Man beschwören soll. Dass es funktioniert, glaubt eigentlich keine von ihnen, bis ein Mädel auf einmal spurlos verschwindet. Und damit beginnt der Alptraum erst richtig, weil es nicht im Wesen des Slender Man ist, jemanden nicht in den Wahnsinn zu treiben.

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Kritik:

Nun ja, die Story gibt, wie der kurzen Inhaltsangabe zu entnehmen ist, nicht wirklich viel her. Zwar ist die Ausgangslage recht interessant, doch leider auch sehr belanglos und langweilig umgesetzt.

Hier wird sehr viel Potential liegen gelassen, so dass einem einfach nur die Tränen kommen. Keinerlei Tiefgang und auch keinerlei Entwicklung ergeben eines der schlechtesten Drehbücher des Jahres.

Die Atmosphäre kann da leider auch nichts mehr daran verändern. Sie ist dunkel und auch mit kleinen Spannungsmomenten versehen. Doch sind diese leider zu gering und zu entschärft. Nicht ein Gefühl von Beklemmung oder Angst möchte erzeugt werden, was den Film leider zu unterem Durchschnitt verkommen lässt. Dabei ist die Atmosphäre das einzige an diesem Machwerk, das ansatzweise Schauwerte vermitteln kann. Doch leider sind diese selbst für Horror-Veteranen uninteressant. Hier wurde leider neben der Story am meisten Potential einfach liegen gelassen und das, was da ist, sehr schlecht in Szene gesetzt.

Die schauspielerische Leistung ist leider ebenfalls eine große Schwäche des Films. Jedes der vier Mädels ist dermaßen uninteressant, dass eine Identifizierung einfach nicht möglich ist. Zu keinem Zeitpunkt bekommt man so etwas wie Sympathie oder Emotionen für einen Charakter vermittelt, so dass einem das Schicksal eines jeden Einzelnen völlig kalt zurücklässt. Ob es fragwürdige Dialoge oder unbesonnene Entscheidungen sind – hier ist alles vertreten, um zu zeigen, wie man es nicht machen sollte.

Effekttechnisch ist leider auch alles vergebens. Den Slender Man sieht man dabei leider nur ganz selten. Und selbst wenn er auftaucht, ist der Effekt so kurz und so unübersichtlich, dass der Eindruck entsteht, das Gesehene nicht gesehen zu haben. Blut sucht man hier ebenfalls vergebens, genauso wie irgendwelche Schreckmomente. Leider kann man dazu auch nicht mehr so viel sagen, außer dass das, was vorhanden ist, in so weiten Abständen eingestreut wird, dass einfach kein Effekt wirklich von Interesse ist. Wieder verschenktes Potential.

Das Ende ist eine gradlinige Enttäuschung, die einen wirklich wie ein Zombie aus dem Kino gehen lässt. Alles wirkt wie schnell zum Ende gebracht, aber nicht bis zu Ende gedacht. Es ist lediglich eine Abrundung von einem der schlechtesten Vertreter des Horrorgenres. Jedes weitere Wort wäre da leider schon zu viel.

© Sony Pictures Home Entertainment

Fazit:

„Slender Man“ ist ein Komplettausfall. Und das in jeder Hinsicht. Der Film erzeugt nichts und verliert sich in einem Strudel aus vergebenen Möglichkeiten. Im Vorfeld musste aufgrund der Thematik des Films leider vieles geschnitten werden.

Das hat unter anderem den Grund, dass in den USA einer der schlimmsten Gerichtsprozesse läuft, den man sich im Zusammenhang mit der Ausgangssituation des Films vorstellen kann. Zwei Mädchen stachen dabei ein drittes Mädchen mit einem Messer nieder und verscharten sie im Wald, um sie dem Slender Man zu opfern. Zwar überlebte das Mädchen, aber der Fall ist aufgrund des Alters der Mädchen trotzdem eines der erschütterndsten Verbrechen. Hoffentlich hat die Familie viel Kraft, um diese schwere Zeit durchzustehen. Meine Gedanken sind bei ihnen.

Doch wenn man angesichts einer solchen Thematik einen Film wie diesem macht, sollte man entweder den ganzen Film zurückziehen, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Oder man sollte ihn gar nicht erst herausbringen, wenn er in seiner Vollständigkeit nicht unangetastet bleiben darf. Auch wenn dieser Fall schlimm ist und eine Tragödie, sollte man trotzdem Mut zur Kunstfreiheit haben. Das bedeutet einen Film wie diesen nach seiner Vision auf die Leinwand bringen, ungeachtet der Konsequenzen. Und wenn man das nicht kann, dann sollte man es komplett sein lassen. Aber so wie hier geht es nicht. Keine tiefgehende Story, eine belanglose Atmosphäre, schlechte Schauspieler, keine richtigen Effekte und ein miserables Ende sorgen für die wohl mutloseste und schlechteste Horroradaption dieses Jahres. Und falls es noch einmal versucht wird, dieses Phänomen auf die Leinwand zu bannen, dann bitte mit deutlich mehr Mut. Denn dieser Film hat weder Mut noch Respekt. Er hat einfach gar nichts und ist eine Beleidigung.

Über Johnny Darko 52 Artikel
Hallo ich bin Johnny, ich bin der Mann für den Horror, in all seinen Variationen und Genres. Von atmosphärisch bis unerträglich, von brutal bis blutig. Ja aber ich stehe auch auf andere Bereiche. Im Thriller und Action Genre fühle ich mich auch sehr wohl. Aber auch Liebesfilme können mich überzeugen, und zu tränen rühren. Ja das wäre dann schon alles. wenn ihr Lust und Zeit habt, lest euch doch mal was schönes durch.

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