Kritik: Venom

Die größte Mischung, seit es Zwiespälte gibt

© Sony Pictures Home Entertainment

Marvel steht für eine hohe Qualität, ebenso für eine massige Lizenzensammlung für sämtliche Helden dieses Universums. Doch Sony hat eine ganz besondere Lizenz – für eine Anti-Helden-Figur der besonderen Art. Da die Spider-Man-Rechte an Marvel ausgeliehen sind, bleibt Sony noch der Weg für ein Universum, welches sich mit den Bösewichten diverser Helden beschäftigen soll. Der schwarze Antiheld, der Parasit „Venom“, bekommt dieses Jahr seinen ersten Solo-Film. Damit möchte er beweisen, dass nicht nur Superhelden für reichlich Action sorgen. Deshalb bespreche ich in dieser Kritik, ob der Weg ins Kino seinen Preis wert ist und warum wir alle irgendwo in unserem Herzen Venom sind.  

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Story:

Eddie Brock ist ein Journalist, der nicht immer mit den Gesetzen kooperiert, wenn es um eine gute Story geht. Deswegen bricht er eines Nachts in ein Labor ein, welches mehr zu bieten hat, als ihm lieb ist. Zwar gelingt ihm die Flucht, doch, wie er feststellen muss, nicht alleine. Ein Parasit aus dem Weltall namens Venom hat sich an seine Fersen geheftet. Er beansprucht Eddie als neuen Wirt, um seine ganz eigene Form von Gerechtigkeit auszuleben. Als wäre das aber nicht genug, muss Eddie schnell feststellen, dass der charakterlich böse Weltraumschleim nicht der einzige Parasit ist, der existiert. Also liegt es nun an der Kombination aus Eddie und seinem schwarzen Freund, die Welt vor einem Angriff zu bewahren, den niemand überleben würde.

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Kritik:

Die Story ist nicht bahnbrechend. Ihre Umsetzung kratzt nur an der Oberfläche von dem, was möglich gewesen wäre. Dabei ist die erste Hälfte des Films eher langatmig und nur leicht spannungserzeugend. Die zweite hingegen ist überhastet, schnell und voller Action. Dadurch kommt leider keine Entwicklung zustande, weil der Film selber nicht weiß, welche Richtung er einschlagen möchte. Der erste Indikator für liegengebliebenes Potential ist damit erfüllt. Captain Potential, wir sinken.

Atmosphäre baut sich nur schleppend auf. Wie schon erwähnt, besitzt die erste Hälfte Momente, die mysteriös und einladend sind, nur, um sie in der zweiten über den Zaun brechen zu lassen. Dabei stimmt die Dynamik des Gesamtkonstrukts überhaupt nicht. Lange Pausen treffen auf überhastete Action, mit einer guten Füllmenge an selbstironischem Humor, der nicht überzogen, aber dennoch öfter zu entschärfend wirkt. Nach dem Trailer standen die Zeichen auf düster, bedrohlich, böse. Nach dem Film eher auf lustig, abgedreht, nichtssagend. Spannung ist Mangelware, genauso wie das Gefühl, irgendetwas könnte von der Norm oder dem Schema F abweichen. Captain Potential, wir sinken tiefer.

Schauspielerische Glanzleistungen kann der Zuschauer nicht erwarten. Eddie Brocks Figur hat wenig Hintergrund. Bis zu Venoms Auftritt wirkt sie belanglos, dünn, ach, und habe ich belanglos schon erwähnt? Der Rest des Casts tut sein Möglichstes dabei, irgendwie mit Tom Hardy mitzuhalten, was aber nicht gelingen möchte. „Austauschbar“ ist das richtige Wort, das leider gewichtig auf den Charakteren liegt. Nicht zuletzt dadurch, weil der Humor nur durch Tom Hardys Selbstgespräche mit Venom vorangetrieben wird. Captain Potential, wir müssen dringend reden!

Ärgernis Nummer #1 sind die Effekte. Viele sind gut in Szene gesetzt, andere verwaschen, unübersichtlich, zu schnell geschnitten. Der Film hat neben der Atmosphäre den größten Zwiespalt zu bieten. Es wirkt zum Teil mühevoll, aber hingeklatscht, detailreich sowie schlampig. Das Finale ist der böseste Tritt ins Gesicht. Die Ausgangslage könnte schöner nicht sein, doch das Kauderwelsch ist ernüchternd und zu kurz. Captain Potential, wir können den Boden sehen.

Das Ende ist Standard, wenig überraschend und dennoch humorvoll abgerundet. Dabei spielt die Post-Credit-Scene eine entscheidende Rolle. Sie kündigt einen zweiten Teil an, der den Ausblick auf einen Feind bietet, der die Reihe in eine richtige Richtung steuern kann. Captain Potential, der Ausblick ist wundervoll.

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Fazit:

„Venom“ ist in seiner Gesamtheit weniger, als die Summe seiner Einzelteile. Er ist der zwiespältigste Vertreter unter den Comic-Verfilmungen, weil er großes Potential versprüht, aber zu wenig davon um- und einsetzt. Eine maue Story, keine Charakterentwicklung, eine unausgereifte effekttechnische Arbeit sowie eine humorvolle, aber schlecht ausbalancierte Atmosphäre ergeben die schwerste Mischung des Jahres. So viele gute Ansätze bruchstückhaft zu verpacken, ergibt leider noch kein gutes Gesamtkonstrukt. Leider weiß der Film nicht, was er sein möchte und projiziert das auf den Zuschauer, der es am Ende auch nicht besser weiß. Captain Potential, Logbuch Eintrag, Ende.

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Anmerkung:

Nach der Post-Credit-Scene wird, wie erwähnt, ein kleiner Ausblick gezeigt. Doch mitnehmen muss man diesen nicht.

Über Johnny Darko 52 Artikel
Hallo ich bin Johnny, ich bin der Mann für den Horror, in all seinen Variationen und Genres. Von atmosphärisch bis unerträglich, von brutal bis blutig. Ja aber ich stehe auch auf andere Bereiche. Im Thriller und Action Genre fühle ich mich auch sehr wohl. Aber auch Liebesfilme können mich überzeugen, und zu tränen rühren. Ja das wäre dann schon alles. wenn ihr Lust und Zeit habt, lest euch doch mal was schönes durch.

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