Kritik: „Mirai Nikki“, Vol. 1

Lasst das Spiel um Leben und Tod beginnen

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Lange haben Fans darauf warten müssen, nun veröffentlicht Kaze die erste Volume des kultigen Psychothriller- und Horror-Animes „Mirai Nikki“.

Und darum geht es: Yukiteru Amanos einziges Hobby besteht darin, Tagebuch über alle Ereignisse des Alltags auf seinem Handy zu führen. Sein einziger Freund, ein Gott namens Deus Ex Machina, existiert nur in Yukis Fantasie. Plötzlich jedoch gerät sein Leben aus den Fugen, als er feststellt, dass sein Handy-Tagebuch die Zukunft voraussagt. Und auch Yukis imaginärer Freund ist realer als gedacht und plant ein grausames Spiel: Zwölf Teilnehmer mit Tagebüchern, die die Zukunft vorhersagen. Zwölf Menschen, die sich gegenseitig umbringen. Denn am Ende kann nur einer gewinnen …

Wenn man Beispiele für gewaltverherrlichende Animes sucht, ist „Mirai Nikki“ immer ein beliebtes Beispiel. Was zum einen an der an „Battle Royale“ orientierten Handlung rund um das Spiel liegt, aber auch am weiblichen Charakter Yuno Gasai. Die Stalkerin und Beschützerin von Protagonist Yuki (Nr.1) ist sich selbst für Mord nicht zu schade, um ihren Geliebten zu retten. Der wiederum ist ein verängstigter Außenseiter, für den eine Welt – die des Beobachters – zusammenbricht und sich eine neue als Spielfigur im „Survival Game“ eröffnet. Yuki ist das komplette Gegenteil von Yuno. Er versucht so gut wie möglich, der Gewalt aus dem Weg zu gehen, ist sehr leicht beirrbar und benimmt sich trotz seines Wissens wie ein Tollpatsch. Sozusagen wird in „Mirai Nikki“ das Prinzip Prinz/Prinzessin umgedreht. Hier rettet der Prinz nicht seine Prinzessin, sondern muss von ihr gerettet werden. Und ganz nebenbei ist die noch eine klassische Psychopathin.

Schon nach den ersten 6 Folgen sollte jedem klar sein, dass dieser Anime mit seiner höchst pessimistischen Sicht auf das Leben und die Welt garantiert nicht mit der großen Moralkeule um sich schlägt, sondern in erster Linie auf Brot und Spiele setzt. So hat jeder der Spieler aus den ersten 6 Folgen, also Nummer 6: die Priesterin, 12: der Gerechtigkeitsfanatiker, 9: die Terroristin, 4: der Cop, 2: die Stalkerin und Nr. 1: der Außenseiter (und stille Beobachter) auf seine ganz eigene Weise seine Psychose zu bewältigen und folgt stets dem Motto: normal ist langweilig. In „Mirai Nikki“ regiert der Wahnsinn, die Obsession und das Stalken wird für legal erklärt und als komplizierte Liebe deklariert: Denn wer die „richtigen“ Leute tötet, dem geschieht kein Unrecht und wird selbst von der Polizei toleriert, während das Vertrauen den Seeligen gehört. So zeigt der Anime von Folge zu Folge die menschlichen Abgründe auf, bis man an dem Punkt landet, wo man selbst das Töten als unterhaltsam empfindet.

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Auch die Animationen sind auf einem sehr hohen Level, sei es die alternative Realität mit Deus Ex Machina oder auch die Actionszenen, wo das Blut nur so spritzt. Dabei tut das HD sein Übrigens. Jeder Blutstropfen, jedes Detail gewinnt dadurch noch einmal an Authentizität und Wucht – der Handlungsstrang mit der Omukata-Sekte ist hier stellvertretend zu nennen, der gerade durch seine Brutalität und psychologischen Analyse absolut schockierend wie auch faszinierend wirkt, sozusagen eine Mischung aus Blutbad und Psychothriller. Dadurch rücken auch die Horror- und Splatterelemente in den Fokus und gleichzeitig schreitet auch die Entwicklung der Charaktere voran.  Allgemein könnte man die Charaktere an und für sich, einzeln oder auch als Gruppe, in jeden Film packen, da ihre Vielschichtigkeit bemerkenswert ausgearbeitet ist. Es ist ein Anime, der hauptsächlich von seinen Antagonisten lebt.

Eine exzessive Gewaltorgie, eine brutale Abschlachtplatte, ein Psychothriller per excellence, ein Splatter-Anime – all‘ diese Bezeichnungen hat der Anime sich bereits in den ersten 6 Folgen verdient. Was ihm jedoch zum Kultstatus verholfen hat, ist nicht ein Er, sondern eine Sie. Denn mit Yuno Gasai wurde eine kultträchtige, „liebenswürdige“ Psychopathin geschaffen, derem Treiben man gerne zusieht.

Über Marcel 505 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältikeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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