Kritik: Mile 22

22 Meilen in den Abgrund

© UNIVERSUM FILM GmbH

Mark Wahlberg hat in seiner filmischen Laufbahn schon einige Filme gedreht. Unter der Regie von Peter Berg, sind dabei Streifen entstanden wie „Lone Survivor“, „Deepwater Horizon“ oder „Boston“. Das neuste Werk dieses Duos besprechen wir heute, und müssen uns die Frage stellen, ob nicht jede Zusammenarbeit auch mal ein Ende finden sollte?

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Story:

James Silva ist der Anführer der Spezialeinheit „Overwatch“, die immer gerufen wird, wenn eine Situation eigentlich schon eskaliert ist. Ihr neuer Auftrag ist eine Überführungsmission, die sich über 22 Meilen erstreckt. Ein Spion Namens Li Noor soll außer Landes gebracht werden, um wertvolle Standorte von Giftbomben preiszugeben. Doch diese Mission ist schwerer als gedacht, denn die Gegenseite will den Spion unbedingt haben, und schreckt dabei vor nichts zurück.

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Kritik:

Was sich auf den ersten Blick nach einer spannenden Handlung anhört, ist das größte, unübersichtlichste Kauderwelsch, das man sich nur denken kann. Viele Sprünge, kein roter Faden, unübersichtliche Verläufe. Die Liste ist endlos. Dabei schafft es der Streifen zu keiner Zeit Spannung aufzubauen, was ihn wie eine gezogene Actionsequenz erscheinen lässt. Alles plätschert so vor sich hin, ohne einmal wirklich Interesse oder Struktur vorzuweisen.

Kommen wir zu dem atmosphärischen Teil des Films. Dieser ist bedingt vorhanden, krankt aber ebenfalls an der hektischen Schnitttechnik, sowie dem spannungsresistenten Ablauf. Einziges Plus sind hierbei die Actionsequenzen, die den ein oder anderen Augenschmaus auslösen, weil sie etwas von Hetzjagd oder Ausweglosigkeit beinhalten, und dieses Gefühl auch transportieren können.

Charakteristisch haben wir ein kleines Desaster. Mark Wahlbergs Figur wirkt flach, uninteressant sowie überflüssig. Er besitzt keinen Wiedererkennungswert, Charisma oder Ausstrahlung, was er in jeder Szene unter Beweis stellt. Lauren Cohan, Iko Uwais und John Malkovich  können ihre schauspielerischen Leistungen ebenfalls nicht abrufen, was überwiegend an dem schlechten Drehbuch liegt, da hier viele Möglichkeiten liegen gelassen wurden.  Der Rest des Teams ist leider keine Ausnahme, was zu einer durchweg schlecht gespielten  Leistung führt.

Mit den Effekten sieht es auch nicht besser aus. Zu schnell, zu unübersichtlich geschnitten verkommt jede Schießerei, sowie jeder Zweikampf zu einem Schnittmassaker Güteklasse A. Der Überblick ist nicht einmal für ein geübtes Auge zu erfassen. Einige Szenen leiden zudem noch an abgehackten Jump Cuts, das schnell der Eindruck entsteht, dass der Film geschnitten, oder unfertig in die Kinos gekommen ist, was er aber gar nicht ist. Viele Einstellungen hören abrupt auf, fangen dabei an einer anderen Stelle wieder an. Hier wirkt einfach alles unrund, zerstückelt, und unsauber zusammengenäht.

Ein unspannendes Finale, sowie ein überflüssiger Twist, runden das ganze Gesamtbild so hervorragend ab, das bestimmt ein zweiter Teil beschlossene Sache ist.

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Fazit:

„Mile 22“ ist ein filmische Armutszeugnis, der in keiner Filmlaufbahn erwähnt werden sollte. An diesem Werk stimmt einfach gar nichts. Zusammengeschnipselte Actionszenen, eine unübersichtliche Story, miserable Charaktere, eine hölzerne Atmosphäre sowie einen billigen Abschluss, ergeben den schlechtesten Action-Thriller des Jahres. Peter Berg hat mit diesem Streifen unter Beweis gestellt, dass auch ein guter Filmemacher einen Ausfall in seiner Karriere, haben kann. Hoffen wir mal das er mit dem nächsten Projekt, wieder zu alter Größe heranwächst. Denn ansonsten sieht die Zukunft auch für Mark Wahlberg, nicht gerade rosig aus.

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Meinung (Timo): Als einer der schlechtesten Regisseure der Welt dürfte sich Peter Berg seinen Platz redlich verdient haben. Bestenlistenmaterial. Mit Ansage. Peter Berg ist aber auch einer der unterschätztesten Demagogen Hollywoods – seine Filme sind agitatorische Psychosen wie verkrampfte Vulgärverheiligungen. Überraschenderweise nervt Berg in „Mile 22“ jedoch nicht, als zwingend nötig. Knapp 90 Minuten dauert der Snack für zwischendurch, poltert, rollt, erbaut. Erzählt wird die Geschichte der geheimen Organisation Overwatch (Vorsitzender mit Sneakern: John Malkovich) und um einen Spion (Choreografie-Gold: Iko Uwais), der außer Landes gebracht werden soll. Unterwegs – 22 Meilen beträgt der Weg zum Flugzeug – muss sich das Team um Mark Wahlberg (in einer noch primitiveren Bryce-Dignam-Rolle) mit rachelüsternen Russen herumschlagen. Im Rahmen eines „TheRaid“-Action-Marathons destilliert Berg (erstmalig?) sehenswert ruppige, auf Bildschirmen und damit in Sehverschachtelungen aufgelöste, ritualisierte Nahkampfzuspitzungen in Tony-Scott-Manier. Die Geschlechterbilder indes haben den Stellungskrieg nicht überwunden – auch Lauren Cohan muss eine App zur Schimpfwörtertherapie benutzen. Was für Peter Berg zählt, geschlechterunabhängig, ist der vorlaute Glaube an die eigene Stärke ebenso, wie an das narbengezeichnete Fleisch, scheinheilig legitimiert durch eine Liste an der Tafel, die bei Pearl Harbor anfängt. In James Silvas (Wahlberg) kommalosen Tiraden gegen das Unrecht anderer Länder trägt „Mile 22“ gar ungeahnt widerlichen Stolz vor sich her.

Über Johnny Darko 47 Artikel
Hallo ich bin Johnny, ich bin der Mann für den Horror, in all seinen Variationen und Genres. Von atmosphärisch bis unerträglich, von brutal bis blutig. Ja aber ich stehe auch auf andere Bereiche. Im Thriller und Action Genre fühle ich mich auch sehr wohl. Aber auch Liebesfilme können mich überzeugen, und zu tränen rühren. Ja das wäre dann schon alles. wenn ihr Lust und Zeit habt, lest euch doch mal was schönes durch.

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