Kritik: Creed 2

Kämpfen, um zu leben

© Warner Bros. Pictures Germany

Adonis Creed steigt wieder in den Ring – mit Rocky Balboa an seiner Seite. Diesmal geht es gegen Victor Drago, den Sohn von Ivan Drago, dem Mörder von Adonis Vater, Apollo Creed, und dass das Ganze sehr persönlich wird, kann man sich bei der Vorgeschichte der beiden ja denken.

Während Teil 1 noch sehr fokussiert auf den Boxsport und das Vermächtnis von Apollo Creed war, konzentriert sich Teil 2 eher auf Donnis Leben außerhalb des Rings. Das ist an sich eine interessante Weiterführung, jedoch gerät dadurch der eigentliche Boxsport, um den sich die Reihe dreht, eher ins Hintertreffen. Der Kampf zwischen Donnie und Viktor kommt wie aus dem Nichts, nachdem man Viktor kurz einen Kampf in der Ukraine absolvieren sah, und eigentlich dient er eher als Unterstützung, statt als Mittelpunkt der Handlung. Das Besondere an Teil 4 damals war, dass das Ganze zu einer Zeit gespielt hat, wo es noch mächtig zwischen den USA und Russland geknistert hat. Damals war Russland in fast allen amerikanischen Filmen das Feindbild Nummer 1 und die meisten Antagonisten waren Russen oder zumindest mit ihnen in irgendeiner Art und Weise verbunden.

Die Story von damals auf heute umzumünzen, ohne wenige Veränderungen, mit einem recht eindimensionalen Gegenspieler, der leider auch nicht das Charisma von Dolph Lundgrens Ivan Drago hat, geschweige denn seine Präsenz, funktioniert auch nicht. So will man hier eine Art Pay-Back-Story erzählen, damit Donnie sein Vermächtnis komplettieren kann. Nur leider haben die beiden Kontrahenten bis auf ihre Väter und deren Vergangenheit null Motivation, gegeneinander zu kämpfen. Sie kämpfen vor allem für ihre Väter, Viktor, damit der verstoßene Ivan wieder in den Schoß der Familie aufgenommen wird und um das Trauma von damals zu bewältigen, da der Kampf zur Trennung zwischen Ivans und Viktors Mutter führte, und Donnie, weil er durch Viktors Vater nie die Chance auf ein Leben mit seinem Vater hatte. Das alleine als Motivation reicht leider nicht aus, um den Film spannend zu gestalten.

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Viel mehr hätte man sich auf den Generationskonflikt konzentrieren sollen, da auch Rocky auf Ivan wieder trifft und sie beide jeweils den Nachwuchs trainieren. Stattdessen konzentriert sich der Boxkampf ausschließlich auf Rache und erst gegen Ende, als Donnie erkennt, dass es hier nicht um seinen Vater, sondern um ihn geht, nimmt der Film Fahrt auf.

Unterm Strich geht „Creed 2“ im Gegensatz zum Erstling auf Nummer sicher und präsentiert uns einen Boxfilm ohne Ecken und Kanten. Dadurch vernachlässigt er aber das, was „Creed“ eigentlich so besonders gemacht hat. Die Kämpfe sind uninteressant und der Ausgang leicht vorhersehbar, was dem Ganzen den Reiz nimmt.

Einzig das Drama außerhalb des Rings mag interessant daherkommen – die Weiterführung von Donnies Leben, der sich jetzt nicht nur den Gegnern im Ring stellen muss, sondern auch der Problematik Familienvater zu sein. Was passiert, wenn ihm dasselbe Schicksal blüht wie, damals, seinem Vater? Was wird aus seinem Kind und seiner Frau, und ist es wirklich wert, das alles aufs Spiel zu setzen, nur um am Ende als Sieger aus dem Ring zu gehen? Nicht zuletzt: Wie weit geht Rache eigentlich beziehungsweise wie wirkt sie sich auf unser Umfeld aus?

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All‘ diese Fragen beantwortet der Film in einer sehr emotionalen Art und Weise, jedoch muss man sich da die Frage stellen: Musste der Gegner unbedingt Drago heißen oder hätte es auch jeder andere x-beliebige Muskelberg sein können, der ihn in die Schranken weißt? War das Aufleben des Konflikts von damals nötig oder wollte man das den Fans zuliebe machen? Denn wenn man den Film genau unter die Lupe nimmt, hat Donnie eigentlich bewiesen, dass er auch ohne Rocky existieren kann und das sogar sehr gut; wieso jetzt nicht einfach einen Schnitt machen, die Vergangenheit passé werden lassen und einen komplett neuen Weg gehen, als die Filme davor?

Und die wohl wichtigste Frage: Braucht die Reihe überhaupt noch einen alternden Rocky oder hat er sich langsam aber sicher seinen Ruhestand verdient?

Über Marcel 577 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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