Kritik: Trauma – Das Böse verlangt Loyalität

Der Angriff auf den serbischen Film

©Indeed Film

Vorwort:

Wenn es um Terrorkino geht, schauen Experten gerne nach Frankreich. Denn dort sind ab 2003 viele Werke erschienen, die den Horrorfan auf eine neue Ebene brutaler Gewalt führen sollten. Das Werk „High Tension“ machte dabei den Anfang, und war zu seiner Zeit bis zum heutigen Tage ein recht kontroverser und verstörend Beitrag für das Genre. Dann folgte mit „Inside – Was sie will ist in dir“ und „Martyrs“ zwei Streifen, die den kontroversen Zug weiter in Richtung „extremer geht immer“ längten. Mit „Frontiers“ erschien dann der vierte Film dieser „Big Four“, der ebenfalls nichts von seinem Grundcharakter einbüsste. Doch dann brach ein Film aus Serbien 2010 plötzlich alle Grenzen des guten Verstandes was Fans des harten Horrors, sowie auch Fachpresse, zu einer fortlaufenden Diskussion anregte. Mit „A Serbian Film“ wurde ein Werk geschaffen, dass die Gemüter und die Lager spaltete, und bis heute einer der umstrittensten Filme ist die überhaupt das Licht der Welt erblickten. Ist dieser Ausnahmefilm eigentlich noch verwerflichkeitstechnisch zu überschreiten, was Gewalt, Zeigefreudigkeit, und Quälereien angeht? Aus diesem Grund blickten viele Fans 2017 nach Chile, wo ein Werk das kontroverse Kino neu erfinden sollte. Mit „Trauma – Das Böse verlangt Loyalität“ kamen erst vor kurzem die lauten Stimmen zurück, die sich damals über die eben genannten Werke bereits lauthals ausgelassen haben. Und wieder sehen sich viele Fans mit der selben Frage konfrontiert. Ist das noch filmische Kunst, oder abstoßende Menschenrechtsverletzung?

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Im Vorfeld sollte erwähnt werden das keiner der oben genannten Titel, auch nur ansatzweise eine Chance bei der FSK gehabt hatte. Jeder dieser Streifen wurde entweder stark zensiert mit FSK 18 veröffentlicht, oder noch geschnitten um überhaupt eine juristische Prüfung zu überstehen. Das größte Problem ist dabei das selbst die geschnittenen Fassungen entweder indiziert, oder sogar beschlagnahmt wurden, was einen Import für Horrorfans unumgänglich gemacht hat. Und auch „Trauma“ hat dieses Schicksal ereilt. Für eine rote 18etr Plakette musste der Film um über 12 Minuten gekürzt werden, was ein Sichten undenkbar erscheinen lässt. Da bleibt wie in meinem Falle nur der amerikanische Import, oder eine zeitnahes warten auf ein österreichisches Uncut-Release.

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Kritik:

Kommen wir aber zu dem Werk selbst, dass handlungstechnisch nicht viel vorzuweisen hat. Wir folgen einer Gruppe von vier Frauen, die sich für ein Wochenende in einem Ferienhaus eingenistet haben. Als sie eines Abends von zwei unbekannten Männern vergewaltigt, und erniedrigt werden, beginnt ein Alptraum der zu einem dunklen Geheimnis führt.

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Damit ist alles gesagt was es zu sagen gibt, da der Beitrag sich nicht mal ansatzweise die Mühe macht näher ins Detail zu gehen. Der Verlauf beschränkt sich lediglich auf die brutalen, expliziten Gewalttaten, die das Hauptaugenmerk des Films darstellen. In dunklen dreckigen Bildern wird ein atmosphärisches Gewitter gezündet, das dem Zuschauer ein Schlag in die Magengrube versetzt, und ihn bis zum Ende nicht mehr loslässt. Die harten Szenen würzen das übrige böse hinzu, wobei eine über 100 Minuten lange fatale Symbiose dafür sorgt, dass sich der Brechreiz in der Magengegend entfalten kann. Kopfschüsse, harte Inzestvergewaltigungen, Misshandlungen sowie Erniedrigungen begleiten den Streifen zu jeder Zeit, was wenig Spielraum für eine Atempause lässt. Und genau hier liegt der Knackpunkt des Gesamtproduktes. Es gibt eine durchwachsene Schauspielerische Leistung, ohne jeden Tiefgang, sowie keine richtige Story oder Erklärung für die Gräueltaten. Alles wirkt nur fixiert auf die überzogene schwer anzusehende Ausschlachtung der komprimierten Härte. Ansonsten wird dem geneigten Fan gar nichts geboten, was er irgendwie für sich als Identifizierung nutzen kann, da der Streifen sich lediglich von Szene zu Szene hangelt. Man nehme ein bisschen atmosphärischen Hauch von „The Seasoning House“, reichert es mit der Handlung von dem ebenfalls kontroversen Film „The Woman“ an, und mischt das ganze mit den Effekten von „A Serbian Film“. Fertig ist das Ausnahmewerk, welchses eigentlich keines ist, außer in zeigefreudiger Hinsicht. Viel mehr kann man über diesen Film einfach nicht verlieren, weil es einfach nicht mehr zu erzählen gibt. Er wird nur durch den Aufschrei der Medien überleben, aber leider nicht wegen seiner Kunst.

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Das letzte Wort:

Das einzige was „Trauma – Das Böse verlangt Loyalität“ zu einem kontroversen Film macht, sind die ekelhaften Effekte, und deren Auswirkung auf die atmosphärische Grundlage. Ansonsten bietet der Film nichts, was dem anspruchsvollen Zuschauer hinter dem Ofen hervorlockt. Ebenso wie der serbische Film, wird auch dieses Werk nur durch seinen pseudokontroversen Diskussionsbedarf  überleben, was leider eine Art „Volkskrankheit“ geworden ist. Denn alles was aus der Norm schlägt ist verwerflich, und muss unbedingt verboten werden. Genau dadurch wird es erst interessant, was die Beliebtheit des Beitrags in einen großen Stand erhebt. Doch ist es so wie bei anderen kontroversen Werken die provozieren wollen. Gerät die Mundpropaganda ins Wanken, ist jedweder Ruhm nur noch eine lose Hülle, ohne Inhalt.   

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