Sundance 2019 Kritik „Honey Boy“

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Nachdem Dennis mit seinen Recaps vorgelegt hat, zieht nun auch Marcel nach und kommt gleich mal mit einem seiner Festivals Favouriten um die Ecke.

Courtesy of Sundance Institute

Der titel gegebene Held im Film „Honey Boy“ lehnt sich an die Biografie des Skandalschauspielers Shia LaBeouf an, der auch das Drehbuch zum Film beisteuerte. Darin beschreibt LaBeouf die zerüttete Beziehung zu seinem Vater, dem mehr daran gelegen war, seinen Sohn ins Rampenlicht zu bringen, als seine eigentliche Rolle in der Erziehung des Jungen zu erfüllen. Otis angelehnt an LeBeouf selbst raucht mit jungen Jahren Zigaretten, hat eigentlich keine richtige Kindheit gehabt, da er schon als Kind zum Schauspieler wurde, der sich und seinen Vater über die Runden gebracht hat. Auch hat Otis seinem Vater einen Job verschafft, sodass man sagen kann, dass der Vater mehr ein Mitarbeiter ist und das obwohl Otis mehr will. Der Film zeigt Otis gespielt von Lucas Hedges im Teenager Alter, der gerade eine Transformers Szene abgedreht hat. Durch einen selbst verschuldeten Unfall landet er schließlich in einer Besserungsanstalt, wo er sich mit seiner komplizierten Vergangenheit auseinandersetzen muss. Der junge Otis wird gespielt von Noah Jupe, der echt eine fantastische Performance abliefert. Teilweise weiß man nicht, ob er den Charakter nur spielt, oder er wirklich so ist. Shia selbst verkörpert seinen Vater und alle Achtung, sich selbst so mit einer Person auseinanderzusetzen, die einem fast nur Leid zugefügt hat, ist schon bewundernswert, wenn er auch größtenteils auf Methodacting setzt und man nicht mehr weiß, wieviel von seinem Vater in dem Jungen eigentlich steckt.

Eine der besten Szenen des Films, ist die Anfangssequenz wo Otis das erste Mal als Kind gezeigt wird und in Zeitlupe eine Torte ins Gesicht geworfen bekommt. Danach wird er befestigt an mehreren Seilen heruntergelassen, während sein Vater die Crew herumkommandiert und nebenbei noch mit der Assistentin flirtet, ohne sich nur einen Moment für die Gefühle seines Sohnes zu interessieren. Alleine diese Sequenz sagt so viel über die Vater-Sohn Beziehung aus. Es ist mehr eine Zweckgemeinschaft, der Vater profitiert vom Erfolg des Sohnes und der Sohn erduldet ihn, weil er sich nach einer Vaterfigur sehnt.

„Honey Boy“ ist durch seine berührende Geschichte und die starke Charakterzeichnung in der Tat einer der besten Filme des Festivals. Die Regisseurin versteht es LaBeoufs Leben mit allen Ecken und Kanten einzufangen und den Zuschauer seine Gefühlswelt zu versinnbildlichen. Auch wenn man nicht weiß, wieviel davon wahr ist, da man hauptsächlich die Welt durch die Augen von Otis wahrnimmt.

Über Marcel 530 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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