Kritik: Alita Battle Angel

Der Traum eines siebenjährigen Jungen, von einem schützenden Engel

© Twentieth Century Fox

Vorwort:

20 Jahre hat die Film- und Pressewelt auf diesen Moment gewartet. Die Realverfilmung des Cyberpunk-Mangas „Battle Angel Alita“ erblickt endlich das Licht der großen Kinoleinwände. James Cameron konnte leider keine Regie übernehmen, da er bis zu seinem Regie-Ende wahrscheinlich sämtliche Avatar-Fortsetzungen realisieren wird. Deshalb holte er sich einen Mann mit Robert Rodriguez, der ebenfalls viel Erfahrung auf dem Gebiet hat, schöne, dynamische, umfangreiche und eindrückliche Bilder auf die Leinwand zu zaubern.

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Nachdem der Manga erstmals 1996 von Carlson Manga nach Deutschland geholt wurde, erschien dieser noch in der gespiegelten Auflage, um die deutsche Leserschaft nicht zu verwirren. Nach 12 Ausgaben wurde der Manga abgebrochen, was auf eine geringe Verkaufszahl, sowie mangelndes Interesse an dem Stoff zurückzuführen ist. Im Jahre 2000 unternahm Carlson Manga in richtiger Leserichtung und im Taschenbuchformat einen zweiten Versuch, um die komplette Mangareihe nach Deutschland zu bringen, Da der Manga in Deutschland sich größerer Beliebtheit als noch in den 90er Jahren erfreute, war es kein Problem die insgesamt neunbändige Reihe komplett auf den Markt zu bringen. Doch der große Wurf blieb „Alita“ immer nur in Fan-Kreisen, die auch schon darauf warteten das die zweite Reihe „Last Order“ endlich das Licht der Welt erblickte. Dieses Ereignis lies bis ins Jahr 2004 auf sich warten bis dann der Startschuss fiel, um die diesmal neunzehn Bände umfassende Mangaserie komplett nach Deutschland zu bringen. Doch auch hier blieb der Erfolg eher im unteren Bereich, was die kompletten Mangas weiterhin zu einem Untergrund-Hit machten. Mit einer zwischendurch erschienenden einbändigen Nebenhandlung, und einer neuen Reihe unter dem Titel „Mars Chronicles“, ist „Alita“ bis heute der Kampfengel der Mangawelt der sich wacker seiner Beliebtheit erfreut.

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Mit sieben Jahren war der kleine Johnny noch ein Kind, der aber dennoch 1993 auf Videokassette den 60-minütigen OVA-Film mit diesem benannten Kampfengel zu sehen bekam. Damals so wie heute habe ich mich in dieses Mädchen verliebt, und würde sie neben „Mila Superstar“ als die erste Liebe meines Lebens bezeichnen. Damals stellte ich mir bereits vor, wie so ein Engel wohl in Real aussehen würde. Träume und Vorstellungen ließen einen sieben Jahre alten Jungen träumen, und auch hoffen Und seid diesem Tage habe ich gewartet, bis zu dem Zeitpunkt wo der erste Trailer veröffentlicht wurde. Ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper und Tränen in den Augen, weil ich mir genau so meinen Engel vorgestellt habe. Und so wurde aus dem Traum eines siebenjährigen endlich eine blühende Realität. Deswegen kommen wir jetzt zu dem Film, der meiner Seele dieses Jahr am meisten bedeutet, und schauen wir auf das erste Date mit dem Kampfengel meines Herzens. Wird der Traum eine kleinen Junges von seiner großen Liebe, dass was er sich vorgestellt hat?

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Kritik:

Die Geschichte des Films beruht auf den ersten vier Bänden des Manga, bzw. dem ersten Band der Perfect Collection. Doch leider ist diese Handlung die im Buch noch hervorragend umgesetzt wurde, im Film nicht mehr so schön anzusehen. Wir haben hier ein oberflächliches Coming-Of-Age-Drama mit einigen Actionelementen, welches durch seine unausgewogene Form der Erzählung zu einem zähen Durchhaltekampf verkommt. In den Passagen in denen die Handlung vorangetrieben wird, nimmt sich der Streifen keine Zeit, und hetzt durch seine Geschichte hindurch, wie ein Reh auf der Flucht vor einem Löwen. Dann in ruhigeren Momenten die weniger storylastig ausgefallen sind, verkommt der Film zu einer sprücheklopfenden, auf cool getrimmten Romantik-Komödie die kitschiger nicht ausfallen kann. So hat der Zuschauer das Gefühl keine wirkliche Handlung vor sich haben, und weiß gar nicht worauf dieses Werk eigentlich hinaus möchte. Denn alles was man zu sehen bekommt wirkt eckig und kantig zusammengesetzt, so das kein Teil in das andere passen möchte.

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Dadurch werden die Charaktere ebenfalls ihrer Glaubwürdigkeit beraubt, was ebenfalls einen großen Kritikpunkt darstellt. Bis auf Alita wirkt keine Figur wirklich lebendig oder interessant, was zu einem austauschbaren Cast führt, der nicht mehr Gewicht aufweist als das Salatblatt auf dem großen Fleischteller. Dabei wirkt Christoph Waltz als die größte Enttäuschung da er eine emotionale Bandbreite von einer Marmorplatte besitzt, die zu allem Überfluss noch einen Sprung auf der Oberfläche hat. Der einzige Lichtblick ist Alita-Darstellerin Rosa Salazar, die optisch einen guten Eindruck macht. Denn das Design von dem Kampfengel ist der Manga-Vorlage so ähnlich wie es in realen Bildern möglich gewesen ist, was Fans eigentlich erfreuen dürfte. Aber dieser Eindruck wird sehr schnell zerstört wenn sie ihrer Mundhöhle dazu bringt Wörter auszuspucken, weil aus ihr nicht mehr als hole Sprüche und Überheblichkeit entweicht. So wirkt sie zwar wie ein überheblicher Teenager den sie auch darstellen soll, der aber durch seine hohe Lernkurve schlauer agieren müsste, als er es ausspielt.  

Optisch haben wir eine schön gestaltete Schrottplatzstadt, die auch schon mal für große Augen sorgen kann. Wenn der Zuschauer die fliegende Stadt „Zarem“ zum erstem Mal erblickt, wird ihm sofort ganz warm ums Herz, was den Nostalgie-Faktor zur Vorlage enorm steigert. Aber wieder haben wir hier einen kleinen Kritikpunkt, welcher leider nicht zu übersehen ist. Das alles wirkt sehr seelenlos und schnell erstellt, so das sich die Frage gestellt werden muss, wo das ganze Budget des Films eigentlich hinein geflossen ist. Sicherlich nicht in die Hingabe und Mühe des Gesamtproduktes, was spätestens jetzt jedem klar geworden ist, der den Kinosaal so wie ich verlassen hat.

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Actiontechnisch bietet der Streifen leider auch keine Sternstunde der großen Bilder. Die Kämpfe sind zwar übersichtlich, wirken aber dennoch etwas zu unausgeglichen und überhastet. Wenn die Action anfängt, ist sie auch sehr schnell wieder vorbei. Das regt den Appetit zwar enorm an, wird aber am Ende nicht genügend befriedigt um sich wirklich satt zu fühlen. Dabei sind die Szenen außerdem sehr rasant geschnitten, was dem ungeübten Zuschauer auch das ein oder andere Mal die Übersicht entziehen könnte. Denn wirklich etwas neues bietet der Film leider nicht, und das Niveau was er hält ist allenfalls leicht gehobener Standard, den man in jedem geldtechnisch niedriger angesiedelten Science-Fiktion-Film findet. 

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Am Ende haben wir einen Aufhänger, der nicht deutlicher nach Fortsetzung schreien könnte. Dabei kommt aber sehr schnell das Gefühl auf nur den halben Film gesehen zu haben, was die unrunde Abrundung nur noch mehr untermauert. Hier werden praktisch die ganzen Puzzle-Teile die nicht ineinander passen noch einmal zerstreut, um auch wirklich zu beweisen das hier einfach nichts zusammengefügt werden möchte. 

Das Letzte Wort:

Mit Tränen in den Augen muss ich mir und euch nun eingestehen das „Alita: Battle Angel“ ein durchschnittliches Teenagerdrama mit actionreichen Versatzstücken geworden ist, dass auf ganzer Linie versagt hat. Filmisch sowie technisch bleibt dieses Werk weit unter seinen Möglichkeiten, und bietet nicht mal den unkenntlichen Science-Fiktion-Fan eine befriedigende Kinozeit. Allenfalls kann man sich an den optischen Bildern der Stadt, oder den mittelmäßigen Actionszenen etwas erfreuen, was aber auch schon alles war was dieser Streifen zu bieten hat. 

Und damit wurde nicht nur mein Glaube in das Blockbusterkino, sondern auch mein Vertrauen in die filmische Generation unserer Zeit zerbrochen. Heute Nacht starb nicht nur der Traum eines siebenjährigen Jungen, sondern auch die Liebe zu einem Engel der mit diesem Beitrag zu Grabe getragen wurde. Es ist so als würdest du von dem Menschen den du liebst, ein zweites Mal verlassen werden. Und das tut einfach nur weh, und hinterlässt eine Leere die so schnell nicht wieder zu füllen ist.   

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Nachtrag:

Wer den Manga in seiner ultimativen Edition vollständig im Regal haben möchte, sollte sich mal diesen Link hier ansehen. Denn hier findet sich eine letztes Jahr herausgebrachte Perfect Collection, die mit vier dicken Bänden und einem Sammelschuber, Alitas komplette Geschichte enthält.  

https://www.amazon.de/Battle-Angel-Alita-Perfect-Schuber/dp/3551723400/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1550102342&sr=1-1&keywords=battle+angel+alita

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Über Johnny Darko 73 Artikel
Hallo ich bin Johnny, ich bin der Mann für den Horror, in all seinen Variationen und Genres. Von atmosphärisch bis unerträglich, von brutal bis blutig. Ja aber ich stehe auch auf andere Bereiche. Im Thriller und Action Genre fühle ich mich auch sehr wohl. Aber auch Liebesfilme können mich überzeugen, und zu tränen rühren. Ja das wäre dann schon alles. wenn ihr Lust und Zeit habt, lest euch doch mal was schönes durch.

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