Sundance Film Festival 2019 Recap „The Lodge“ und „I Am Mother“

Viele Filme haben wir, aus verschiedenen Gründen ja nicht sehen können, dennoch ist es mir gelungen zwei Vertreter aus den Sektionen Horror und Sci-Fi zu sichten. 

courtesy of Sundance

„I Am Mother“

Zu allererst sollte man den Wagemut des Regisseurs anerkennen, sich mit dem SciFi Genre auseinander zu setze da Gerne bekanntlich sehr komplex ist und die Spanne von schlechten Sci-Fi Filmen,  wie „Cloverfield Paradox“, bis hin zu sehr guten wie „Blade Runner 2049“ und „Ex Machina“ weitreichend abgedeckt ist. Sputores Werk bewegt sich dazwischen, da er waghalsig versucht einen misslungenen Spagat zwischen Dystopie und Popcornunterhaltung zu kreieren, ausgeschmückt mit zahlreichen Wendungen( die jedoch auf Kenner und Liebhaber des Genres wie aus dem Handbuch gegriffen wirken), was leider im Gesamtbild nicht funktioniert. Zwar verfolgt er mit dem Gedanken, das Menschheit ausgelöscht wurde und die letzten Überreste von einem Roboter namens „Mother“ behütet werden, der die diese neu erschaffen soll einen interessanten Ansatz, denkt diesen aber leider nicht konsequent zuende. Zu verlockend ist das Sehnen nach dem Unterhaltungsfaktor, zu sehr versucht man, jeden Zuschauer mit ins Boot zu holen. Dabei ist der Gedanke, dass die Mutter sozusagen nicht alle Menschen auf einmal erziehen kann, sondern einen nach dem anderen, im Falle von „I Am Mother“ erst ein Mädchen und erst wenn sie alt und lebensfähig ist, den nächsten, zwar von der Idee her ganz interessant, nur dann müsste man sich auch intensiv mit der Gegenseite, dem logischen Effekt dass das schon rein vom Wesen des Menschen her unmöglich ist, tiefgründiger beschäftigen. Leider springt er an diesem Punkt zum nächsten Handlungsstrang und bringt eine dritte, aus der Außenwelt geflohene Person ins Spiel zu gestalten und den Unterhaltungsfaktor zu fördern.

Soweit so gut, denn dadurch erschließen sich ihm völlig neue Möglichkeiten, wer sie ist, wo sie herkommt, warum sie überhaupt noch am Leben ist. Gleichzeitig richtet sich aber auch der Fokus von der eigentlich interessanten Beziehung zwischen dem Mädchen und den Roboter, der ihn groß gezogen ist. Was wiederum dazu führt, dass man sich nun mehr auf die Action konzentriert, nämlich der Kampf zwischen Roboter und Mensch. Natürlich artet das Ganze , wie es scheint und der Konflikt zwischen Roboter und Mensch im Mittelpunkt. 

courtesy of Sundance Institute

Ein Szenario welches man ehrlicherweise schon zu oft durchgespielt hat, als das es irgendjemanden noch überraschen könnte. Und wenn die Handlung dann noch den Weg aus dem unterirdischen Bunker, hinaus ins freie findet und man den Zuschauer unzählige pseudo-philosophische Phrasen an den Kopf wirft, dann passiert genau das, was man hätte vermeiden können. Man entmystifiziert, sozusagen nimmt der Ausgangssituation den Reiz des einzig noch verbliebenen unbekannten Elements der Story und wenn man dazu noch zu wenig Budget hat, um das Ganze anschaulich zu gestalten, verkommt es irgendwo zwischen Asylum und bekannten Trash Filmen.

Der Film verflüchtigt sich in der Action und wird generisch letzten Endes und austauschbar. Es gehört schon viel dazu, einen interessanten Ansatz, den vorher vergleichsweise „Ex Machina“ so wunderschön verfolgt hat, mit beiden Händen wegzuwerfen und sich der Masse anzubiedern. Wieso musste man unbedingt die Außenwelt zeigen? Dadurch zerstört man das Mysterium, was relativ schade ist, denn trotz der dritten Person war der Film durch sein Kammerspiel immernoch spannend anzusehen und einige Passagen sogar ziemlich interessant dargestellt.

courtesy of Sundance Institute

Lobenswert ist dennoch, die Fotografie, die Kamera, die visuellen Effekte, in Gestalt des Roboters innerhalb des Bunkers, die wahrlich auf einem sehr hohen Stand sind. Dem gegenüber steht jedoch der Fakt, dass man das klaustrophobische Gefühl, das man halt keine Freiheit in dem Sinne hat und es nur diesen Bunker gibt auf simple Weise zerstört hat. Anfangs konnte sich das Mädchen nur dann frei fühlen, wenn der Roboter sich nachts abschaltet und ihr alle Sektionen des Bunkers zur Verfügung stehen. Jedoch gegen Ende wendet sich das Blatt und plötzlich stehen ihr alle Möglichkeiten offen, die Zukunft nach ihren Vorstellungen zu gestalten. 

P.S.: Wer sich selbst vom Film überzeugen will, kann das demnächst auf Netflix tun. Der Streamingdienst hat sich dafür die Rechte gesichert.

Über Marcel 531 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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