Kurz notiert: Einer nach dem anderen Vs. Hard Powder

Ein Mann, zwei Filme, derselbe Inhalt, ein Unterschied

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Einer nach dem anderen

(Dänemark/Norwegen/Schweden 2014, Regie: Hans Petter Moland)

Mit dem Film „Einer nach dem anderen“, kam im Jahre 2014 ein Thriller aus norwegischen Landen auf den Markt, den man in der heutigen Zelluloid-Landschaft nur noch selten zu Gesicht bekommt. Mit einem gehörigen schwarzen humoristischen Unterton versehen wirkt dieser Beitrag gleichzeitig sehr brutal, aber auch wunderbar ironisch in seiner Gesamtheit. Wir folgen in diesem Streifen dem Familienvater, und Schneeschieber, Nils Dickman der in seinem Heimatort erst kürzlich zum „Bürger des Jahres“ gewählt wurde. Doch alles ändert sich als sein Sohn plötzlich mit einer Überdosis Drogen im Blut, tot aufgefunden wird. Doch der schwedische Dorfliebling glaubt nicht an einen Unfall, und stellt daraufhin Nachforschungen an, die ihn direkt in ein Drogenkartell führen. Mit eiserner Hand sorgt Nils für eiskalte Rache, und dafür das jeder der für den Mord seines Sohnes verantwortlich ist, eine Reise ohne Wiederkehr spendiert bekommt.

Optisch und inhaltlich haben wir hier einen Film spendiert bekommen, der dem geneigten Thriller-Fan, keine Wünsche verborgen hält. Angefangen von der beklemmenden Atmosphäre durch die abgeschiedene Wintereinöde, bis hin zur schauspielerischen charismatischen Performance der Hauptdarsteller. Hier stimmt wirklich alles was man in knapp zwei Stunden in einen Film verpacken und in Szene setzen kann, ohne das eine langweilige Durststrecke auf den Zuschauer wartet. Bei dem ganzen Geschehen geht der Streifen dabei nicht gerade zimperlich zur Sache, was den ein oder anderen derben Effekt zur Folge hat. Eingeschlagene Zähne, und blutige Schusswechsel färben ganz schnell den weißen Schnee zu einem blutigen Bergfest. Die Besetzung besteht dabei aus bekannten Gesichtern, wie den neulich leider erst verstorbenen Bruno Ganz, der hier abermals zeigt warum er einer der besten Mimen Europas ist. Stellan Skasgard liefert ebenfalls eine hervorragende Leistung ab, weil er seinem Charakter die nötige Balance zwischen böswilligem Rache Engel und trauerndem Familienvater bestens einverleibt.

Bis zum bitteren Ende bleibt der Film ein einziges düsteres Gesamtpaket, dass unübertroffen zeigt was das Medium Film außerhalb Hollywoods alles zu bieten hat. Hier wurde ein treibendes, schwarzhumorisches Rachedrama auf die Beine gestellt, dass von Anfang bis zum Ende fesselt, und seinen Zuschauer nicht mehr loslässt. Wenn so die Zukunft des Films aussehen würde, hätten wir als Filmliebhaber alle einen Lichtblick am dunklen Mainstreamhimmel.

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Hard Powder

(Großbritannien/Norwegen/USA 2019, Regie: Hans Petter Moland)

Warum macht der Mann der 2014 einen Überraschungserfolg gehabt hatte, von seinem Werk eine amerikanische Variante dieses Stoffes? Mit einem der besten Thriller der letzten Jahre konnte „Einer nach dem anderen“ nicht nur bei der Fachpresse, sondern auch bei mir persönlich mehr als nur Boden gut machen. Doch warum muss man seinem wirklich hervorragenden Werk, so eine filmische Denunzierung zufügen. Ohne handwerkliche Abweichungen des Grundgerüstes, oder einer variablen Zufuhr von schauspielerischer Raffinesse, macht dieser Film alles falsch was das Original noch richtig gemacht hat.

Zu der Story müssen nicht viele Worte verloren werden, weil sie bereits durch den oben besprochenen Streifen mehr als eindeutig sein sollte. Denn eins zu eins dieselbe Handlung, und ihren Verlauf, haben wir in diesem Werk zu verzeichnen, ohne auch nur den geringsten Sinn für kreative Variation. Die Klasse des atmosphärischen Teils wirkt anders wie beim Original-Stoff plump, unspannend und belanglos. Die schauspielerische Leistung wirkt dabei derartig überzogen und authentisch unausbalanciert, so das der Zuschauer zu keiner Zeit weiß, ob er nun lachen oder Ernsthaftigkeit empfinden soll. Liam Neeson gibt schauspielerisch hierbei eine durchwachsene Leistung zum Besten, die ebenfalls unterstreicht warum „The Commuter“ der letzte Actionfilm seiner Laufbahn sein sollte. Jetzt ist wirklich der Zeitpunkt erreicht, wo er aber endgültig seine Actionkarriere an den Nagel hängen sollte, weil er sich langsam zu sehr in dieser Rolle verliert.

Gewalttechnisch haben wir ebenfalls eine abgespeckte Variante des norwegischen Werkes, so das sämtliche Gewaltspitzen zwar etwas anders wirken, aber leider auch deutlich entschärfter. Blut spritzt zwar, aber nur in abgeschwächterer Form. Dadurch wirken auch sämtliche Szenen im Vergleich eher harmlos, und weniger zähneknirschend als noch vor fünf Jahren.

Zum Ende stehen nur zu zwei Fragen im Raum? Warum kopiert Hollywood so dreist von einem kleinen unbekannten aber sehr kreativ anderem Thriller-Stoff, nur um zu zeigen wie verdammt überflüssig man einen wirklich guten Film in den Äther blasen kann? Und warum zum Teufel lässt sich ein so toller Regisseur wie Hans Petter Moland dazu herab für ein bisschen mehr Aufmerksamkeit, sein hervorragendes Werk so zu verschandeln?

Das sind Fragen, auf die wir hoffentlich nie eine Antwort bekommen.

Über Johnny Darko 77 Artikel
Hallo ich bin Johnny, ich bin der Mann für den "Ausnahmesektor: Horror", in allen individuellen Variationen die das Genre für einen bereitstellt. Von atmosphärisch bis unerträglich, oder auch mal von unheimlich bis zur übertrieben Splatter-Orgie. Aber nicht nur Horror steht für mich auf dem Speiseplan der Filmlandschaft. Auch Action- oder Liebesfilme stehen auf der Speisekarte, die ebenfalls auch mal mit einigen Exoten des Filmthemas gewürzt sein kann. Deswegen lade ich euch ein einmal in meine Kritiken hinein zu tauchen, und vielleicht auch mal den ein oder anderen Geheimtipp zu entdecken. Alles Liebe euer Johnny.

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