Drei Perspektiven: Captain Marvel

Marvels weibliche Antwort auf Wonder Woman

© 2019 Walt Disney Pictures

Das „Marvel Cinematic Universe“ ist bereits auf seinem Höhepunkt angekommen. Mit dem dritten Avengers-Film „Infinity War“ wurde der Auftakt für das große Finale gesetzt, dass Presse und Comic-Fans sehnlichst erwartet haben. Dabei werden im Zuge des vierten Avengers-Film, der Ende April in die Lichtspielhäuser kommt, sämtliche charakteristische Register gezogen, wenn es um die Etablierung der letzten Überlebenden geht, die dem Titanen Thanos ein letztes mal gegenüber treten. Zu diesen Charakteren gehört auch unsere Titel gebende „Captain Marvel“, die bereits in der Post-Credit-Szene des „Infinity War“ angedeutet wurde, weil sie für Nick Fury die letzte Hoffnung der Menschheit ist. Angesichts des Erfolges von DCs „Wonder Woman“ musste Marvel natürlich mit einer weiblichen Heldin nachlegen, um ebenfalls einen Film vorweisen zu können der das emanzipierte Bild der Frau, begünstigend zur Schau stellt.

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Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Marvel seine Superheldin in ihren ersten Soloauftritt schickt, um wieder einmal die Menschheit zu retten. Deswegen besprechen wir heute zu zweit den mittlerweile einundzwanzigsten Film aus dem MCU, und wollen herausfinden ob Hauptdarstellerin Brie Larson das Zeug dazu hat, in den letzten Kampf gegen Thanos zu ziehen. Die Chancen stehen auf Sturm, aber die gesamte Geek-Pool Redaktion steht hinter ihrer Heldin, und wird versuchen das sich „Captain Marvel“ nicht hinter ihren Kollegen zu verstecken brauch. Und wer weiß, vielleicht wartet ja auch eine kleine Überraschung wie es uns unbekannte Helden wie die „Guardians of the Galaxy“ oder auch „Doctor Strange“ bereits vorgemacht haben. Oder werden wir zum ersten mal in einer einundzwanzig Filme umfassenden Reihe erleben, wie eine Superheldin von der Kinokasse abgelehnt wird?

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Kritik (Marcel):

Wenn man von Captain Marvel im Zusammenhang mit dem MCU spricht, dann meistens darüber, wie sie Thanos zur Strecke bringt und den Avengers zum Sieg verhilft. Dies war auch der Hauptgrund sich diesen Film anzusehen, um die Brücke zwischen dem und dem folgenden „Avengers: Endgame“ zu schlagen. Und soviel kann man sagen, für ein Appetithäppchen macht der Film schon einiges her, auch lernt man eine völlig andere Seite vom sonst so selbstsicheren Anführer von S.H.I.E.LD. kennen, was den Film weitaus interessanter macht, als man im Vorfeld gedacht

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Und egal wie man nun zu Brie Larson steht, für das was Captain Marvel verkörpern soll, macht sie ihren Job echt gut. Jedoch muss man sagen, trotz dem recht ungewöhnlichen Einstieg, ist und bleibt der Film eine Originstory. Das Problem hierbei allerdings ist, das bis auf die anfängliche Amnesie und Unsicherheit, Captain Marvel keine nennenswerte Schwachpunkte hat. So kann man sich ab der Hälfte ausmalen, wie der Film ausgeht. Denn so stark ihre Gegner auch augenscheinlich sein mögen, nachdem sie ihre volle Kraft entfaltet, sind die lediglich Schießbudenfiguren. Eine richtige Charakterentwicklung ist bei ihr auch nicht erkennbar. Dafür aber bei Nick Fury, der sich hier zum ersten Mal mit etwas konfrontiert sieht, was er später ohne mit der Wimper zu zucken meistert. Sam Jackson schafft es sehr gut dem Zuschauer verstehen zu geben, wie lange doch Fury braucht, um sich mit der Tatsache abzufinden, dass es außer den Menschen noch andere, viel mächtigere und gefährlichere Spezien gibt.

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Und auch in dem Punkt der Nebencharaktere weiß Captain Marvel zu gefallen, gerade was die Performance von Ben Medelsohns augenscheinlichen Antagonisten betrifft und auch einigen Twists, die man so hat nicht kommen sehen. Aber bis auf diese genannten Punkte fühlt sich der Film doch eher wie Dienst nach Vorschrift an. Auch erkennt man keine markante Handschrift der Regisseure wie einst bei Black Panther von Ryan Googler. Vom Soundtrack und den Effekten ganz zu schweigen. Es fühlt sich so an, als würde Marvel einfach auf altbekannte Muster zurückgreifen.

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Kritik (Timo):

Sie stürzt ab, landet unsanft in einer Videothek, verwüstet Video Buster. Doch Captain Marvel (ungezwungen und freiheraus: Brie Larson) rappelt sich wieder auf – und betrachtet ungläubig eine analoge Vergangenheit. Videokassetten und Actionfilme, Arnie neben Sean Connery. Ist diese Szene gewollt sinnbildlich oder ein unbedarfter Gag? Sie berührt immerhin das Gegenwartsklima: Die Zeiten des Helden aus Fleisch, Blut und Greifbarkeit sind vorbei, zerschossen. Die Ikone hat sich überlebt. Die Zeiten des Memes brachen an. Ihre Zeiten (schneller Downloads). Aber ein bisschen Hals-über-Kopf-Abenteuer ist geblieben. Die inszenatorische Ausgewogenheit von Anna Boden und Ryan Fleck verwandelt „Captain Marvel“ zu einem lockeren Dinner, am Tisch: Samuel L. Jackson (in jung), Ben Mendelsohn (süffisant) und eine Katze (süß). Eine Katze! Das flotte, aber keineswegs zu gehetzte Tempo löst in „Captain Marvel“ langgehegte Wünsche ein – die gewöhnlichen Kinderkrankheiten des Franchise (Wertetheatralik, hypochondrische Schnitte, blasse Bösewichte) kompensieren Boden und Fleck (größtenteils) mit einem rustikalen Retrocharme, der nicht abgeklärt wirkt, sondern sich zwischen den anstrengend dramatisierten Eventhappenings der Avengers postiert. Ein Appetitanreger. Als solcher dreht „Captain Marvel“ das Marvel-Karussell weiter – ausgerechnet im Rahmen eines weiblichen Blockbuster-Experimentierfeldes, das seine emanzipatorische Prämisse allerdings nicht zum antiemanzipatorischen Abschuss freigibt. Den Männern geht es ohne ihr Einschreiten tatsächlich (ironisch) an den Kragen.

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Kritik (Johnny):

Wenn wir über das Marvel Universum reden, unterhalten wir uns über eine Filmreihe die besonders auf große effektvolle Bilder, und eine Checkliste setzt, die Schritt für Schritt abgearbeitet wird. „Captain Marvel“ macht hierbei keine Ausnahme, auch wenn er durchaus etwas atmosphärisch, sowie inhaltlich anders macht als die üblichen Filme dieser Reihe. Die Handlung ist hierbei in den 90er Jahren angesiedelt, wo die Kriegrin Verse auf unserem Planeten landet. Sie hat ihr Gedächtnis verloren, dass ein Geheimnis beinhaltet, welches für die Existenz einer ganzen Rasse verantwortlich ist. Doch dieses Wissen wollen nicht nur gute Persönlichkeiten in die Finger bekommen.

Der Science-Fiction-Look der zwar auch in „Guardians of the Galaxy“ zum tragen gekommen ist, hat in diesem Werk mehr Vordergrund bei der ausführenden Bildsprache bekommen. Die Charakterzeichnung, die ihre Protagonisten etabliert, ist dabei ebenfalls ein Pluspunkt der hervorzuheben ist. Da haben wir zum Beispiel die Charakterrolle des Nick Fury, die ihre ganz persönliche Vorgeschichte spendiert bekommt. Samuel L. Jackson spielt hier den durch Computertechnik verjüngten S.H.I.E.L.D-Agenten, der durch die Hauptprotagonistin eine Reise erlebt, die er schauspielerisch im oberen Durchschnitt ansiedelt.

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Neben ihm agiert Brie Larson als Titelgebende Heldin, die ihre Sache leider sehr austauschbar auf den Zuschauer abfeuert. Sie wirkt wie eine künstliche, ersetzbare Persönlichkeit, deren genaue kräftemäßige Definition im gesamten Film nur schwammig beleuchtet wird. Außerdem ist ihre gesamte Ausstrahlung nur ein Gesicht, dass wenig an Wiedererkennungswert besitzt, so wie auch ihre charakterliche Relevanz selbst. Denn diese ist eher wie eine Etablierung für das große Ganze gedacht, wodurch ihr die Eigenständigkeit abgenommen wird. Sie ist lediglich die mächtigste Heldin die Thanos noch gegenübertreten kann, was aber auch der einzige Beweggrund ist um sie überhaupt in dieses Universum einzuführen. Ansonsten besitzt der Charakter weder einen Hintergrund, noch einen Beweggrund, einen eignen Film auf seinen Schultern zu tragen. Darüber hinaus ist die übrige schauspielerische Leistung eher durchschnittliche Standartkost, die zu Genüge aus den anderen Marvel-Filmen bekannt sein dürfte.

Der atmosphärische Teil des Films ist überwiegend Bunt, farbenfreudig, und Neonlastig geraten, was auf den hohen Science-Fiction-Anteil des Streifens zurückzuführen ist. Viele Kulissen zeigen die futuristische Welt in der Brie Larsons Charakter lebt, bis es auf die Erde der 90er Jahre geht, wo versucht wurde dieses Jahrzehnt durch gimmickhafte Versatzstücke zum Leben zu erwecken. Das gelingt bedingt, da es nur Gegenstände oder einige textilische Aufzüge sind durch die der Zuschauer auf die zeitliche Spanne lediglich schließen kann. Ansonsten haben wir eine Superheldenatmosphäre die ebenfalls jedem Zuschauer zusagen dürfte, der mit diesem Filmuniversum vertraut ist.

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Besondere Erwähnung verdient das Finale des Streifens, dass im Vergleich zu seinen Vorbildern überraschend inszeniert wurde. Hier wird die komplette Kraft von Captain Marvel mit einem demonstrativen Faustschlag zu einem Moment verpackt, der erfrischend anders auf den geneigten Zuschauer wirken könnte. Da hier von der üblichen Formel etwas Abstand genommen wurde, haben wir auch effekttechnisch einen großen Auftritt zu verzeichnen. Denn im übrigen Verlauf des Films machen diese nicht unbedingt neuen Boden gut. Die Zweikämpfe wirken sehr hektisch und unübersichtlich geschnitten, was dem Zuschauer schnell zu dem Gefühl verleiten könnte nicht richtig aufgepasst zu haben. Außerdem sind diese Actionmomente, im Vergleich zu anderen Marvel-Filmen recht übersichtlich gehalten, was ab der Mitte des Streifens zu einer kleinen Flaute führt, die nicht nur im handlungstechnischen Verlauf etwas an Luft verliert. Denn der Handlungsverlauf wirkt oft erzwungen, bis hin zur Überflüssigkeit. Dadurch hat der Zuschauer häufiger das Gefühl sich von Actionszene zu Actionszene zu hangeln, als sich wirklich auf die eigentliche Geschichte zu konzentrieren, die dennoch gegen Ende mit einigen Wendungen aufwartet, die im Vorfeld nicht vorhersehbar waren.

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Das gemeinsame letzte Wort:

Marcel:

Glücklicherweise ist Captain Marvel nicht die erwartete Enttäuschung, sticht aber auch nicht aus dem MCU Canon heraus. Jedoch die Chemie zwischen Jacksons Nick Fury und Larsons Carol Danvers funktioniert so gut, dass der Film zu keiner Sekunde langatmig wird und die Handlung rasch vorangetrieben wird. Einige eingeführte Charaktere hätte man sich allerdings sparen können, da die eh nur als besseres Kanonenfutter dienen. Ganz zu schweigen von dem Antagonistenproblem, dass Marvel auch in diesem Film nicht auf die Reihe bekommt.

Und es hätte nicht geschadet, Jude Laws Charaktere mehr Tiefe zu verleihen beziehungsweise ihn facettenreicher in Szene zu setzen. Und es ist schon sehr bezeichnend, dass der beste Charakter des Films ausgerechnet eine Katze ist, die es echt in sich hat. Um die Vorfreude auf den bevorstehenden Endgame zu schüren, reicht der Film allemal. Und im Gegensatz zu manch anderen Filmen, weiß er auch die Schlagfertigkeit von Larson, die sich von nichts und niemanden was sagen lässt, eindrucksvoll in Szene zu setzen. Leider wird er trotz alledem nur als Puzzelteil in die Geschichte des MCU eingehen, dass die Brücke zum eigentlichen Höhepunkt schlägt.

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Johnny:

Was macht „Captain Marvel“ zu einem anderen Streifen dieses Universums? Auf jedenfall ist er der losgelösteste Film dieses Filmuniversums, den man auch ohne viele Vorkenntnisse bedenkenlos sichten kann, mal abgesehen von den Post-Credit Szenen. Mit knapp zwei Stunden ist er ebenfalls recht dynamisch, und humorvoll ausgefallen, was ebenfalls auf der Haben Seite dieses Beitrags steht.

Aber es ist auch ein Gefühl das den Fan erreicht, während er den Film sichtet. Besonders auch weil dem verstorbenen Stan Lee mit diesem Werk eine große Aufmerksamkeit geschenkt wird, die wirklich für berührende Erinnerungen sorgen dürfte. Durch die unbekannte Figur entsteht außerdem ein größeres Verlangen von Interesse, das sich durch den Handlungsverlauf zu einem Puzzelstück entwickelt, dass essenziell für den Fortbestand des großen Finales von primärer Wichtigkeit wird. Doch es ist die überwiegende Unbekanntheit des Charakters, welche den Zuschauer ungebremst ins Kino locken wird. Wenn man über die bekannten Marvel-Krankheiten, und dem austauschbaren Faktor der Hauptcharakterin hinwegsieht, bekommt man einen durchschnittlichen, fehlerhaften, aber auch interessanten Beitrag geboten, der zu einem der besten in diesem Universum zählen dürfte.

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Über Johnny Darko 77 Artikel
Hallo ich bin Johnny, ich bin der Mann für den "Ausnahmesektor: Horror", in allen individuellen Variationen die das Genre für einen bereitstellt. Von atmosphärisch bis unerträglich, oder auch mal von unheimlich bis zur übertrieben Splatter-Orgie. Aber nicht nur Horror steht für mich auf dem Speiseplan der Filmlandschaft. Auch Action- oder Liebesfilme stehen auf der Speisekarte, die ebenfalls auch mal mit einigen Exoten des Filmthemas gewürzt sein kann. Deswegen lade ich euch ein einmal in meine Kritiken hinein zu tauchen, und vielleicht auch mal den ein oder anderen Geheimtipp zu entdecken. Alles Liebe euer Johnny.

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