Filmkritik: Pokémon Meisterdetektiv Pikachu

Verschwörung auf höchster Ebene statt Gotta catch them all

copyright by Warner Bros. Germany

21 Jahre nun haben Pikachu, Bisasam, Glurak und Co. auf dem Buckel und sind noch immer aktueller den je. Ein Geniestreich, den das Franchise nicht nur im Gamingbereich, sondern auch mit Anime, Kartenspiel und sehr viel Merchandise geschafft hat. Nun endlich bekommt das Franchise auch mit „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ seinen eigenen Blockbuster. Doch statt mit Ash, Misty und Rocko auf Reisen zu gehen, finden wir uns hier im gleichnamigen Spieleableger von 2018 wieder- mit Tim Goodman und seinem sprechenden Pikachu als Partner, die in Ryme City Verbrechen aufklären. Das Spiel ist, einfach gesagt, Pokémon im Stil von Agatha Christie, Sir Arthur Conan Doyle oder anderen berühmten Krimiautoren. Es ist sehr spielerisch aufgebaut, allerdings sind die berühmten Pokemon Kämpfe hier eher Nebensache. So weit so gut, vom Konzept her passt diese Geschichte auch filmisch gesehen -her besser als die ewig langen Reisen mit Jungbrunnen Ash, dennoch sollte man dann auch wenigstens die Quintessenz des Spiels einfangen, was auf „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ dummerweise nicht so ganz zutrifft.

Ohne Frage ist der Film optisch gesehen, also bezogen auf das Design der Pokémon, ein wahrer Augenschmaus. Hier hat Ubisoft-Konzeptartist RJ Palmer wirklich ganze Arbeit geleistet. Nur alles drum herum, sei es das zu simpel gestrickte Drehbuch oder die in grelles Neonlicht getauchte Stadt Ryme City, die an Blade Runner erinnert, macht den Anschein als wäre der Regisseur Rob Letterman eher daran interessiert, seine eigene Sicht auf die Pokémon auf die Leinwand zu zaubern, anstatt sich mehr auf die Materie an sich zu konzentrieren. So hat man hier massig Filmeinflüsse von klassischem Film Noir bis, wie erwähnt „Blade Runner“ und allgemein zig anderen Kultfilmen.

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Das ist im Prinzip gar nicht mal so verkehrt, entspricht halt nur nicht so ganz so dem, was man von Pokemon normalerweise gewohnt ist. Vergleichsweise dazu sind die ganzen im Film versteckten Eastereggs für Fans, wie die Statuen von Palkia und Dialga, die Pokémon-Arena auf dem großen Bildschirm und das erste Mal, wo Tim versucht ein Pokémon zu fangen, tausendmal interessanter als die eigentliche Handlung. Auch wirken die titelgegebenen Pokémon abgesehen von Pikachu, Mewtu und Enton eher wie Statisten, die mal durchs Bild laufen dürfen. Klar ist es schön, Glurak, Schiggy, Glumanda, Arkani, Snubbull und Co. in voller Pracht auf der großen Leinwand zu sehen, nur zu welchem Zweck? Was tragen diese Massen an Cameos zur Story bei?

Es beschleicht einen halt größtenteils das Gefühl, als hätte man lediglich an der Oberfläche gekratzt, was relativ schade ist, da man sich sehr große Mühe gegeben hat, mit dem Film eine gelungene Videospielverfilmung zu präsentieren und der immense Aufwand wirklich in jeder Szene zu spüren ist, nur halt im Drehbuch nicht.

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Hier bekommt man dann doch nur eine zig mal gesehene Story mit einem Bösewicht, Helden wider Willen und einer großen Verschwörung präsentiert, wie man sie schon hundertfach gesehen hat. Wenig originell und selbst für den Durchschnittskinogänger absolut vorhersehbar. So weiß man von Anfang an, wer welches Spiel treibt, was sein Plan ist und wie sich das spurlose Verschwinden von Harrys Vater erklärt. Der Charme des Spiels, das mehr mit den „Drei Fragezeichen“ gemein hat als dem klassischem Kanon kommt hierbei zu keiner Sekunde auf, was relativ schade ist, weil das neben dem, dass Pikachu hier zum ersten Mal wie ein Mensch spricht, den Reiz des Spiels ausgemacht hat.

Allerdings muss man dem Film lassen, dass Pikachu perfekt in Szene gesetzt wurde. Ryan Reynolds Deadpool-Charme übeträgt sich hier hervorragend auf das kleine, gelbe Elektro-Pokémon mit der unbändigen Koffeinsucht.

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Letzten Endes ist „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ zwar als Videospielverfilmung gelungen, man sollte jedoch selbst als Fan der Reihe die Schwächen des Drehbuchs und der zu simpel gestrickten Handlung nicht außer Acht lassen. Wer aber darüber hinweg sehen kann und sich lieber auf den Liveauftritt seiner Lieblingshelden konzentriert, ist hier an der richtigen Adresse. Und eines muss man dem Film lassen: Nach dem Schauen hat man umso mehr Lust, seinen Gameboy Color oder DS aus dem Schrank zu holen und sich auf die Jagd nach Pokémon zu begeben. Und wer weiß, welche Abenteuer uns noch in Zukunft erwarten…

Über Marcel 536 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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