John Wick: Chapter 3- Parabellum

Das Karussell dreht sich weiter-
heute, am 23.05. erscheint der dritte Teil um den Auftragskiller John Wick (Keanu Reeves), der sich eigtl. mal zur Ruhe setzen wollte, dann aber wegen der Liebe zu seiner Frau und einem Hund doch wieder mordet und jetzt auf einmal vom gesamten New Yorker Untergrund gejagt wird.

John Wick Parabellum führt in gewohnt düsterer Hochglanz- Ästhetik, konsequent die ersten beiden Teile weiter. Zentrales Anliegen des Films ist auch diese mal wieder die Hervorhebung des Teufelskreises aus Schuld, deren Begleichung und die daraus entstehenden Konsequenzen in einem streng reglementierten System ohne Ausweg.
Die gewohnt flache Dramaturgie und die oftmals eindimensionale und stereotypische Charakterzeichnung einiger Nebenfiguren fällt nicht ins Gewicht, wiegt man dies gegen die perfekt inszenierte Kampfszenen die quer durch die New Yorker Unterwelt (und später auch durch die Unterwelt von Casablanca) führen, die düstere Hochglanz-Ästhetik eines neo-Noir Films und den wieder einmal herausragenden Hauptdarsteller auf.

© Concorde

Was bisher geschah:
John Wick, ein ehemals vielseits gefürchteter Auftragskiller des New Yorker Untergrunds hat sich zur Ruhe gesetzt, nachdem er sich in eine Frau verliebt hat. Jetzt ist seine Frau tot, vererbt hat sie ihm einen Hund mit Namen Daisy, „damit er mit seinem Verlust fertigwerden und wieder etwas lieben kann.“ Eines Tages wird John, nachts in seiner Wohnung überfallen von Iosef Tarasov (Alfie Allen), dem Sohn von Johns ehemaligen Gangsterboss, der sich Johns Ford Mustang unter den Nagel reißen will. Dabei tötet Iosef Johns Hund Daisy und verschwindet. John schwört daraufhin Rache und löst mit seiner berüchtigten Ein-Mann-Vergeltungsaktion das komplette Tarasov-Syndikat auf, tötet Iosef, schließlich auch Iosefs Vater, Viggo Tarasov (Mikael Nyquist) und kehrt in seinen Ruhestand zurück.Doch die Wiederkehr John Wicks bleibt nicht ganz unbemerkt und sein Ruhestand hält nur kurz an.

Der zweite Teil beginnt damit, dass Santino (Riccardo Scamarcio), ein ehemaliger Arbeitskollege Johns, der ihm dessen Austritt aus der Unterwelt möglich machte, die Begleichung von Johns Schulden verlangt. John soll daraufhin Santinos Schwester Claudia zu töten. Doch nach ihrem Tod setzt Santino statt ihm zu danken, ein Kopfgeld auf John Wick auf. Nach zahlreichen Kopf-, Bein- oder Brustschüssen, Genickbrüchen oder anderen Kampfhandlungen die die zahlreichen Klein- oder Großkriminellen New Yorks weniger zärtlich in die Schranken weisen, verfolgt John Wick Santino bis ins Continental-Hotel und erschießt ihn dort. Das stellt sich jedoch als problematisch heraus, denn das Hotel besitzt in Gangsterkreisen Immunität, d.h. dort dürfen laut der „hohen Kammer“ (dem höchsten Organ der organisierten Kriminalität) keine „Geschäfte“ gemacht werden. Aufgrund dieses Regelverstoßes verliert John daraufhin sämtliche Privilegien und Zugänge zu den Unterwelt-Ressourcen. John wird exkommuniziert. Auf seinen Kopf werden 14 Mio US$ erhält vom Manager Winston (Ian Mc Shane) im Tausch für eine Schuldmünze und gegen die Interessen der „Hohen Kammer“ jedoch eine zusätzliche Stunde Zeit um zu flüchten.

John Wick III setzt genau am Ende des zweiten Teils an. Wir sehen wie John mit seinem Hund, nach der erteilten Frist von einer Stunde und vor der drohenden Exkommunikation, durch den Regen flüchtet. In der ersten Stunde des Films werden wir zudem Zeuge wie John Wick kunstvoll, mit viel Geschick, manchmal auch nur mit purer Gewalt an vielen verschiedenen Kampfschauplätzen seine Kontrahenten (freundlich ausgedrückt) kampfunfähig macht. Ob in einer Bibliothek (in der uns vor Augen geführt wird, wie sich Bücher sonst noch nutzen lassen, außer in ihnen zu lesen), im Waffenmuseum, über einen Pferdestall bis hin zur abgesperrten Autobahn- die Welt ist ein einziger Kampfplatz. Hier zeigen sich wieder einmal die Wurzeln des Regisseurs Chad Stahelsky. Dieser war zunächst Stuntmann für Keanu Reeves in Matrix und inszeniert nun in seinem dritten Film noch einmal mehr die Ästhetik des Kampfes an sich.

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Der Kampf wird als Spiel betrachtet und inszeniert, eingebettet in eine perfekte Choreografie, die immer flüssig aber eben auch genau einstudiert vorbereitet wirkt. Ein Kampf als Spiel, das klar, vorgeschriebenen Regeln folgt. Neben den Kampfhandlungen wird aber auch noch eine parallele Handlung angeführt, die die Regelhaftigkeit des Systems als  wichtigstes Element etabliert. Eine „Richterin“ (Asia Kate Dillon) der hohen Kammer untersucht die Regelverstöße von John im Continental und zieht den Manager Winston sowie den „Bowery King“ den König der Unterwelt (Laurence Fishburn), der durch sein Netz aus Obdachlosen zum „Meister der Flüsterer“ des Untergrunds wurde- für die Unterstützung Johns, zur Rechenschafft.

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Der Untergrund wird hier nochmal mehr  als geregeltes System dargestellt, das wie auch in der Nicht-kriminellen Außenwelt bestimmten Regeln unterworfen ist- sehr strengen Regeln die von einer bestimmten Institution der hohen Kammer ausgehen. Diese fungiert ähnlich streng wie die weltliche Gerichtsbarkeit, nur mit anderen Grenzen. „Geschäfte“ also der Auftragsmord als solcher ist berechtigt, nur eben bitte in gemäßigten Rahmen, der eben gänzlich allein von der hohen Kammer verifiziert wird.
Doch wer verifiziert/ falsifiziert diese Regeln? Wer kontrolliert die Kammer?

Es gibt im John Wick- Universum keine Polizei. Der Untergrund regelt die Probleme von allein, bzw. ist eben genauso strukturiert wie die „normale“ Welt. So existiert eine Exekutive, Legislative und Judikative- nur und das ist das Problem: alle zusammen vereint in der „hohen Kammer.“ Sie geben die Gesetze, können diese auch zu ihren Gunsten verändern- sprechen Recht und Unrecht nach diesen Gesetzen und sorgen auch selbst dafür, dass die dann gesprochenen Urteile auch vollstreckt werden. Die Kammer fungiert also als diktatorisches Regime. Das wird auch von einigen Figuren kritisiert, jedoch nur aus dem Grund, dass sie dem System eben nicht ihre eigenen Regeln aufzwingen können. Früher oder später werden sie, wie beispielsweise Sophia (Halle Barry) eine ehemalige Freundin Johns, oder die Direktoren der „Ruska Roma“ (Anjelica Houston) selbst Teil der Hohen Kammer und sind an ihre Weisungen gebunden. Die Zentrale der Hohen Kammer, in welcher die Einstufungen der Killer durchgeführt werden, erinnert dabei an Abhörzentralen des Kalten Krieges. Ohne Internet dafür mit Wählscheiben-Telefonen und Röhren-Bildschirmen und Lautsprecherdurchsagen behält die Hohe Kammer dabei sekundengenau den Überblick über die Unterwelt. Wer braucht da schon Big Data?

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Viele Motive aus den vorhergehenden Filmen werden wiederholt, bzw. nachgeahmt. Versprechen, Schuld, Konsequenz zieht sich wieder als vorherrschendes Thema durch den zweistündigen Action-Thriller. Und wieder entzündet sich nach dem Schuss auf einen Hund, ein Massaker an einem Gangstersyndikat.
Der Hund steht dabei wie auch bei John, als der wichtigste Besitz, vmtl. auch als der einzig richtige Besitz und als das einzige Lebewesen worauf man/frau sich noch verlassen kann, das komplett außerhalb von Schuldmünzen oder organisierter Kriminalität liegt. Der Hund ist vmtl. das einzige was John Wick auf sich selbst zurückwirft, was ihn als Individuum identifiziert, welches er in den Gangsterkreisen eben nicht ist. Denn dort wird er immer nur als Babayaga (schwarzer Mann) bezeichnet und als Maschine instrumentalisiert.
John Wick ähnelt vllt. James Bond– ist aber eine komplett ent-sexualisierte und spaßbefreite Variante dessen. Liebe, Lust, Sex gibt es gar nicht- das einzige was zählt ist der Kampf und das Bestehen im System. Humor kommt sehr selten bis gar nicht vor- die düstere Stimmung wird wieder Mals von der sehr kühlen Farbgebung unterstrichen die vorkommenden Frauen sind keinesfalls Lustobjekte, sondern alle ebenfalls nur an Kampf und den Regeln im System interessiert.

Die Figur John Wick wirkt viel mehr als Metapher, denn als reale Person. Er erinnert in seiner Unverwundbarkeit an Michael Meyers aus den Halloween-Filmen, der scheinbar stirbt aber jedes Jahr einfach wiederkommt. Erst wenn die Mission abgeschlossen/ die Aufgabe erfüllt ist, dann hört John Wick auf, dann kann er sterben oder sich zur Ruhe setzen. So wird er auch von Partei zu Partei weitergegeben und dient zumeist nur der Erfüllung bestimmter Interessen einzelner.

„Pacem servare. Parabellum“– „Um den Frieden zu wahren, bereite den Krieg vor“, sagt Winston im Laufe des Films und greift damit den Titel auf.
Der Krieg ist nicht vorbei und fängt wieder nur von neuen an, Freundschaften werden zu Feindschaften, Schulden werden nicht eingelöst und der Kreislauf beginnt von vorn. Wie lange wohl noch?

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