Preview – Postal 4: No Regerts

Die kontrovers aufgefasste Postal-Reihe bekommt einen weiteren Ableger spendiert. Mit seiner obszönen Gewaltdarstellung, sorgte vor allem der berühmte zweite Teil für hitzige Gemüter. Das Spiel ist bis heute in Deutschland indiziert und in einigen Ländern verboten. Meiner Meinung nach, war dieser Ableger aber nie eine sadistische Menschen-Abschlachtorgie. Vielmehr handelte es sich um eine bitterböse Satire, die den amerikanischen Lebensstil kritisiert. Wird „Postal 4: No Regerts“ nach dem unbeliebten dritten Teil, nun erneut den bekannten schwarzen Humor der Reihe spielerisch übermitteln können? Die Early Access-Fassung gewährt einen ersten Eindruck.

Nach kurzem anspielen der Alpha-Fassung, kommt sofort der Witz des Vorgängers zum Vorschein. Allein das Hauptmenü mit seiner flotten, spaßigen Musik macht Bock auf das Spiel. Der Vorspann versprüht mit seinen einzelnen Comicbildern viel Charme und bietet ebenso eine lustige Ploteinführung.

Mit knackig gewürzten Dialogen zwischen Spielfigur und NPCs, sowie die herrliche Situationskomik während der Aufgaben, überträgt sich der dreckige Humor auch ins Spielgeschehen. Ob ihr nun als Klempner Fäkalien beseitigt, als Gefängniswärter den Türcode 111 eingibt oder Katzen einsammelt, die zu Nahrung verarbeitet werden. Postal 4 kombiniert lustige Ideen mit, im Vergleich zu Teil zwei, komplexeren Missionszielen.

Auf den ersten Blick bekommen Fans mit diesem Vertreter der Reihe eine würdige Fortsetzung spendiert. Nur dann muss man sich wieder vor Augen halten, dass wir schon im Jahr 2019 ankommen sind und das Spielprinzip von damals bereits 16 Jahre auf dem Buckel hat. Ein Sandbox-Game mit Mini-Open-World ist heutzutage nichts Besonderes mehr. Besonders nicht, wenn gleich nach Spielstart eine unsichtbare Wand ans weiterkommen hindert, weil zwei Missionsobjekte eingesammelt werden müssen. Eine mehr als unnötige Designentscheidung, da die Mission einen alternativen Lösungsansatz, auch ohne diese Gegenstände, bietet. Neben der kleinen Freiheitseinschränkung, wirken bestimmte Levelgrenzen, bestehend aus Felsformationen, künstlich und unfertig. Innerhalb der frei begehbaren Stadt hat man zwar dann genug Interaktions- und Erkundunsspielraum, doch ist die KI der Stadtbewohner so unterdurchschnittlich, dass sie oft nur spärlich und manchmal gar nicht auf die Aktionen des Spielers reagieren.

Selbst der zweite Serienteil hat da schon mehr Abwechslung geboten. Das Gefühl einer chaotischen Anarchiegesellschaft kommt in dem neusten Ableger nicht rüber. Viele Gebäude sind in der jetzigen Fassung noch zugemauert. Einzelne Wohnsiedlungen und Einrichtungen versprechen erst einmal genug Abwechslung. Im derzeitigen Zustand wirkt die Umgebung allerdings sehr leer. Zumal die Stadt zu weitläufig  daherkommt und sämtliche Bezirke nicht gut miteinander verbunden sind. Der Scooter als einziger, fahrbarer Untersatz wirkt mit seiner stocksteifen Fahrphysik sehr träge. Eine unterhaltsame Stadtrundfahrt kommt daher ebenso wenig in die Gänge.

Postal 4 tritt beim Spielspaß oft auf die Bremse. Grafisch ist diese Early Access darüber hinaus ein Totalschaden. Glattpoliert matschige Texturen, detailarme Landschaften, Gesichtsanimationen aus dem letzten Jahrzehnt. Straßenverläufe werden manchmal vom Boden verschluckt, auf einem Gebirge kann man hier und da durch die Felswand gucken. Vor dem Kanalisationseingang wurden solch unförmige Grafikmatten zusammengeklatscht, dass ein Zugang nur schwer erkennbar ist. Entwickler „Running with Scissors“ hat noch eine Menge Arbeit vor sich, um aus dem jetzigen Brei ein Spiel zu kreieren, dass der originell witzigen Grundidee gerecht zu wird. Für gerade mal 15 Euro lässt sich diese Satire im Frühstadium erwerben. Aber selbst als Geschenk, wäre das Spiel im jetzigen Zustand noch zu teuer. Eine Demo, die eher zu Testzwecken genutzt werden dürfte.

Über DennisG 8 Artikel
Hallo, ich bin der Dennis und ich mag Kritiken. Eine Kritik sollte meiner Meinung nach in erste Linie ehrlich sein, um sich von der Allgemeinheit abzuheben, damit nicht nur der einfache Massengeschmack zufrieden gestellt wird. Durch den technischen Fortschritt sammelt sich heutzutage eine Masse an Filmen an und der große Anklang richtet sich hauptsichtlich auf Filme mit der teuersten Werbekampagne. Als Hobbykritiker ist es mir darum umso wichtiger mehr als den blinden Werbewahn zu zeigen. Meine Beiträge werden sowohl schriftlich, als auch filmisch präsentiert. Bei Geek-Pool bin ich hauptsächlich als Videoredakteur tätig. Mein primärer Fokus liegt also auf Specials, visuelle Umsetzung von Ideen und Interviews. Neben meiner Filmleidenschaft habe ich auch ein Faible für Gamekultur und es ist mein größtes Interesse dieses junge Medium gesellschaftlich zu fördern.

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