Film Review: Doctor Sleep

Schlaf ein, mein Kind, lang und für immer

© Warner Bros. De

Anmerkung vorab: Der Autor dieses Textes hat die Bücher nicht gelesen, nur die Filme geschaut.

Was ist der Unterschied zwischen einem Film und einer Serie? Es ist nicht die Länge oder die Charaktere, sondern der Aufbau. In der Serie hat man viel mehr Zeit Charaktere zu etablieren, spannende Handlungsstränge zu verfolgen und Stück für Stück eine Geschichte aufzubauen.

Im Film leider nicht, da sollte man sich mit der Exposition kurzfassen, die wichtigsten Charaktere einführen und dann auf in die Schlacht. Einen Rat, den Mike Flanagan hätte vielleicht beherzigen sollen, denn als Miniserie hätte seine Adaption von „Doctor Sleep“ fantastisch funktioniert. Nur bei einem Film, der auf Teufel komm raus der Vorlage gerecht werden will und kein Risiko wagt, hier und da mal was zu kürzen, ist dies leider nicht der Fall.

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Denn im Vergleich zum gleichlangen „The Shining“ von Stanley Kubrick kommt der Film einfach nicht in Fahrt, oder besser gesagt befindet sich irgendwann im Stop and Go. Doch was macht Flanagan falsch, ist eine 1 zu 1 Adaption nicht das, was King und seine Fans sich gewünscht haben?

Schon, aber trotz alledem sollte man die Grundsätze des Filmemachens nicht außer Acht lassen, und gerade da, ist es halt fatal wenn jeder x-beliebige  Charakter im Film ausreichend Screentime erhält, nur um dann doch letzten Endes sprichwörtlich in Rauch aufzugehen. So fühlt sich der Zuschauer irgendwann gefangen in einem Labyrinth aus Gängen, wo es keinen Ausweg gibt und so sehr Flanagan es versucht mit Kamerafahrten, gelungenen Traumsequenzen einer bestechend unheimlichen Atmosphäre zu verschönern, reicht das letzten Endes nicht in die Ruhmeshalle. Warum die Sekte The Knot auch so eindrucksvoll und gefährlich in Szene gesetzt wird, wenn sie letzten Endes keiner Kugel standhalten kann, bleibt auch ein Rätsel. 

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Zumal Rebecca Fergusson als gewissenlose, diabolische Kindermörderin und Anführerin der Sekte Rose the Hat eine eindrucksvolle Performance abliefert, die jeden ihrer Co-Akteure selbst Ewan McGregor ziemlich blass aussehen lässt. So kalt und gleichzeitig magisch anziehend sie auch wirkt, so schnell wird ihr Treiben im Pendelspiel mit Danny Torence immer wieder unterbrochen. Damit geht jene Dynamik und Suspense, die Flanagan zu Beginn aufbaut im Dickicht aus irrelevanten Subplots unter. 

Dennoch schafft es Flanagan trotz aller Kritik die Anschluss und nachgestellten Shiningszenen sehr gekonnt in Szene zu setzen. Alles was sich ab dem letzten Drittel des Films abspielt, ist packend, spannend und zeigt auch Flanagans Liebe zum Original. Gerade wenn Ewan McGregor an der Bar sitzt oder als er das erste Mal nach all den Jahren das Hotel wieder betritt Zeigen genau die Art Inszenierung die Flanagan in seiner Netflix Serie unter Beweis gestellt hat. Und gerade ab diesem Punkt kommt der Film in Fahrt und offenbart auch Ewan McGregors Stärken, der zwar bei Weitem nicht den Wahnsinn verkörpern kann, wie damals Nicholson, aber dennoch so eindringlich das es glaubhaft und schockierend wirkt. 

Letzten Endes sei gesagt, dass Flanagan definitiv das beste aus dem Buch rausgeholt hat, sich aber doch zu sehr an diesem lang hangelt, was auch die positive Reaktion von King erklären könnte. Mit „Doctor Sleep“ ist wieder einmal bewiesen, dass man sich nie verpflichtet fühlen sollte, King Bücher vorlagengetreu zu verfilmen und auch keine Scheu zeigen, hier und da mal was zu kürzen. Denn am Ende gibt es immer noch einen Unterschied zwischen Buch und Film.

Über Marcel 538 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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