„Little Women“ oder das vielleicht schönste Feelgood Movie des Jahres Film Review

©Sony Pictures

Greta Gerwig ist längst keine Unbekannte in der Filmwelt mehr. Sie hat sich, angefangen als talentierter Schauspielerin, zu einer erfahrenen Filmemacherin und Drehautorin entwickelt. Ihre Zusammenarbeit mit Noah Baumbach genießen hohes Ansehen, gleichwohl wie ihr Spielfilmdebüt „Lady Bird“. Mit „Little Women“ wagt sie sich nun an einen Stoff, der schon zig male in verschiedenen Formen adaptiert wurde. Unter anderem als Anime mit dem Titel: „Eine fröhliche Familie“. Und dennoch gelingt es Gerwig auch diese Geschichte, zu ihrer eigenen zu machen. Denn trotz ihrer Erfahrung fühlen sich ihre Filme immer sehr leichtfüßig und liebevoll an. 

Sie versteht es einfach an den richtigen Stellen, Akzente zu setzen. So merkt man zwar bei „Little Women“ dass die Schauspielerrinnen nicht altern, allerdings durch die malerische Optik werden diese Unterschiede schnell bemerkbar. Die Zukunft ist trist, in dunklen Farben und man merkt schnell, dass sich das, was die Mädchen sich erträumt haben, nicht zu ihrer Wirklichkeit geworden ist. Ihr Charakter ist abgestumpfter, die Freude in ihren Augen ist verblasst und blitzt nur manchmal auf. Während die eine immernoch versucht, ihren Platz in der Welt zu finden, ist wiederum die andere mit ihrem Platz sehr unzufrieden und versucht sich weißzumachen, dass sie das für ihre Familie tut. Eine andere Schwester hat Liebe gegen Geld getauscht und trotz ihres Glücks ist ihre Sehnsucht nach schönen Dingen spürbar. Und der Nachbarsjunge von nebenan hat leider viel zu spät erkannt, wen er wirklich liebt und versucht sie zurückzugewinnen.

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Dagegen die Vergangenheit ist sehr farbenfroh, bunt und mit Fröhlichkeit und Heiterkeit erfüllt. Es macht Spaß, den Mädchen bei ihren Abenteuern zuzusehen und wie sie trotz aller Schwierigkeiten, immernoch eine Lösung finden. Sie ist sehr spielerisch dargestellt, alle haben Spaß, selten fließen Tränen und wenn, dann aus Freude. Sie schaffen es sogar, den Nachbarsjungen in ihre Spiele miteinzubeziehen, der außer seinem Onkel, niemanden mehr hat. Und selbst der, wird im wahrsten Sinne des Wortes, von den Mädchen verzaubert. So passiert es, dass eine der musikalisch begabten Schwestern, sich ans Klavier setzt und anfängt zu spielen, was in ihm Glücksgefühle auslöst. Etwas, was er schon seit Ewigkeiten nicht mehr gespürt hat. Die Mädchen schaffen es bemerkenswerter Weise, jeden Menschen in ihr Glück, miteinzubeziehen. Doch irgendwann kommt die Pupertät, die Wege trennen sich, andere verlieren sich, da die entstandenen Gefühle bei zweien nur einseitig vorhanden sind.

So sind die Zeitsprünge kaum spürbar und nur, wer richtig hinschaut, dem fallen sie auf. Erst kurios wird es, als die Mädchen erzählen, wie alt sie damals waren und nun heute sind. Doch Gerwig schafft es, selbst diese Kritikpunkte nichtig erscheinen zu lassen. Ihr gelingt es einen Mainstream Arthaus Film für die ganze Familie zu machen, der nicht hochtrabend erzählt ist und jedem Spaß und Freude machen könnte. Zur Überraschung vieler ist „Little Women“ eines der wenigen Kostümdramen geworden, die nicht vor Kitsch triefen und welches teilweise auch sehr lustig ist.

@Sony Pictures

Das Ganze funktioniert auch gerade wegen ihres Gespürs für die Besetzung, allen voran Saoirse Ronan, die wie in „Lady Bird“ die Hauptrolle und den Erzähler verkörpert, aber teilweise von dem Rising Star Florence Pugh an die Wand gespielt wird, welche hier wiederholt unter Beweis stellt, dass sie in geraumer Zeit, mit oben mitspielen wird. Gerade die Szenen zwischen den beiden, die Konflikte, auch in Bezug auf „Prince Charming“ Timothée Chalamet, der Don Giovanni, der Filmwelt, machen den Film zu etwas besonders, lebhaften. Klar auch Größen wie Laura Dern, Meryl Streep und Chris Cooper tragen ihren Teil dazu bei, aber wenn man genauer hinschaut, würden es die Mädchen das selbst ohne diese Größen, diesen Film in einer Art und Weise zu tragen, wie man sie selten sieht.

Sie haben sich von dem alten losgesagt und ihre eigene Geschichte zu Papier gebracht. Wortwörtlich, denn eine der schönsten Szenen, ist die des Buchdrucks, wo man bis ins Detail genau sieht, wie so eine Entstehung abläuft und auch der Moment, wo Jo ihr erstes Buch in den Händen hält, vermittelt eine Freude und Herzlichkeit. Man merkt, sie ist an ihren Ziel angekommen und das kann ihr nun keiner mehr nehmen.

Über Marcel 556 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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