Braucht es überhaupt noch die Filmkritik? Geek-Grübelecke

Inspiriert durch die Kollegen von Film plus Kritik, die das Verhalten vieler Filmkritiker infrage stellen, dachte ich wäre es mal gut eine essentielle Frage zu stellen, nämlich die über die Bedeutung und Notwendigkeit der Filmkritik in der heutigen Zeit.

Auf Kritiker hör ich nicht, ich geh trotzdem in den Film!

Eine Phrase die wahrscheinlich jeder Filmkritiker unter seiner Kritik schonmal gelesen hat. Dabei sollte Filmkritik niemals die Leute vor schlechten Filmen beschützen. Der Ursprung oder das Verstädnnis der Filmkritik ist eigentlich ein anderer. Allerdings wenn die Kritiker anfangen sich über die Dinge zu stellen, mit Umgangssprache um sich werfen und versuchen dem Zuschauer Vorschriften zu machen, ist diese ablehnende Haltung durchaus verständlich.

Empfehlungskritik oder kritisches Auseinandersetzen?

Die meisten Leute wissen nicht, das es im Bereich der Filmkritik unterschiedliche Formen gibt. Die Bekannteste ist die Empfehlungskritik, in der man aufsatzmäßig auf gute und schlechte Punkte sehr oberflächlich und leicht verständlich eingeht, das Ganze mit einer Inhaltsangabe, einer Wertung und einem abschließenden Fazit schmückt und fertig. Wenn man es genau nimmt, ist dass der klassiche Aufbau einer Erörterung. Ja genau das, was in der Schule die meisten gehasst haben, praktizieren sie jetzt. 

Eine Erörterung besteht immer aus einer Einleitung, einem Haupteil, in dem man Pro und Kontra Argumente diskutiert, als das Für und wieder und einen Schluss, in dem man kurz seine eigene Meinung darlegt. Das funktioniert perfekt in Fernsehzeitschriften oder in der Zeitung, hat aber mit der eigentlichen Kritik nur wenig zu tun.

Kritisches Auseinandersetzen jedoch ist die eigentliche Essenz der Filmkritik. Man sieht den Film, schildert seine Eindrücke und geht mehr ins Detail, sozusagen beleuchtet einige Punkte mehr als nur das allgemeine. Diese Form ist eher für jene, die den Film schon im Kino gesehen haben, weil der Kritiker sich dabei auch nicht vor Spoilern scheut. Was das ist, besprechen wir in einem anderen Artikel. 

Für mich persönlich ist die Filmkritik eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Film. Heißt das was ich gesehen hab, ist teilweise so viel, dass ich mich damit textlich und in Ruhe nochmal auseinadersetzen will. Ich möchte sozusagen mein Kinoerlebnis, meine Erfahrung reflektieren. Sowas ist nichts für den Durchschnittsleser, der nur wissen will, ob es sich lohnt, diesen Film im Kino zu schauen. Es ist mehr für die Leute, die hinterfragen.

Ist Filmkritik das gleiche wie Filmanalyse?

Jein. In der Filmanalyse geht man auf ganz spezielle Punkte ein, wie zum Beispiel die Ideologie eines Films oder was dieser Film im Kontext unseres derzeitgen Gesellschaftssystems aussagen will. Dort geht man auf bestimmte Punkte, bestimmte Szenen ein, die diese Argumentation noch unterfüttern. Das beste Beispiel dafür ist wahrscheinlich der Filmkritiker Wolfgang M Schmitt, der sich in einer solchen Weise mit dem Film auseinandersetzt. Gemessen natürlich an der heutigen Zeit. 

Sich lange damit auseindergesetzt hat der deutsche Journalist Siegfried Kracauer ,Mitte des 20 Jahrhunderts. Eines seiner bekanntesten Werke ist:Von Caligari zu Hitler: Eine psychologische Geschichte des deutschen Films“ von 1947. 

 Wahrscheinlich Ist Kracauer auch eine Art Inspriration für Schmitt. In den meisten Fällen muss man aber für eine solche Art der Kritik ein ziemlich fundiertes Wissen über den Film an sich, Psychologie, die Gesellschaft und die Weltwirtschaft haben. Sowas ist dann eher für Studenten und deswegen für den Otto Normalverbraucher schwer nachvollziehbar/ verständlich. 

Weitere Beispiele?

Ein besseres Beispiel für mit dem Film kritisch auseinandersetzen ist eher der Podcast Cuts, der sehr ins Detail geht und daher weit entfernt von der Empfehlungskritik oder der Filmanalyse von Schmidt ist, aber einem auch spannende Zusammenhänge bietet. Deswegen sind bei Redakteur Christian Eichler auch in den meisten Fällen Leute zu Gast, die sich sehr intensiv mit dem Thema Film befassen. 

Kinoplus hingegen ist so wie eine Talkshow. Auch sowas ist sehr gut, allerdings kein Vergleich zur Filmanalyse oder Cuts. Es ist so wie eine Plauderrunde von Filmexperten, die sich ausgelassen über das Thema Film unterhalten. Dort werden dann die aktuellen Kinostarts, Filmnews, etc. besprochen und jeder sagt seine Meinung dazu. Kann sehr viel Spaß machen und hat definitiv seine Berechtigung.

Ist das auch Filmkritik?

Im Grunde genommen schon. Allerdings wenn wir das Wort Filmkritik hören, denken wir automatisch eher an die literarische Form, also an einen Text. Deswegen kann da jeder seine Definition von Filmkritik selber auslegen, da gibt es weder richtig noch falsch.

Wieso sollte ich mir eine Filmkritik durchlesen beziehungsweise wieso macht man sich überhaupt die Arbeit?

In erster Linie weil man Spaß und Freude hat, sich mit dem Thema Film auseinanderzusetzen. Außer natürlich man hat einen richtigen Job als Filmkritiker und muss damit seinen Lebensunterhalt bestreiten. Deswegen gibt es auch einen Unterschied zwischen einem Blogger und einem Journalisten. Fest steht, es muss sich niemand irgendwas durchlesen, aber denjenigen zu defamieren, wenn ihm die Meinung nicht passt, ist ebenfalls inakzeptabel. Filme sollten zum Austausch anregen, man sollte Dinge hinterfragen oder sich einfach mal ausgelassen mit Kollegen und Freunden darüber unterhalten. 

Dennoch sollte man immer die Anstand und den Respekt bewahren, jedem seine Meinung zu lassen. Filmkritik ist wichtig mehr den je, aber sie sollte keine Vorschriften machen, sondern für Diskussionen anregen und eine Empfehlung ist immer etwas anderes als eine eigentliche Kritik.  

Und gerade deswegen sollte man selbst als Kritiker nicht versuchen über allem zu stehen, denn letzten Endes machen wir das nur, weil wir Spaß am Filme schauen und Serien schauen haben und weil wir unsere Freude gerne mit anderen teilen. Und das sollte sich auch in Zukunft nicht ändern!

Über Marcel 560 Artikel
Film ist eine Sprache die jeder versteht. Egal ob in serieller Form oder als Animation, Film dient den Menschen als Unterhaltung und begeistert durch seine Vielfältigkeit. Sei es auf den Ebenen der Erzählung, Effekten oder Charakteren. Film ist aber nicht nur eine Sprache, sondern eine Kunstform, ganz gleich in welcher Art und Weise. Das was ich an Film und allgemein an Medien liebe, ist die Vielfältigkeit, die verschiedenen Ebenen insbesondere die Meta Ebenen und in neue Welten einzutauchen. Aber auch Kritik und Lösungsvorschläge filmisch an unserem heutigen System auszuüben und zu zeigen, wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein".

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